Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band - 13 blues for thirteen moons

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band- 13 blues for thirteen moons

Constellation / Southern / Al!ve
VÖ: 22.03.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

There will be blood

Musik kann so viel. Glücklich machen, traurig machen, fertig machen. Antreiben, aufrütteln, retten, zerstören. Menschen verbinden und Unheil verkünden. Nur bei Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band (im Folgenden: Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band) stattet sie einen aber mit ganz konkreten Anhaltspunkten und Ansichten aus, so zuverlässig und konsequent, dass Efrim Menuck und sein Folterkammerorchester auch gleich dazu übergehen könnten, die entsprechenden Schlagworte auf die Rücken ihrer Plattenhüllen zu drucken. Verbrüderung, Durchhaltevermögen, Ekstase und Unbesiegbarkeit waren da bisher schon wichtige Begriffe. Mit "13 blues for thirteen moons" kommt jetzt auch noch eine sehr anschauliche Ahnung davon hinzu, wie es sich anfühlen muss, der einzige Mann mit Revolver in einer Messerstecherei zu sein.

Das fünfte Album von Thee Silver Mt. Zion ist die beste Platte aus Montreals mittlerweile umgesiedeltem Hotel2Tango, seit Godspeed You Black Emperor! dort vor acht Jahren "Levez vos skinny fists comme antennas to heaven" aufgenommen haben. Gleichzeitig ist es das Album, mit dem sich Efrim und seine Mitstreiter endgültig vom strengen Formalismus der ehemaligen Haupt- und heutigen Gefrierschrank-Band abkapseln. Alles an "13 blues for thirteen moons" ist Intuition, Bauchgefühl und Jam-Session, nichts scheint mehr vorkomponiert oder ausformuliert. Notenblätter würde diese Band ja eh nur dafür hernehmen, neue Kampfschriften aufzusetzen. Diskutiert und theoretisiert hat sie aber lange genug - und so erfinden sich Thee Silver Mt. Zion auf "13 blues for thirteen moons" als jene Punkband neu, die sie schon vor zwei Platten sein wollten.

Anders als "This is our punk-rock" geht ihr neues Album aber nicht sofort in die Vollen. Am Anfang der Platte steht ein 70-sekündiges Fiepen, verteilt auf zwölf Tracks, mit denen ein MP3-Player erst mal fertig werden muss. Danach fühlen sich zumindest die Maße der Songs wieder vertrauter an: "13 blues for thirteen moons" hat vier richtige Stücke zwischen 13 und 17 Minuten, von denen sich natürlich jedes einzelne wieder in diverse Unterkapitel aufspaltet und sowieso ein Thriller für sich ist. "1,000,000 died to make this sound" gewährt eine letzte Zwei-Minuten-Schonfrist, bevor der Kontrabass den Startschuss für ein Sägen, Kratzen und Beißen der Instrumente gibt, das Menschen und Musiker in zwei Gruppen unterteilt, die sich nicht mal im Kampf gegen überwachungsstaatliche Tendenzen verbrüdern können. Der Ton ist wieder bitter, die Hoffnung muss immer dazugedacht werden.

Das dräuende, schwerfällige Titelstück bricht dann den bis dahin sehr zügigen Verlauf des Albums auf - so wie hier alles irgendwann auf-, durch- und zerbrochen wird. "We will not sing in your damn parade" schwingt sich auf zum ersten Wahlspruch von "13 blues for thirteen moons", das wiederum sehr gut darin ist, sich seine Parolen auf brennende Fahnen zu schreiben und Szenarien durchzudenken, in denen die Unterscheidung zwischen Gut und Böse eher auf gesunden Menschenverstand als jeweilige Haltungen zurückfällt. Um Thee Silver Mt. Zion politische Naivität anzukreiden, müsste man aber doch sehr zynisch sein. Schon der erstmals standfeste Bandname zeigt: Es ist der Blickwinkel der unbedingt Aufrichtigen, aus dem die Menschheit hier betrachtet, kommentiert und explizit nicht zu Grabe getragen wird. Die Apokalypse und Efrim - das war immer schon ein Missverständnis. Aber ein gutes.

"Black waters blowed/Engine broke blues" packt in der Zwischenzeit noch ein paar Umdrehungen auf die längst angelegten Daumenschrauben, und "13 blues for thirteen moons" reibt sich endgültig auf zwischen zerfließenden Gitarren, zerschneidenden Streichinstrumenten, einem humorlosen Schlagzeug und dem Wahnsinn der Welt. Man kann mit diesem Song ungeschützt in die Sonne blicken, aber man kann danach unmöglich noch mehr vom Gleichen einstecken. Selbst dem stabilsten Kinn gehen irgendwann die Nehmerqualitäten aus - Thee Silver Mt. Zion wissen das und belohnen alle Mitstreitenden in ihrem bisher größten Anflug von Menschlichkeit mit dem abschließenden, tapsigen, unendlich befreienden "BlindBlindBlind", das ihrer Idee von "Alice im Wunderland" wohl schon sehr nahe kommt. Es bleibt freilich das kleine Trostpflaster auf einem offenen Schienbeinbruch von einer Platte - wer aber jemals bezweifelt hat, dass Angriff die beste Verteidigung ist, muss hier sowieso durchs Sieb fallen.

(Daniel Gerhardt-Plainview)

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Highlights

  • 1,000,000 died to make this sound
  • BlindBlindBlind

Tracklist

  1. Untitled 01
  2. Untitled 02
  3. Untitled 03
  4. Untitled 04
  5. Untitled 05
  6. Untitled 06
  7. Untitled 07
  8. Untitled 08
  9. Untitled 09
  10. Untitled 10
  11. Untitled 11
  12. Untitled 12
  13. 1,000,000 died to make this sound
  14. 13 blues for thirteen moons
  15. Black waters blowed/Engine broke blues
  16. BlindBlindBlind

Gesamtspielzeit: 59:03 min.

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Demon Cleaner

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2014-12-29 21:57:36 Uhr
Auch nach 6 Jahren find ich es immer noch grauenvoll, nachdem mir "1,000,000" im Random mal wieder um die Ohren gehauen wurde.

In der Zwischenzeit habe ich die ersten beiden Alben aber gehört, die finde ich klasse. Vermutlich weil er da weitestgehend die Klappe hält.
B@n@n@ Co.
2009-01-12 03:04:33 Uhr
"gesündet", was für eine Sünde. "gezündet" natürlich
B@n@n@ Co.
2009-01-12 03:03:28 Uhr
Hm, das gesamte Album hat bei mir bisher noch nicht wirklich gesündet. Wobei "BlindBlindBlind" wirklich grandios ist.
Khanatist
2009-01-12 02:43:40 Uhr
So ein fantastisches Album und von so vielen Anhängern GYBEs/des Zion-Kollektivs/Post-Rocks generell vernachlässigt. Schade. Ich weiß gar nicht, welches der 3 live präsentierten Lieder ich am besten finden soll. (Vieles spricht aber für "BlindBlindBlind".)
Cheops
2009-01-01 19:38:40 Uhr
Mir persönlich gefallen seine Stimme und sein Gesang sehr gut, er erinnert mich an irgendwen, nur fällt mir nicht ein, an wen.
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