The Indelicates - American demo

The Indelicates- American demo

Weekender / Indigo
VÖ: 28.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Little Britain

Populäre Musik ist nicht mehr das, was sie mal war. Jeder Gala-Leser hält sich inzwischen für einen Kenner, weil er weiß, was sich Pete Doherty und Amy Winehouse in die Nase ziehen, und Superstars gibt's billiger und mit früherem Verfallsdatum als Quark bei Aldi. Auftritt The Indelicates aus Brighton: Die prophezeien den Untergang des Rock'n'Roll schon seit einiger Zeit und hüten sich deswegen natürlich, welchen zu spielen. Wenn sie nicht gerade ihre schamlose Nu-Metal-Parodie The Band Who Must Not Be Named betreiben.

Gitarrist Simon Clayton hat sich als Performancekünstler bereits in einem bizarren Bibelmusical einen Namen gemacht, Pianistin Julia Clark-Lowes sang sogar mal bei den knuffigen Pipettes, bevor ihr die zuckrige Angelegenheit offenbar zu viel wurde. Fortan nannten sie sich Simon und Julia Indelicate, gründeten die gleichnamige Band und nahmen einige bezaubernde Songs auf. "Waiting for Pete Doherty to die" etwa, wegen dem im Vereinigten Königreich um ein Haar mal kurz die Lynchjustiz wieder eingeführt worden wäre. Oder "We hate the kids", das Pulps "Common people" zu einer hämischen Moritat über fehlgeleitete Popkultur umdeutete.

Auch das Debütalbum der Indelicates besteht zu einem Großteil aus Versatzstücken, die sie aus den Trümmern des großen Brit-Pop-Booms der Neunziger Jahre zusammenklaubt haben: Leichtfüßige Gitarren, die einem fröhlich unbequeme Wahrheiten unterjubeln. Hochgestochen aufgezogener Drama-Pop ohne Scheu vor großer romantischer Geste und Überkandideltheit. Und natürlich unglaublich griffige Songs mit Sinn für Hooklines, Dynamik und sofort wirkende Melodien. Strahlende Balladen wie "New art for the people" in allen Ehren, aber am stärksten ist "American demo" dann, wenn das Tempo angezogen wird, The Indelicates alle Twee(t)-Pop-Herzen hüpfen lassen und aus vollem Halse Dinge wie "We've never had it so good / Life is sweet" singen. Auch wenn man das vermutlich nicht wörtlich nehmen darf.

Angesichts vieler fantastischer Songs darf man schon mal überhören, dass dieses Album auch seine Schwächen hat. Vor allem in den Stücken, die Julia Clark-Lowes gesanglich alleine bestreitet und dabei eine Mischung aus Diva und einem Hamster unter Folter gibt. Die an sich furiose Single "America" winkt statt mit dem Zaunpfahl sogar gleich mit einem ganzen Sägewerk: Aus "God bless" wird "Godless", und irgendwie bekommt man den etwas schalen Eindruck, als wolle die Band kurz vor George Bushs Ablösung noch mal schnell auf Kosten der USA und der britischen Außenpolitik punkten, ehe sich das nicht mehr lohnt. Aber den Indelicates kann man eben viel verzeihen. Sogar die technisch einwandfreieren, aber weniger pointierten Albumversionen einiger früher Songs. Denn trotz allem klang es selten hinreißender, wenn jemand mit Freuden an dem Ast sägt, auf dem er gerade sitzt.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • The last significant statement to be made in Rock'n'Roll
  • Julia, we don't live in the '60s
  • If Jeff Buckley had lived
  • America

Tracklist

  1. New art for the people (Theme)
  2. The last significant statement to be made in Rock'n'Roll
  3. Our daughters will never be free
  4. Better to know
  5. Sixteen
  6. Julia, we don't live in the '60s
  7. Stars
  8. New art for the people
  9. Unity Mitford
  10. If Jeff Buckley had lived
  11. America
  12. Heroin
  13. We hate the kids
  14. (Secret Track)

Gesamtspielzeit: 54:15 min.

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