Gus Black - Today is not the day to f#@k with Gus Black

Gus Black- Today is not the day to f#@k with Gus Black

India / Rough Trade
VÖ: 22.03.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gus N' Roses

Gus Black besitzt ein gewisses Talent dafür, zum richtigen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein. Da schlendert er in seiner lustigen Heimatstadt L.A. nichtsahnend in ein Geschäft, gerät prompt in einen Raubüberfall - und wem halten die Ganoven die Knarre an die Schläfe? Natürlich dem armen Singer/Songwriter/Sensibelchen. Dieser Zwischenfall, der sich noch vor der Veröffentlichung von "Autumn days"a ereignete, blieb nicht ohne Spätfolgen: Auf dem Cover seines fünften Albums, das den charmanten Titel "Today is not the day to f#@k with Gus Black" trägt, inszeniert der Kalifornier sich selbst als angriffslustigen Revolverhelden. Aber keine Panik, falls die schusssichere Weste gerade in der Reinigung ist - der will doch nur spielen. Und seinen Gefühlen freien Lauf lassen.

Wie aus der Pistole geschossen kommt hier sowieso nichts. Viel zu zart und zerbrechlich sind diese zwölf Songs, denen man ihr harmonisches Verwandtschaftsverhältnis gelegentlich etwas zu deutlich anhört. Manche der Lieder sind Zwillingsschwestern, andere nur Schwippschwäger, aber am Ende hinterlassen sie den Eindruck eines verschworenen Clans - nicht den einzelner Individuen. Was vermutlich auch an der kaum variierenden Instrumentierung liegt: Der rote Faden wird stets von der Akustikgitarre gesponnen, zwei betörend unisono zwitschernde Grazien beschatten gewissenhaft die Leadvocals, und die extra handverlesene Band, darunter Eels-Drummer Derek Brown, hält sich dezent im Hintergrund.

Wenn nicht bekannt wäre, dass sich Black sein karges Musikereinkommen als Art Director für Werbespots aufbessert, könnte man sich hervorragend vorstellen, wie er als Nachtwächter im Foyer einer dieser scheußlich dekadenten Luxusvillen auf Gangster lauert, die dann doch lieber in Geschäfte einbrechen. Er hätte trotzdem keine Langeweile, sondern ein kleines Aufnahmegerät bei sich, in das er flüsternd und hauchend seine Lieder singen würde, abgefedert von dem gutmütigen Hall blankpolierten Marmors, der auf eine Wiedergeburt als Kirschbaumparkett hofft. So klingt das jedenfalls. Und es ist gerade diese außerordentliche Intimität und Intensität, die "Today is not the day to f#@k with Gus Black" seine Liebenswürdigkeit verleiht.

Flamenco-Flausen und Glockenspieltupfer zwinkern sich in "Love is a stranger" schüchtern zu, "Blood and belonging" flirtet mit Leonard Cohens Frühwerk, und "Little Prince Town" blüht in seiner Doppelrolle als Folkperle und erste Singleauskopplung auf. "Variations on a theme called honesty" stellt einer unheilvoll gestimmten Gitarre eine singende Säge zur Seite, im Titeltrack wird auf "Is she really that shallow?" lakonisch "I think she's sleeping with Vincent Gallo" gereimt, und den schönsten Song, "One for the arrow", den hebt sich Black bis ganz zum Schluss auf. Wenn er mal wieder eine Knarre an der Schläfe haben sollte, muss er den Ganoven einfach nur in seiner äußerst entwaffnenden Art "Today is not the day to fuck with me" entgegenhauchen. Sie werden auf der Stelle ihre Pistole fallen lassen und einsehen, dass sie zum falschen Zeitpunkt am richtigen Ort waren.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Today is not the day...
  • Love is a stranger
  • Little Prince Town
  • One for the arrow

Tracklist

  1. Today is not the day...
  2. Out on the Amsterdam
  3. Love is a stranger
  4. Silent films
  5. Blood and belonging
  6. I've been trying to pretend you don't exist
  7. Little Prince Town
  8. Can we talk about this tomorrow?
  9. Variations on a theme called honesty
  10. I'm f#@ked
  11. Hurrah hurrah hurrah, hurray hurray
  12. One for the arrow

Gesamtspielzeit: 37:17 min.

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  • Gus Black (4 Beiträge / Letzter am 18.02.2011 - 18:07 Uhr)