New Found Glory - Tip of the iceberg / Takin' it ova

New Found Glory- Tip of the iceberg / Takin' it ova

Bridge 9 / Soulfood
VÖ: 02.05.2008

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Unter fremder Flagge

Irgendwie scheinen sie es ja geschafft zu haben, die Jungs von New Found Glory. Denn ohne jetzt auch nur einen einzigen Track der Band nennen zu können, der es in Deutschland in das Standardrepertoire eines lokalen Jugendzentrums geschafft hat, gilt die Band doch als feste Größe inmitten der US-Pop-Punk-Szene. Keine Warped-Tour ohne sie, jede Garderobe eines ordentlichen Pogotänzers mit mindestens einem ihrer Shirts. Und dieser Stellung scheinen sich die fünf wohl auch bewusst zu sein, wenn man sich mal das Konzept hinter der neuen Doppel-CD "Tip of the iceberg / Takin' it ova" vergegenwärtigt.

Denn kurz bevor in diesem Jahr mit einer Best-of-Sammlung noch die umfassende Retrospektive ansteht, scheint der Name New Found Glory hier in erster Linie doch nur als Eyecatcher zu fungieren, um die alten Fans auch für neue Aktivitäten zu begeistern. Denn nur auf CD Nummer 1, einer EP mit sechs Songs, agiert die Combo unter gewohnter Flagge, auch wenn von dem leicht seichtem Teenager-Punk der früheren Zeit wenig zu hören ist. Die Songs, darunter ein Cover des poppigen Juwels "Here we go" von Shelter, bereiten vielmehr unter verstärkter Knüppelei bereits auf den eigentlichen Clou des Packages vor, die CD2.

Denn dort toben sich die Fünf unter geändertem Namen als International Superheroes Of Hardcore im Genre der tätowierten Muskelpakete aus, dem sie - punkbiographiekonform - natürlich sowieso entstammen wollen. Also T-Shirts runter, bedrohlich mit den Armen schwingen und vor allem und immerzu mächtig schreien, so scheinen die Jungs sich das gedacht zu haben. Und teils mag das Gemoshe auch zünden, erdig steht die Härte im Vordergrund und wird Dramatik beschworen, wie beispielsweise bei der Treibjagd in "Seat belt". Oft rumpeln die Songs aber auch einfach nur recht einfallslos vor sich hin, als ob sich da eben einige Hühnerbrüstchen in die Ecke der wilden Jungs verirrt hätten.

Da dürfen sie ja auch hin, aber ärgerlich wird's, wenn die Neuen dann auch noch zu prahlen anfangen: Wie viele Bands sie kennen, auf welchen Konzerten sie waren, welches die dicken Songs sind - und was eben so die ganzen kleinen Codes in der Szene sind. Und eben so lassen sich die vielen Querbezüge in ihren Liedern verstehen ("Captain straight edge", "Madballs's got our back"), die dann auch noch mit mächtig zweifelhafter Ironie versehen sind. So ensteht der Eindruck, dass mit diesem akribischen Aufzählen von Hardcore-Essentials vor allem mächtig Credibility eingeheimst werden soll.

Aber für wen denn? Den überzeugten Hardcore-Hörern wird die Flapsigkeit maximal eine ordentliche Backpfeife wert sein, auch wenn man allzu dumpfen Zeilen wie "You don't have to have tattoos to be cool / If you like hardcore so we think you rule" in "Fashion show" ein gewisses Schmunzelpotenzial nicht absprechen mag. Die einzigen, die dann aber bei so was auch begeistert mithippen, sind wohl ihre jugendlichen Fans, die von dem ganzen Genre bisher keine Schimmer hatten. Und vielleicht ist das ja auch immerhin etwas, ein paar Unwissende in die Geheimnisse des Hardcores einweihen, anstatt sie im Glitzerbrei von Stadionrock, Klingeltönen und MTV-Videos verelenden zu lassen.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Here we go
  • Seat belt
  • Fashion show

Tracklist

  • CD 1
    1. Tip of the iceberg
    2. Dig my own grave
    3. If you don't love me
    4. No reason why
    5. Here we go
    6. Cut the tension
  • CD 2
    1. ISHC theme song
    2. Screamo gotta go
    3. Captain straight edge
    4. Seat belt
    5. Madball's gout our back
    6. Fashion show
    7. Back to the future
    8. Superhero sellouts
    9. Just like Dr. Jones
    10. Hardcore hokey pokey
    11. Dirty mouth
    12. Ebay revenge

Gesamtspielzeit: 27:25 min.

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