The Black Keys - Attack & release

The Black Keys- Attack & release

V2 / Cooperative / Universal
VÖ: 28.03.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wachsfiguren

Seien wir da ehrlich: Schön sind sie nicht, und trotzdem passiert es nun schon zum dritten Mal, dass die Black Keys auf dem Cover eines ihrer Alben abgebildet sind. Man darf sie diesmal durch eine klebrige Schicht Irgendwas betrachten, so als hätten sie selbst schon mal vorschlagen wollen, wie das aussehen sollte, wenn sie später bei Madame Tussaud's verewigt werden. Stolz und Selbstwergefühl haben im hermetisch abgeriegelten Universum von Dan Auerbach und Patrick Carney eben immer schon eine große Rolle gespielt; das Bewusstsein über die Aussichtslosigkeit der eigenen Herkunft treibt die Black Keys seit jeher genauso an wie halbgare White-Stripes-Vergleiche, das nächste Mittagessen oder der Blues. Sie sind die Zwei aus Akron, Ohio, und da passt kein Blatt mehr dazwischen.

Nun - oder vielleicht doch: Danger Mouse Brian Burton kam letztes Jahr mit der zugegeben brillanten Idee auf die Band zu, sie als Songwriter und Hintermänner für ein geplantes Comebackalbum von Ike Turner zu verpflichten. Da kann man noch so eigenbrötlerisch sein, dieses Angebot lehnt natürlich niemand ab. Und auch wenn Turner letztlich eine Überdosis dazwischen kam, blieb von der anberaumten Kooperation doch die erste fremdproduzierte, bis dato weitreichendste und außerdem beste Black-Keys-Platte übrig. Auerbach und Carney strecken sich im Rahmen ihrer Schlagzeug-und-Gitarre-Möglichkeiten und manchmal auch darüber hinaus. Sie erfinden sich neu, ohne alles über Bord schmeißen zu müssen, wofür sie bisher standen und weiterhin stehen werden.

Was schon der Albumtitel vorwegnimmt, wird auf "Attack & release" als ständiger Wechsel zwischen kraftstrotzender, beinahe schon arroganter Trockenheit und geduldigem Buddeln im dickflüssigsten Morast umgesetzt. The Black Keys bleiben die erste Adresse für robuste Rockhaudegen wie "I got mine" und "Same old thing", lassen es sich aber auch nicht nehmen, solche Stücke mit Geisterchörchen oder Querflötensolo zu ärgern. Sie vertrauen im verwackelten Opener "All you ever wanted" zweieinhalb Minuten lang auf die Geduld ihrer Zuhörer, bevor sie jeden Anflug von Testosteronstau mit Hammondorgel und E-Gitarre vom Hormonspiegel putzen. Und trotzdem erzählen durchgeschwitzte T-Shirts und schmutzige Bettlaken einmal mehr nur die halbe Wahrheit über das Rockverständnis der Black Keys.

Wo sich einerseits "Strange times" den dreckigsten aller denkbaren Gitarrensounds zusammenmischt, schwingt sich andererseits das Vertrauen in die eigene Langsamkeit mehr denn je zum entscheidenden Stilmittel auf und zerfließt schließlich im ausgezeichneten Slowburn-Blues des finalen "Things ain't like they used to be". Damit es aber auch der letzte Skeptiker noch begreift, stehen diesmal sogar zwei Versionen des gleichen Songs im Zentrum der Platte. Das umsichtige "Remember when" hält sich seine eigene, tobsüchtige B-Seite - ein Zugeständnis natürlich an jene Zeit, als Platten noch Rillen hatten und nach 20 Minuten umgedreht wurden. Das Selbstbewusstsein, mit dem "Attack & release" solche Mätzchen durchzieht, ist bezeichnend: Diese Platte weiß nicht nur alles über die Geschichte der letzten 50 Musikjahre, sondern das Meiste auch noch besser.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • All you ever wanted
  • I got mine
  • Psychotic girl
  • Things ain't like they used to be

Tracklist

  1. All you ever wanted
  2. I got mine
  3. Strange times
  4. Psychotic girl
  5. Lies
  6. Remember when A
  7. Remember when B
  8. Same old thing
  9. So she won't break
  10. Oceans & streams
  11. Things ain't like they used to be

Gesamtspielzeit: 39:30 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gutfinder
2012-04-05 00:54:21 Uhr
Kann mich jetzt endlich auch durch die Prä-Brothers- Black Keys durchhören dank Spotify:-)
Wolffather
2008-11-03 10:46:04 Uhr
hab mir die DVD schon mla vorbestellt auf der Homepage... freu mich schon drauf
Sick
2008-11-03 09:59:02 Uhr
"Attack & release" wurde in UK mit einer Bonus-DVD wiederveröffentlicht.
Diese Bonus-DVD wird die hier erwähnte "Live at the Crystal Ballroom" sein, sie haben die selbe Tracklist.
BillyBremner
2008-11-03 01:23:01 Uhr
ob die DVD auch in Deutschland veröffentlich wird ... wohl kaum

The Black Keys Live at the Crystal Ballroom DVD

$8.99

The Black Keys Live at the Crystal Ballroom – Portland, OR. Produced and directed by Lance Bangs. DVD format; Region 1.

The Black Keys' new concert DVD reflects the no-frills genius of the drums-and-guitar duo's studio sound: It's a refreshingly straightforward, beautifully rendered, high-definition video document of their April 4, 2008 sold-out gig at Portland, Oregon's Crystal Ballroom, featuring seventeen songs culled from all five of the pair's albums.

Track Listing:
Same Old Thing
Girl Is On My Mind
Set You Free
Thickfreakness
Stack Shot Billy
Busted
You're the 0ne
Remember When
Your Touch
Oceans and Stream
Strange Times
Psychotic Girl
10 AM Automatic
No Trust
I’ve Got Mine

Encore:
All You Ever Wanted
Till I Get My Way

http://www.youtube.com/watch?v=951hdQeB5pc
Simon Diamond
2008-10-20 19:09:16 Uhr
The Big Come Up - 8/10
Thickfreakness - 9/10
Rubber Factory - 8/10
Magic Potion - 5/10
Attack & Release 7/10

Das neue Album ist nach dem enttäuschenden Magic Potion sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Gleichzeitig bin ich aber überzeugt, dass sie im Rahmen ihrer musikalischen Öffnung zu weit mehr im stande sind. Der Mittelteil von A&R ist jedenfalls keine 8 wert.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum