Jesse Malin - On your sleeve

Jesse Malin- On your sleeve

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 04.04.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

High-End-Karaoke

Jesse Malin ist ein Jäger und Sammler. Jemand, der in abgelegenen New Yorker Plattenläden auf der Suche nach vergriffenen Erstpressungen und Vinyl-Raritäten ist. Ein Musiker und Fan der alten Schule, dem das ganze MP3-Zeitalter etwas suspekt erscheint. Auf Konzerten fordert er seine Fans dann auch gerne mal auf, sich hinzusetzen, steigt mit dem Mikrofon von der Bühne, hockt im Schneidersitz zwischen seinen Jüngern und verkündet nölige Weisheiten: "Guys, this is real. Do you understand? This is true, men. We're together here. No Myspace or Youtube-Shit could ever compete with this moment." Etwas seltsam ist diese Performance schon - aber durchaus sympathisch.

Nachdem Malin sich mit seinem 2007 erschienenen Pure-American-Rock-Album "Glitter in the gutter" als einer der legitimen Erben von Bruce "The Boss" Springsteen empfahl, hofiert er auf "On your sleeve" alte und neuen Helden mit 14 Coverversionen. Eine Herzensangelegenheit, die vor allem eines ist: mutig. Denn bei der Songauswahl hat er sich nicht etwa an unbekannte Perlen vergangener Punksozialisierung erinnert, sondern größtenteils All-Time-Classics aus der Vinylbox herausgekramt. Neil Young, The Ramones, The Rolling Stones. Hier will jemand klotzen, nicht kleckern.

Malins Variante des The-Ramones-Klassikers "Do you remember rock and roll radio?" erscheint als guter Freund, den man lange nicht mehr gesehen hat, und schon nach wenigen Augenblicken ist klar, was man damals so an ihm geliebt hat. Einige werden es als Majestätsbeleidigung empfinden, wenn sie das elektronisch durchhauchte Stones-Cover "Sway" zum ersten Mal hören. Doch selbst im neuen Gewand und 38 Jahre nach der Originalaufnahme ist dieser Song unverwüstlich. Auch "Russian roulette" kann mit seiner rotzigen Attitüde und dem dreckigem Gekeife am Ende überzeugen. Ganz nebenbei bewahrt es das Punk-All-Star-Projekt Lords Of The New Church vor dem endgültigen Vergessen.

Malins Stimme hingegen ist auf "On your sleeve" zwar immer noch unverwechselbar, allerdings nicht gerade wandlungsfähig. Sam Cookes "Wonderful world" lebt nun mal vom speziellen Gospelklang des Soulsängers, und "I hope I don't fall in love with you" von Tom Waits ist ohne das tiefe, gebrochene Timbre des Altmeisters einfach nur eine nette Ballade. Man muss Jesse Malin mögen, um an "On your sleeve" Gefallen zu finden. Alle anderen werden dankbar ob der Erinnerung nicken und selbst zum Jäger mutieren. Nach den Originalen. This is real, man.

(Steffen Meyer)

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Highlights

  • Russian roulette (Lords Of The New Church)
  • You can make them like you (The Hold Steady)

Tracklist

  1. Looking for a love (Neil Young)
  2. Do you remember rock and roll radio? (The Ramones)
  3. Sway (The Rolling Stones)
  4. Russian roulette (Lords Of The New Church)
  5. Gates of the West (The Clash)
  6. Me and Julio down by the school yard (Paul Simon)
  7. You can make them like you (The Hold Steady)
  8. Walk on the wild side (Lou Reed)
  9. Harmony (Elton John)
  10. Rodeo town (The Kills)
  11. Wonderful world (Sam Cooke)
  12. Operator (Jim Croce)
  13. I hope I don't fall in love with you (Tom Waits)
  14. Everybody's talking (Harry Nilsson)

Gesamtspielzeit: 46:14 min.

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  • Jesse Malin (22 Beiträge / Letzter am 22.05.2007 - 21:16 Uhr)