Mystery Jets - Twenty one

Mystery Jets- Twenty one

Rough Trade / Beggars / Rough Trade
VÖ: 18.04.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Frühstücksradio

Der Name einer Musikgruppe ist in der Regel viel zu unwichtig, um ihr ganzes Schicksal vorwegzunehmen. Höchstens bei The Velvet Underground wurde die zeitgenössische Erfolglosigkeit schon im Bandnamen mitgeliefert - andere Kandidaten wie Mötley Crüe oder Alabama Thunderpussy übten sich doch eher in der Verharmlosung des eigenen Treibens oder legten gleich komplett falsche Fährten. So gesehen kommt den Mystery Jets von vornherein eine Sonderstellung zu: Obwohl bisher kein Konsens darüber besteht, wie diese Band passieren konnte, wo sie plötzlich herkommt und was sie überhaupt will, können sich doch zumindest alle darauf einigen, dass der passende Name auf ihren Platten steht. Unbekannte Flugobjekte am englischen Musikhimmel – jetzt bitte anschnallen, Handys aus und alle Sitze in aufrechte Position bringen.

Es waren schon vor zwei Jahren die kleinen Schrulligkeiten in ihrer Biografie, die die Mystery Jets am besten charakterisiert haben: Diese Band kommt nur strenggenommen aus London; eigentlich stammt sie von der kleinen Eel Pie Island, die auf absurde Weise aus der Themse herausragt und in den 70er Jahren einen der besten Rockclubs der Hauptstadt beherbergte. Außerdem gibt es da natürlich noch diese eine Geschichte: Gitarrist Henry Harrison ist der Vater von Sänger Blaine Harrison – und wenn man wollte, könnte man die zweite Mystery-Jets-Platte "Twenty one" prima an diesem Generationenkonflikt vor sich herkicken. Sturm und Drang stehen hier neben einer beinahe wertkonservativen Idee von britischem Gitarrenpop. Gegenwart, Vergangenheit und vage Zukunftsahnungen sind so selbstsicher per Du, wie es wirklich nur ganz alte Feinde sein können.

Wenn Blaine hier mit Kampfhummeln im Arsch und den Alarmsirenen von "Hideaway" losheult, ließe sich das leicht als verschlüsseltes Bewerbungsschreiben um einen Aushilfsjob bei den Klaxons missverstehen – wenn nicht das nächste Stück schon wieder nahelegen würde, dass "Twenty one" nicht nur Name, sondern auch Alter dieser Platte ist. "Half in love with Elisabeth" wiegt sich rührend altmodisch in seiner Unentschlossenheit und bringt ganz beiläufig eine 80er-Jahre-Frühstücksradio-Ästhetik ins Album, an der sich die Mystery Jets in der Folge noch sehr genüsslich abarbeiten werden. Wenn Blaine in "Two doors down" etwa "I'm in love with a girl next door" singt und seine Band dazu den Songtitel im Ausdruckschor schmettert, ist das schon angemessen hirnverbrannt – wird aber selbstverständlich erst durch ein dreifach abgefälschtes Saxophon-Solo zur Formvollendung gebracht.

Wie sehr die Mystery Jets gereift und vorangekommen sind, seit vor zwei Jahren ihr Debüt "Making dens" erschienen ist, muss man sich schon in anderen Ecken der Platte zusammensuchen: "Flakes" positioniert sich problemlos als glitzernde Edelschnulze, die gleich noch den großen Schatten mit wirft, in dem der Rest des Albums stehen muss. Nur "Behind the bunhouse" traut sich da noch mal heraus – ein ebenso getriebener wie antreibender, gänzlich ernsthafter Rocksong, viel näher an den ambitionierteren Großbaustellen von Okkervil River als der anfangs irritierenden Glätte, die sich "Twenty one" sowieso nur an der Oberfläche genehmigt. Hier wird vom Aufwachsen, Großwerden und sonstigem Teenagerkram gesungen, und trotzdem sind es immer und ganz bestimmt die Geschichten der Mystery Jets mit dem 57-jährigen Rhythmusgitarristen. So klang noch kein zweites Album des Britenhypes.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Flakes
  • Veiled in grey
  • MJ
  • Behind the bunhouse

Tracklist

  1. Hideaway
  2. Young love
  3. Half in love with Elisabeth
  4. Flakes
  5. Veiled in grey
  6. Two doors down
  7. MJ
  8. Umbrella head
  9. Hand me down
  10. First to know
  11. Behind the bunhouse

Gesamtspielzeit: 50:42 min.

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