The Raconteurs - Consolers of the lonely

The Raconteurs- Consolers of the lonely

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 25.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Familienalbum

Ein Mann, ein Riff, eine Bassdrum - das war einmal. Seitdem der Hype in Detroit nur noch ein Ferienhaus hat und der trockene Trampelpfad langsam zuwächst, den sich "Elephant" mit seiner "Seven nation army" quer durch den modernen Rock bahnte, mutiert Ex-Berufsegomane und Ex-Garagendogmatiker Jack White zusehends zu einem passablen Teamplayer. Während auch die White Stripes schleichend mit immer mehr als nur eineinhalb Instrumenten die Erwartungshaltung rund um ihren spröden Bluesrock kaputt grinsen, gestattet sich White seit 2005 zusätzlich das Spiel mit den Nachbarskindern. Schon das Raconteurs-Debüt "Broken boy soldiers" war dabei keine Fortführung seiner Ego-Diktatur, sondern ein waschechtes Bandalbum, das scheinbar reibungsfrei Whites Talente und die ebenbürtigen Songschreiber- und Gesangsqualitäten des zweiten Bandleaders Brendan Benson addierte.

Bei aller Freude über wenigstens drei handfeste Hits und ein überrundes Debütalbum hatte man immer das Gefühl, als wäre das Erscheinen der Raconteurs auf der Bildfläche ein wenig zu geordnet, zu unaufgeregt, zu selbstverständlich von Statten gegangen. "Consolers of the lonely" schließt die logische Lücke, indem es als zweites Album all die impulsive Spontanität nachholt, die das Debüt so altklug von sich wies. Schon der titelgebende Opener präsentiert das Quartett unüberhörbar in enormer Spielfreude: Benson singt von nicht spürbarer Langeweile, ein Break, und schon nölt sich White durch eines seiner gemächlichen Blues-Riffs. Selbst die Veröffentlichungspolitik passt ins Konzept - eine Woche verging von der Ankündigung bis zur regulären Veröffentlichung des Albums; lange Gesichter also bei Downloadern und Musikpresse.

Nicht nur die Riffrocker-Single "Salute your solution" mit ihrer saftigen Fuzz-Basslinie und pulsierenden Dynamik zeigt die Band und speziell White wie entfesselt. Auf ganzer Albumlänge scheinen die Mitglieder im Bandgefüge aufzugehen. Spielerisch schieben sich Benson und White gegenseitig Gesangsparts unter, Bensons Beatles-Nummer "You don't understand me" wird von Whites schnellem Grunge-Blues "Five on the five" ausbalanciert, und "The switch and the spur" zerbricht fast unter der Last des heterogenen Gemischs aus schneidendem Klavier, trockenem Blues-Solo, Walzer-Takt und Western-Bläsern. Dass "Consolers of the lonely" unbefangen und aus dem Bauch heraus jeder Idee Platz einräumt und trotzdem nur heterogen, aber nicht zerfahren wirkt, ist schlicht erstaunlich. Mehr als einmal wächst schließlich zusammen, was nie zusammen gehörte, wie im "Rich kid blues", der mit balladeskem Classic Rock beginnt und endet, dazwischen aber den progressiveren Momenten von The Who huldigt.

Weniger pop- und hitlastig als sein Vorgänger ist "Consolers of the lonely" - nicht die leichtere, wohl aber die unbeschwertere und lebendigere Platte, der man jederzeit den Spaß anmerkt, den ihre Protagonisten mit ihr hatten. Außerdem wird die von "Icky thump" geborgte Folk- und Western-Attitüde von Songs wie "Top yourself" oder der fiebrigen Südstaaten-Mörderballade "Carolina drama" dem bandeigenen Selbstverständnis vom musizierenden Geschichtenerzähler endlich vollständig gerecht. Er ist ansteckend, dieser Enthusiasmus, den die Raconteurs mit "Consolers of the lonely" unters Volk streuen. Man kann sich - auch wenn es kitschig klingt - des Eindrucks nicht erwehren: Auf diese Band haben alle Beteiligten gewartet. Und jetzt fangen sie erst richtig an.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Salute your solution
  • Top yourself
  • Rich kid blues
  • Carolina drama

Tracklist

  1. Consolers of the lonely
  2. Salute your solution
  3. You don't understand me
  4. Old enough
  5. The switch and the spur
  6. Hold up
  7. Top yourself
  8. Many shades of black
  9. Five on the five
  10. Attention
  11. Pull this blanket off
  12. Rich kid blues
  13. These stones will shout
  14. Carolina drama

Gesamtspielzeit: 55:30 min.

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MopedTobias

Postings: 11825

Registriert seit 10.09.2013

2019-01-07 20:08:12 Uhr
Wie an anderer Stelle schon mal geschrieben halte ich Consolers für das beste Album mit White-Beteiligung und freue mich dementsprechend sehr auf die Neue. Finde ihn solo aber schon in Ordnung, hatte Spaß mit allen drei Platten.
Nun
2019-01-07 14:36:23 Uhr
Sunday Driver klingt schon mal schön catchy ohne zu gewollt so zu klingen.
Now That You're Gone geht auch gut ins Ohr.

Ja ich freu mich auf dieses Comeback, bin da auch auf @Bonzo's Seite.
Finde Jack White Solo eher so meh

Bonzo

Postings: 1449

Registriert seit 13.06.2013

2019-01-07 13:30:48 Uhr
Eine der besten Nachrichten letztes Jahr. Kann mit Jack Whites Solooutput nichts anfangen. Sunday Driver und Now That You're Gone gefallen mir schon ganz gut.
News
2018-10-09 10:50:27 Uhr
Neuauflage der bisherigen Platten für dieses Jahr im Einmarsch.
Und für 2019. ist ein Comeback geplant mit der dritten Platte.

https://vault.thirdmanstore.com/news/introducing-vault-package-38-the-raconteurs-consolers-of-the-lonely
Flo
2012-05-30 19:42:20 Uhr
Carolina Drama ist ein Monstrum von einem Song!
Zum kompletten Thread

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