Tapes 'N Tapes - Walk it off

Tapes 'N Tapes- Walk it off

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 28.03.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Einen vor, zwei zurück

Vielleicht haben Tapes 'N Tapes ja einfach ein wenig zuviel an jenen Trüffelschwein-Blogs geschnüffelt, in denen ihr Debüt "The loon" zunächst gewittert und dann unter Beifallsstürmen ins globale Gedächtnis gefixt wurde. Denn was in der Welt der Drogen gilt, das gilt auch in der des Lobgesangs - Medizin oder Gift: die Dosis macht's. Tapes 'N Tapes sind mit "Walk it off" nun dort angekommen, wo der Entdeckergeist und die Vorschusslorbeeren aus dem Second Life der Anderen nicht mehr wirklich weiterhelfen: in der schnöden Realität des Nachfolgewerkes. "Walk it off" verbreitet entsprechend ebenso viel Katerstimmung wie Horizonterweiterungen.

Der allergrößte Teil der Songs ist milde gesehen großartig. Das überspannte Wummern von "Headshock" oder das hochgefuzzte "Blunt" könnten den alten Laut-und-leise-Joker gar nicht besser dreschen. "Le ruse" ringt ebenso souverän wie grüblerisch mit schlingernd lärmender Emotionalität, gleichsam "Conquest", das seiner Interpol-Spartanik zudem mit einem wirklich herzerweichenden Riff das Poschütteln beibringt. Und auch bei der mit Modest-Mouse-Akzent gesungenen 50er-Hommage "Time of songs" sowie dem gelockerten, mit tiefen Drums zurück- und auf Orgel-Schwingen wieder emporschwebendem Schaukeln von "Say back something" trifft poppige Kurzweil auf die nachhaltigen Spleens von Indierock. Eine geglückte Mischung, die dafür sorgt, dass den Songs auf der Ziellinie nicht die Puste ausgeht.

Was "Walk it off" allerdings ein wenig den Atem raubt, ist ein kaum verständliches Zuviel des Guten. Nicht immer schaffen es Tapes 'N Tapes, ihre Songs aneinander zu binden. Dafür sind sie zu eindeutig und stehen lediglich für sich ausgesprochen gut da. Da wird die kleine Idee, die vielleicht den roten Faden spinnen würde, schon mal zu dem Hirngespinst wieder aufgerollt, dass irgendwie noch nicht genug 70er-Rock-Riffs und Funk-Magenkratzer auf der Scheibe gelandet sind. Deshalb wirken Songs wie "The dirty dirty" oder "Hang them all" zwar längst noch nicht wie Fremdkörper. Mit ihnen spielen will aber auch niemand so Recht.

Das mag dann etwas mit Erwartungshaltungen zu tun haben und der Souveränität, mit der ihnen geantwortet wird. In diesem Sinne ist "Walk it off" in der Tat so etwas wie ein Debüt. Freispiel war gestern. Heute muss sich freigespielt und der Beweis erbracht werden. Tapes 'N Tapes demonstrieren, dass der Hype um sie durchaus berechtigt ist. Man spürt aber auch, dass sie als ehemaliger Teil einer fremdbestimmten Werbemaschinerie vor allem über sich selbst noch einiges lernen müssen. Immerhin sind sie auf sehr gutem Wege. Erste Trippelschritte zur dritten Chance im Second Life.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Time of songs
  • Headshock
  • Say back something

Tracklist

  1. Le ruse
  2. Time of songs
  3. Hang them all
  4. Headshock
  5. Conquest
  6. Say back something
  7. Demon apple
  8. Blunt
  9. George Michael
  10. Anvil
  11. Lines
  12. The dirty dirty

Gesamtspielzeit: 44:15 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
thomas
2008-08-05 16:16:40 Uhr
album wird immer besser, "lines" ist das mit abstand beste tapes n tapes stück
Soup Dragon
2008-06-28 19:53:24 Uhr
Vollkommen verkanntes Album, wollt ich nur nochmal gesagt haben. Läuft bei mir immer noch regelmäßig. Eine der besten Rock-Platten dieses Jahr.
Susu
2008-04-20 13:16:29 Uhr
Also ich weiß nicht, aber mir gefällt das Debüt um Längen besser. Auf "Walk it off" sind zwar ein paar ganz nette Momente drauf, aber in der Gesamtheit finde ich das Album wirklich lau. Ich kann auch nicht die Meinung teilen, dass es besonders sperrig ist, da ist "The Loon" doch wesentlich verknoteter.
eric
2008-04-17 17:48:33 Uhr
Noch 'ne Rezension:

http://www.popcultures.de/pc_headphones_show.php?review=724
Soup Dragon
2008-04-10 16:31:11 Uhr
Hat ja auch was für sich, wenn die Band nicht den Weg der ganz großen Pop-Karriere geht. Es ist eben nur deprimierend zu sehen, wie reihenweise talentierte Bands von den Medien/Blogs/was auch immer bereits beim zweiten Album fallen gelassen werden, nur weil dieses irgendwelche Erwartungshaltungen nicht erfüllt. Und falls es diese erfüllt, wird der Band dann spätestens bei Album Nr.3 mangelnde Innovation vorgeworfen. Ich weiß, dies ist kein neues Phänomen, aber eine Laufbahn wie die von Radiohead oder, sagen wir, Notwist kann ich mir in der heutigen Zeit nur noch schwer vorstellen.
So das war's für heute von mir in Sachen Kulturpessimismus und "früher war alles besser".
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