Be Your Own Pet - Get awkward

Be Your Own Pet- Get awkward

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 21.03.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Jugend von heute

Be Your Own Pet hatten Angst. Nein, wie süß. Versagensangst, um da genau zu sein. Angst vielleicht auch vor der eigenen Courage und sowieso wegen all der Leute, die sich plötzlich für sie interessierten. 33 Minuten Musik hatten ihnen 2006 gereicht, um Freundschaft mit Sonic Youth zu schließen und dem Begriff Teenage Angst jede Kuscheligkeit zu nehmen. In einer Zeit, in der sich andere Heranwachsende die Haare schön machen und "4 real" in die Hand ritzen wollen (aber nur bis zum "|" kommen), schnitt sich diese Band gleich den ganzen verfickten Scheißarm ab und schlug noch damit auf ihr Schlagzeug ein, bis das wunderbar unumständliche Debütalbum "Be Your Own Pet" im Kasten war. Eine kleine, unfertige Sensation. Und eine ganz schöne Hypothek.

Es sah kurz danach aus, als ließe sich die Band aus Nashville davon verrückt machen, bevor sie doch entschied, nicht rumzuheulen und lieber wieder andere zum Weinen zu bringen. "Get awkward" ist filigraner als sein Vorgänger, ungefähr so, wie ein Panzer filigraner ist als ein Flugzeugträger, und es ist auch sonst alles in Ordnung damit. "Attacke, Attacke, Attacke" wurde schnell zur Studiodevise, und man möchte das noch drei, vier mal hinzufügen, wenn "Super soaked" und sein "Nicht mit mir!"-Text die Tür ins Album aus den Angeln treten. Wie gut trainierte Zirkushunde machen die Gitarren Überschläge auf engstem Raum, das Schlagzeug reißt die letzte Trennwand zu den Stooges ein, und Sängerin Jemina Pearl sucht den offenen Schlagabtausch mit der Restgesellschaft. Sie will nicht dazugehören, und man kann davon ausgehen, dass die Zivilisierten sie auch gar nicht dabeihaben wollen.

Wenn dann doch mal ein Song in Richtung Leichtigkeit entgleitet, muss das natürlich die Geschichte der unsanft abgesägten "Becky" sein, die einem ehemaligen High-School-Sweetheart nach der Schule mit Freunden und Messer auflauert. "If only what you wrote in my yearbook was true / Then I wouldn't be stuck in fucking cell block two", kommentiert Pearl dann trocken und bringt es sogar fertig, damit nicht ins Peinliche abzurutschen. Johnny Cash hat schließlich ähnliche Sachen erzählt - auch wenn es ein Gemetzel wie "Zombie graveyard party" bei ihm natürlich nie gegeben hätte. Spätestens nach diesem Hirnanbrater müsste klar sein, wie zwecklos es wäre, sich mehr Abwechslung, Balladen oder ein bisschen Frieden von Be Your Own Pet zu wünschen. Gleichförmigkeit und Ermüdungsbrüche sind Preise, die "Get awkward" gerne zu zahlen bereit ist.

Weil: Man muss diese Art von ewig ätzendem Punkrock ja nicht nur spielen, man muss sie auch können - und da sind diese vier immer noch sehr jungen Menschen weiterhin allein auf weiter Flur. Selbst wenn sie im programmatisch benannten "Twisted nerve" Metalgitarren entdecken und das, nun ja, programmatisch benannte "The beast within" zum kleinen Pseudo-Epos inklusive Mitmach-Teil ausbauen, geht es doch immer um den Effekt, den diese Musik als Ganzes erzielt, ein Gefühl in der Magengegend, das sicherlich nichts (mehr) mit Nervosität oder Versagensangst zu tun hat. Wer einmal richtig vermöbelt wurde, braucht sich um solche Phantomschmerzen schließlich keine Sorgen zu machen. Und Staub fressen, Feuer atmen, Blut spucken? Darüber muss man Be Your Own Pet wirklich nichts mehr beibringen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Super soaked
  • Becky
  • The beast within

Tracklist

  1. Super soaked
  2. Black hole
  3. Heart throb
  4. Becky
  5. The Kelly affair
  6. Twisted nerve
  7. Blow your mind
  8. Bummer time
  9. Bitches leave
  10. You're a waste
  11. Food fight
  12. Zombie graveyard party
  13. What's your damage
  14. Creepy crawl
  15. The beast within

Gesamtspielzeit: 35:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Walenta
2008-12-01 08:23:01 Uhr
Falsch. Habe mich damals in den Schlaf geweint.
blaueshalbzeug
2008-12-01 02:03:58 Uhr
was muss ich da bei den jahrespoll-preisen ganz unvorbereitet lesen:
BYOP aufgelöst? und keinen interessierts?
Humpty Humpty
2008-04-09 04:21:57 Uhr
Weil ich keine Kohle habe, um selber hinzufahren, und ich es niemandem gönne, sich an meiner Statt an dem höllischen Inferno zu laben. Weia, ich geh pennen.
Bär
2008-04-09 03:18:08 Uhr
Lyrics sind mir auch als mies aufgefallen, zu schnulzig, oder ich überseh die Pointen

aber was anderes, wieso sind die auf EU Tour und keiner hier fühlt sich verantwortlich mir bescheid zu sagen?! Skandal.

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knaTTerton
2008-03-20 06:19:50 Uhr
Find es immer noch ziemlich öde.
Die ganze Energie und das Spontane des Debuts fehlen.
Klingt sehr beliebig und lahm, nicht mehr krachig genug.
Sehr schade, das Debut hat mich ziemlich weggeballert.
Zum kompletten Thread

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