Iggy Pop - Beat 'em up

Iggy Pop- Beat 'em up

Virgin / EMI
VÖ: 18.06.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Angry old man

Wer geglaubt hatte, James Osterberg hätte sein '99er Album "Avenue B" absichtsvoll wie einen gereiften Gruß vom Altenteil klingen lassen, sollte sich jetzt schon einmal um neues Ohropax bemühen. Iggy Pop ist zurück und kommt dabei grantelnd, ruppig, laut und vor allem dreckiger als freilaufende Latrinen-Bewohner über uns. Als erste Amtshandlung werden die Stimmbänder bis zum Anschlag überdehnt, bis der Staub aus allen Ritzen rieselt. Was den unseligen Stooges recht war, ist Solo-Iggy schließlich immer noch billig.

Wer sich nach zynischen Zärtlichkeiten wie "You wear a mask / You look better that way" sehnt, ist bei "Beat 'em up", dem neuen Album des zornigen 54-jährigen, genau richtig. Für ungepflegte Wutausbrüche ist Pop nämlich auch auf seinem sechzehnten Studioalbum (unzählige Live-Mitschnitte und sonstige Zusammenstellungen nicht mitgezählt) trotz der fast besinnlichen Auszeit mit dem Vorgänger immer noch zu haben. Ob er nun in "Howl" und "Go for the throat" mit den Wölfen heult, ob er auf den dahergelaufenen "Jerk" schimpft oder einfach nur feststellt, "It's all shit" - ein freundliches Wort hat Pop für niemanden übrig.

Da jault die Rotzgitarre, da knurrt der Baß, da prügelt das Schlagwerk, da brummt der Schädel, daß selbst die Aspirin versagt. Leider fehlt aber ein weiteres Detail zum Glück: Songs, mit denen der zornige, alte Herr nicht nur wüten, sondern auch mitreißen könnte. Nach "Avenue B" folgt leider wieder Schema F. Zu offensichtlich strengen sich Pops Mannen an, ihm den Schlamm zu pflügen, in dem er sich wälzen kann. Zu leidenschaftslos suhlt sich der Punk der Band im Dreck. Den Schweiß, den Pop bei Liveauftritten alleine schon durch seine pure Existenz fließen läßt, hört man "Beat 'em up" viel zu selten an.

Manchmal aber blitzt die alte Genialität des Herrn aus Michigan doch wieder auf. Wenn er im abschließenden "V.I.P." genüßlich spöttelnd wie sonst nur Henry Rollins über sogenannte Very Important Persons herzieht, die so wichtig sind, daß sie nicht einmal mehr wissen, warum sie eigentlich so furchtbar wichtig sind, sorgt der Haß endlich wieder für ein spöttisches Grinsen. Die gefletschten Zähne recken sich und kichern voller Vorfreunde auf weitere Bösartigkeiten. Zum kraftvollen Zubeißen gehört aber leider mehr als lautstarkes Gebell. Hunde, die bellen, beißen bekanntlich nicht.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Mask
  • V.I.P.

Tracklist

  1. Mask
  2. L.O.S.T.
  3. Howl
  4. Football
  5. Savior
  6. Beat 'em up
  7. Talking snake
  8. Jerk
  9. Death is certain
  10. Go for the throat
  11. Weasels
  12. Drink new blood
  13. It's all shit
  14. Ugliness
  15. V.I.P.

Gesamtspielzeit: 66:40 min.

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