Peters - Auffallen durch Umfallen

Peters- Auffallen durch Umfallen

Unterm Durchschnitt / Broken Silence
VÖ: 28.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Steh auf!

Dissonanz ist auch nur eine Frage der Einstellung, der Gewohnheit und Umgebung. Nehmen wir einen Song wie "Subjekt/Objekt" von Peters' Debüt "Auffallen durch Umfallen". Wenn hier die Gitarren eher ein wenig beschwipst um die Akkorde schlingern, das Schlagzeug ständig ein paar Gedanken schneller zu sein scheint und der Bass nach vorne und hinten zugleich arbeitet, um alles am Tuckern zu halten, rieselt selbst dem unerschütterlichsten Apologeten noch so kaputt gekreischter Beatles-Liveaufnahmen schon mal das Wörtchen "krumm" wie Schuppen aus der Pfiffikusfrisur. In Wahrheit aber gehört genau diese Art des Musizierens in gewissen Kreisen überm großen Teich schon längst nicht nur zum guten, sondern zum einzig erstrebenswerten Ton. Eigentlich also keine große Überraschung, diese Musik. Es sei denn, sie begegnet einem auf einmal in der hiesigen, längst bloß noch ihre eigene Geschichtlichkeit einverleibenden Indielandschaft wieder. Peters sei Dank.

Viel Kraft, eine Menge Energie, eine klare, doch durchbrochene Harmonieführung und eine vor allem rhythmische Dringlichkeit, die man von deutschen Bands zuletzt nur noch sehr selten zu spüren bekommen hat: Post-Hardcore und Math-Rock sind auf "Auffallen durch Umfallen" mindestens ebenso dick im Geschäft wie die eine oder andere Die-Sterne-Orgel oder auch Kante-Ausweichmanöver. Ein Genreclash, dem Peters dadurch begegnen, dass sie Songs wie das aus Schlagzeug-Stakkati verbissen zur Ballade herunter getretene "Pferdefüsse" oder das hervorragende "Weisses Jacket und weisse Hose" ständig auf den falschen Fährten des kleinsten gemeinsamen Nenners in die Irre führen. Was Peters hier an Schnittpunkten auffinden und erzeugen, das kann allein schon als wichtiger Kommentar gelten und für eine gewisse, jahrzehntelange Ignoranz der heimischen Musikszene ebenso stehen wie für den neuen Druck einer anderen Generation. Musikalisch macht sich diese konzentrierte Arbeitsweise daran bemerkbar, dass die Songs auf "Auffallen durch Umfallen" zunächst scheinbar skizzenartig aufgeschlagen werden, dann aber doch als differenzierte Pläne und Kartographien funktionieren. Damit bewegen sie sich in jener Mischung aus Flüchtigkeit und Strenge, nach der der echte Weg erst noch begangen werden muss.

Der abgehackte, in typischer Proto-Hysterie vorgetragene Gesang von König Wilhelmsburg (oder war's Hatschi Halef Gesundheit?) fügt sich wie ein Heilung und Wunde zugleich anzeigendes Narbengewebe in diesen Klangkörper. Eigentlich ein längst bekanntes, mehr oder weniger zu ertragenes Hamburger-Schule-Klischee, wird dies in Peters' Songs zu neuem Leben aufgeschüttelt und benutzt sie seinerseits wie Landkarten. "Als wir uns versprachen: Nur die Dinge ändern und niemals uns / Diese Gefühle von damals sind die blinden Passagiere von heute." Ein Gesang wie ein Reisebericht über mehrere Atlanten und durch verschiedene Seelen - die der Musik, der Genres und der textlichen Kreuzübergewächse aus Hardcore-Du,Du,Du-Finger und urdeutschem Indie-Schläfenkratzer. Mahnen durch Grübeln, also. Und Beifall klatschen durch beide Daumen hoch.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Auffallen durch Umfallen
  • Subjekt/Objekt
  • Weisses Jacket und weisse Hose

Tracklist

  1. Letzte Chance vorbei
  2. Auffallen durch umfallen
  3. Zeit als Monument
  4. Subjekt/Objekt
  5. Zitronenwalzer
  6. Diskretion/Deluxe
  7. Zur Lage der Nation
  8. Pferdefüsse
  9. Weisses Jacket und weisse Hose

Gesamtspielzeit: 32:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
JaRaDa
2008-04-22 20:29:59 Uhr
Gestern vor kettcar gesehen, und gleich mal die EP gekauft, sehr sympatische und talentierte Band, da kann man noch was erwarten!
Armin
2008-04-03 22:01:16 Uhr
Vergangenen Freitag veröffentlichten die peters. ihr Debutalbum
"Auffallen Durch Umfallen". Nach einer exzessiven Releaseparty im Grünen
Jäger im zwischenzeitlich ausverkauften Club beginnt die Band heute ihre
Deutschlandtour.

03.04. Berlin, Schokoladen
04.04. Bielefeld, Kamp +Kafkas
05.04. Hannover, Kulturpalast
11.04. kiel, schaubude
12.04. Dresden, Scheune + delbo
14.04. Köln, Kulturbunker + delbo
15.04. Siegen, Vortex + delbo
16.04. Frankfurt M., Elfer + delbo
17.04. luxemburg +delbo
18.04. nürnberg - muz
19.04. Landau, Fatal
21.04. hamburg, knust +kettcar sold out
09.05. erfurt, besetztes haus + pttrns


Ein gratis MP3-Song sowie eine lustige Livecoverversion ihres Hits
"Coole Leute" durch Captain Planet ist über die Bandwebsite
www.peters.here.de zu sehen, hören, downloaden.
sybille franke
2008-03-27 00:23:57 Uhr
Yippieh! Morgen Releaseparty! Das wird Juuuuti
König Wilhelmsburg
2008-03-13 11:25:31 Uhr
Vielen dank.
Guter Kommentar ;)
michel
2008-02-28 01:22:12 Uhr
cooles neues lied bei denen auf myspace. wat nen vertracktes intro...
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