Operator Please - Yes yes vindictive

Operator Please- Yes yes vindictive

Brille / PIAS / Rough Trade
VÖ: 14.03.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Sturm im Wasserglas

Preisfrage: Was haben Dieter Bohlen und Operator Please gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Jedoch hat Sportsfreund Bohlen 1981 den Song "New York" für die Gruppe The Teens komponiert, eine Schülerband, die "mit ihrer frischen Ausstrahlung schon so manche Schulfete zum Kochen gebracht" hat. Zumindest, wenn man dem Backcovertext ihrer ersten Single glauben will. Den fünf Australiern von Operator Please wurde zwar nicht die zweifelhafte Ehre zuteil, einen Song von Dieter Almighty als Pausenbrot im Ranzen zu finden, dafür erhielten sie vor zwei Jahren als ersten Preis beim Bandwettbewerb ihrer Highschool aber eine Doughnut-Box. Dann kam eine Plattenfirma, und vor kurzem kam Zane Lowe, DJ bei BBC Radio 1, und erklärte die Single "Get what you want" zur "hottest record in the world". Das nennt man dann wohl einen Traumstart.

Allerdings gehört es nun mal zu Lowes Job, schmissige, hitverdächtige, aber auch nicht eben revolutionäre Indiepopsongs so lange mit Unverzichtbarkeitsphrasen aufzupumpen, bis sie platzen. Auch "Get what you want" ist da trotz aller eingestandenen Qualitäten nur eine weitere Blendgranate. Tragendes Element ist hier wie sonst auch auf "Yes yes vindictive" Amanda Wilkinsons Stimme zwischen Karen O und Beth Ditto, deren wütendes "You can't always get what you want" so klingt wie Mutti, die zwischen den Supermarkt-Regalen ihrem verzogenen Blag mal ordentlich die Leviten liest. Gleich im Anschluss überschlägt sich "Just a song about ping pong" im jugendlichen Überschwang. Die Gitarre schrammelt, Handclaps imitieren den hin- und herzischenden Ball, und vor dem Matchpoint holt man noch mal kurz Luft, ehe die Plastikkugel unerreichbar für den Gegner übers Netz gejagt wird. "Cringe" packt danach die Horror-Orgel aus und "Two for my seconds" setzt – nicht wirklich gelungen – mit Piano auf eine noch poppigere Note und holt nur im Mittelteil die Gitarren für einen kurzen Galopp aus dem Schrank. Bester Song allerdings ist "Leave it alone", das trotz allen Vorwärtsdrangs unterschwellig auch ein wenig Melancholie spüren lässt. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der Band ist dabei immer die Violine, die wie bei den Levellers viel Platz erhält und ein willkommenes Gegengewicht zu Wilkinsons Stimme bildet.

Für eine Band, deren Mitglieder derart jung sind, dass sie beinahe schon Kinder des Rezensenten sein könnten, machen Operator Please ihre Sache gut. Aber lässt man die väterlichen Beschützerinstinkte mal beiseite, muss einem auffallen, dass die Songs zwar eingängig sind, aber letztlich auch nur das bewährte Schrimm-schramm-schrumm aktueller Indiepopsongs ein weiteres Mal wiederholen. Wobei die Band immer noch tausendmal zündendere Ideen hat als der neueste Indiepop-Klon von den britischen Inseln. Was Operator Please aber fehlt, sind ein besserer Sound und mehr Power. Denn während die fünf Australier live eher zu viel Energie haben sollen, wirken sie auf Platte wie ein Sturm im Wasserglas. Bis die Kinder an die Macht kommen, müssen auf dem Pausenhof daher noch einige Zigaretten geraucht werden.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Get what you want
  • Just a song about ping pong
  • Leave it alone

Tracklist

  1. Zero! zero!
  2. Get what you want
  3. Just a song about ping pong
  4. Cringe
  5. Two for my seconds
  6. Terminal disease
  7. 6/8
  8. Yes yes vindictive
  9. Other song
  10. Ghost
  11. Leave it alone
  12. Pantomime

Gesamtspielzeit: 40:07 min.

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