Gregor Samsa - Rest

Gregor Samsa- Rest

Own / Al!ve
VÖ: 25.04.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nach dem Post ist vor dem Rock

Die Klassik glaubt an objektive Gesetze, die Moderne hingegen beruft sich auf Kreativität. So oder so ähnlich haben wir es zumindest einmal gelernt, damals im Kunstunterricht. Die große Frage, die sich daraus ergibt: Was darf man sich überhaupt genau darunter vorstellen, wenn Gregor Samsa als "post modern classic" abgestempelt werden. Vielleicht so eine Art super- und hyperkreative Band, die sich nicht nur für Literatur von Franz Kafka interessiert, sondern auch in alten Zeiten der Wiener Klassik schwelgt? Um es vorwegzunehmen: Beides! Und sogar noch mehr. Denn im Gegensatz zu vielen aktuellen Bands, deren Musik man nur allzu gerne das Wortchen "Post" voranstellt, verdienen Gregor Samsa dieses Suffix wirklich.

Einfach gesagt, ist ja das Kennzeichen postmoderner Musik ein gewisser Pluralismus, das Vorhanden- und vor allem Nebeneinandersein von verschiedenen Sprachen im weitesten Sinne. Modelle und Verfahren werden nicht in unterschiedlichen Werken, sondern in genau einem umklammert. Schon allein deswegen dürften viele so genannte Post-Hardcore-Bands eigentlich gar nicht so betitelt werden, weil sie im Grunde oft viel zu uniform sind und einen die Gründung im Jahre 2001 nicht automatisch postmodern macht. Anders bei Gregor Samsa, die es zwar auch erst seit 2000 gibt, doch die unterm Strich alle Schlüsselmerkmale der Postmoderne vereinen. Das geht schon beim offensichtlichsten Kennzeichen los, dem Hybridcharakter, auch Stilmischung genannt: Post Rock trifft auf klassische Elemente, die bei "Rest" gegenüber "55:12"; noch mehr in den Vordergrund rücken. Selbst an Stellen, wo man auf dem Vorgänger noch das Gefühl hatte, es würde sich um Songs handeln, dem - in Anführungsstrichen gesehen - Hit "Even numbers" zum Beispiel, wird dies jetzt mehr und mehr negiert. Songs werden stattdessen zunehmend in Atmosphären aufgelöst - was keineswegs schlecht ist, um Gottes willen, die Sache aber auch nicht eben einfacher macht.

Zudem steigert "Rest" auch die Mehrfachcodierungen, sprich: die Deutungsmöglichkeiten, sowie die radikale Toleranz und Freiheit cinematischer Zeichenhaftigkeit, die den Normalos unter den Postrock-Bands ohnehin schon nachgesagt wird. Besonders beispielhaft dürfte da ein Song (?) wie "First mile, last mile" sein, der sich intertextuell bei so ziemlich allen Genres zwischen Ambient, Klassik und Rock bedient, sich emotional immer weiter reinsteigert, um sich dann selbst zu dekonstruieren. Der Vorteil ist, dass Gregor Samsa so der typischen laut-leise-Vernunft einzelner Songs, wie sie vermeintliche Genrekollegen oft spielen, eine strickte Absage erteilen - und genau deswegen auf "Rest" viel homogener klingen als diese. Das wirkt dann zwar noch irrealer, vervielfältigt andererseits die Interpretationen der möglichen Wahrheiten aufs Neue. Versteht erst einmal keiner? Willkommen in der Postmoderne!

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Jeroen van Aken
  • First mile, last mile

Tracklist

  1. The adolescent
  2. Ain leuh
  3. Abutting, dismantling
  4. Company
  5. Jeroen van Aken
  6. Rendered yards
  7. Pseudonyms
  8. First mile, last mile
  9. Du meine leise

Gesamtspielzeit: 47:57 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
...
2011-04-07 22:04:57 Uhr
"Jeroen van Aken mag ich abgöttisch"

ist aber auch der pure wahnsinn, dieser song!
Risiko Postrock
2011-04-07 21:02:02 Uhr
Over Air = 9/10

v.a. Jeroen van Aken mag ich abgöttisch.
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-07-23 09:21:20 Uhr
Obwohl ich sowohl "Rest" als auch "55:12" sehr mag, ist mir "27:36" am meisten ans Herz gewachsen. Eine gute halbe Stunde wunderschöne Musik und mit Untitled 3 einer der besten Songs den ich kenne.
toolshed
2009-08-06 03:04:51 Uhr
Dito mit novemberfliehen. Allein wegen "Young and Old" ist die Anschaffung lohnenswert.
Margot
2009-06-27 17:09:36 Uhr
Hast du Erich gesehen?
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