The B-52's - Funplex

The B-52's- Funplex

Caroline / EMI
VÖ: 11.04.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Exbomben

Es gibt ja Herren der Schöpfung, vor allem jüngeren Datums, die hätten so ihre Schwierigkeiten damit, zuzugeben, dass früher Cyndi Lauper, Deborah Harry von Blondie oder eben Kate Pierson von den B-52's mal ziemlich scharf waren. Auf ihre Weise. Aber schließlich hat jede gut sortierte Internetseite ihre "Vintage"-Abteilung, und ab und an lassen sich auch auf Dachböden und Kellern verschiedenste Hefte aus allen möglichen Zeiten finden. Illustrierte Überbleibsel aus den brisanten Phasen des Kalten Krieges haben somit ungemein nostalgischen, und von uns aus auch anderen, Wert. Man kann zwar heute anmerken, dass die Damen, die sich da gerade zur Verfügung stellten, mittlerweile ja schon uralt, verschrumpelt und mindestens dem Geruch von Mottenkugeln und 4711 behaftet sind. Aber will man das wirklich genau wissen? Zum Glück lassen sich die meisten Omis nicht abermals fotografieren. Nur: Manchmal tun sie es eben doch. Und dann kommt dabei so etwas raus, wie bei den B-52's mit "Funplex".

Was waren das jedenfalls für sexy Zeiten. "Music for a future generation" war die Devise, unverzichtbare Partyknaller wie das spätere "Love shack" sorgten für lose Gürtel und sprühende Funken, frühere Songs wie "Private Idaho" gelten auch heute noch bei Kennern als überaus cleverer Lärm. Natürlich beherrschten sie den allgegenwärtigen Pop und Wave wie zu ihrer Zeit vielleicht nur wenige. Das erklärt natürlich die Spaltung des Publikums in "Die gehen gar nicht" und "Die sind so top". Und hier ein Geständnis, jetzt mal offiziell: Die B-52's hatten wahnsinnig gute Songs. Da wären zum Beispiel Autofahr-Hits wie "Summer of love" oder das sexy "Good stuff", welches nicht weniger gut geeignet ist für Ausritte aller Art. "Rock lobster" gilt noch heute als der vielleicht meistverwendete Song für Halloween-Hommagen aller Art. Das ist ein tolles Erbe, und wer soll es verwalten, wenn nicht die B-52's selbst? Eben.

Da kommen wieder die schmutzigen, alten Heftchen von früher ins Spiel, deren Benutzung wir ausdrücklich befürworten. "Funplex" fühlt sich trotzdem bisweilen so an wie eine vertonte Heilmittelverordnung. Da flutschen die Synthies im Titelsong dahin wie eine Mischung aus Gleitgel und Schmerzsalbe, und die Pierson-Schneider-Vokalartistik funktioniert noch immer wie eine Eins, wenn auch eine ziemlich krumme. "Dancing now" hält, was sein Titel verspricht, auch wenn man dafür schon ziemlich betrunken sein muss. Na und? Gefällige Popsongs sind das. Keineswegs unhörbar, aber eben dennoch dermaßen trendorientiert, dass das Vorhaben eher in die Hose geht. Immerhin lassen die Blusen der optisch kaum betagten Damen auf dem Cover nicht zu wünschen übrig. Das hat mit dem Zauber von früher allerdings wenig zu tun und klingt nur in Prosa nach prima Laune: "Faster, faster, pussycat. Thrill! Thrill!" Solcherlei Insider-Anbiederung nutzt natürlich bei echten Rigoristen wenig. Zum Schluss freut man sich aber doch noch über einen programmatischen Songtitel: "Love in the year 3000". Gut, der Song ist beatbesetzter Müll, aber zu seinem Titel ein ausdrückliches "Ja!" Hand aufs Herz, Wilma Feuerstein und Betty Geröllheimer sind auch ein paar Tausend Jahre später noch verdammt heiß. Und wer das nicht einsieht, hat die B-52's sowieso nicht verdient.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Funplex

Tracklist

  1. Pump
  2. Hot corner
  3. Ultraviolet
  4. Juliet of spirits
  5. Funplex
  6. Eyes wide open
  7. Love in the year 3000
  8. Deviant igredient
  9. Too much to think about
  10. Dancing now
  11. keep this party going

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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  • The B-52's (10 Beiträge / Letzter am 11.01.2018 - 20:03 Uhr)

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