Green Lizard - Identity

Green Lizard- Identity

Double T / Sony
VÖ: 02.06.2000

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Fünkchen Hoffnung

Der Schatten ist lang. Nur wenige Wochen zuvor hat eine Handvoll Koryphäen aus Seattle mit "Binaural" ein weiteres, möglicherweise letztes, Lebenszeichen veröffentlicht und damit die Meßlatte für noch spätere Spätwerke verdammt hoch angesetzt. "Binaural" ist ein Relikt aus dem Zeitalter des Grunge, einer Musikrichtung, die heute höchstens noch von Jungspunden wie Silverchair oder Creed mehr schlecht als recht am Leben erhalten wird. Selbst Pearl Jam haben sich längst in eine andere Richtung bewegt und das klaffende Loch, das bereits ihre verblichenen Kollegen hinterlassen haben, noch mehr ausgeweitet.

In genau diese Lücke, wenn sie denn nach den vielen mißglückten Versuchen Anderer noch als wirkliche Lücke angesehen werden kann, versuchen Green Lizard aus Holland zu stoßen. Drei sympathische Geschwister mit dem klangvollen Nachnamen Tjong Ajong und zwei Mitstreiter an der Rhythmusfraktion aus einem Land, das sich, von Urban Dance Squad, Bettie Serveert und Anouk abgesehen, bislang höchstens mit Euro-Trash wie 2 Unlimited und dem sprichwörtlichen und nichtsprichwörtlichen Käse bemerkbar gemacht hat.

So ist es in der Tat in der heutigen Zeit nicht mehr der Weisheit und der Originalität letzter Schluß, einen Police-Klassiker zu covern ist. Wenn dies aber so gelungen und neuartig geschieht wie bei Green Lizards "Wrapped around your finger" kann man getrost den bereits erhobenen Zeigefinger wieder senken. Auch in den elf Eigenkompositionen paart sich die heisere Stimme von Remi Tjong Ajong mit treibenden Gitarren und desillusionierten Texten. Richtig, Seattle lautet das Zauberwort. Die erste Single "Turn around", zu deren Anlaß es einen entzückenden Cartoon-Videoclip geben soll, fusioniert noch die Geradlinigkeit von Bush mit der von Bad Religion, alle anderen härteren Stücke sind mehr in den düsteren Gewässern von entkräfteten Soundgarden oder Alice In Chains zu Hause.

Ihre stärksten Momente hat die grüne Eidechse jedoch, wenn sie sich besonders schleichend voranbewegt und die leisen Töne nutzt, die für so viele Grunger der alten Schule ein Buch mit sieben Siegeln waren. Die herbstlichen Streicher in "Autumn" fügen sich ebenso nahtlos in eine gelungene Komposition ein wie ein sehr direkter Text in den schlichten finalen Vorhang "No one knew": "No one knew what went on until it was too late. He shot him, no one knew anything about you. And in the end, everything seemed lost. He could not defend his right to live". Alles wird zu Grabe getragen, nur das Fünkchen Hoffnung bleibt am Leben.

"Identity" haben Green Lizard ihr Major-Debüt betitelt und stellen damit nicht ganz zu Unrecht nicht nur die Existenz ihrer Musikrichtung, sondern auch ihre eigene in Frage. Auffälliges Manko an "Identity" ist nämlich, daß Green Lizard in den Uptempo-Tracks noch zu oft in Plagiate verfallen, anstatt innerhalb der vier Wände des Grunge eigene Ideen zu entwickeln. Wenn es noch gelingt, wirklich kreative Energien freizusetzen, könnten Green Lizard sogar eines Tages die Nachfolge von Pearl Jam und Alice In Chains, deren Zukunft momentan leider in den Sternen geschrieben steht, und aller anderen zahllosen Vorbilder antreten. Alice wird in Ketten liegen und die Gitarren endlich wieder in Schutt und Asche. Warten wir es ab.

(Armin Linder)

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Highlights

  • Turn around
  • Autumn
  • Speak the words
  • Wrapped around your finger

Tracklist

  1. Gone
  2. Turn around
  3. Rise
  4. Autumn
  5. Your best friend
  6. Requiem II
  7. Grey
  8. Down
  9. Hurt
  10. Speak the words
  11. Wrapped around your finger
  12. No one knew

Gesamtspielzeit: 52:54 min.

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