The Cult - Beyond good and evil

The Cult- Beyond good and evil

Atlantic / Warner
VÖ: 05.06.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jenseits der Lässigkeit

Was genau macht eigentlich eine gute Rockplatte aus? Wahrscheinlich könnten Ian Astbury und seine Mannen auf diese Frage keine Antwort geben. Das soll nicht heißen, daß sie es nicht wüßten. Nur in Worte fassen kann man es wahrscheinlich nicht mal dann, wenn man gerade genau so ein Album aus dem Ärmel geschüttelt hat. Auch dem Kritiker fällt es schwer, die passenden Worte zu finden. Das, was man an einer anderen Platte als einfallslos oder ausgelutscht bemängeln würde, trifft hier genau den Punkt und bringt den Kopf ganz automatisch zum Mitnicken.

Letztlich ist es wohl die Lässigkeit, mit der The Cult hier zu Werke gegangen sind. Lässigkeit, nicht Nachlässigkeit. Ganz entspannt, oder besser unangestrengt, klingt "Beyond good and evil". Nicht daß der Platte der Dampf fehlen würde: Billy Duffys Gitarren sind mächtig und druckvoll, schüren das Feuer unter einem Drucktopf, während Matt Sorum mit seinen Drums noch ein paar Atü dazu pumpt. Ian Astburys gewaltige Stimme dafür sorgt, daß dieser Hexenkessel nicht in die Luft fliegt. Mühelos gelingt ihm dieses Kunststück. Die Band steht ohne mit der Wimper zu zucken im Auge des selbsterschaffenen Wirbelsturms. Keine Angst vor Blitzschlag, hier ist alles gut geerdet.

Trotzdem klingt das, was man hier hört, manchmal wie von einem anderen Stern, auf dem die Zeit keine Rolle spielt. "Breathe" vermischt mit der größten Selbstverständlichkeit modernes Alternativ-Rock-Riffing mit dem Besten des 80er-Jahre-Metals und ein paar Blueslicks. Ganz klar, daß es sich in diesem Zusammenhang anbietet, die Gesangslinie der Strophe aus der Bridge von Deep Purples "Strange kind of woman" zu klauen. Wenn es gelingt, einem solchen Konglomerat den eigenen Stempel zu verpassen und einen homogenen Song daraus zu formen, dann ist das einfach cool. Eben lässig.

Die Unterschiede zwischen den Songs dieses Album sind groß genug, um Langeweile auch nach mehrfachem Hören wirkungsvoll zu unterbinden, und das, obwohl alles wie aus einem Guß klingt. The Cults "Beyond good and evil" gleicht einer Kaperfahrt durch drei Dekaden Hardrock, Gothic und Metal. Die Beutestücke werden ohne langes Fragen in die eigene Musik eingebaut. Andere würden wohl stolz die Errungenschaften des Raubzuges präsentieren, aber dafür sind The Cult einfach zu lässig.

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • Rise
  • Breathe
  • Ashes and ghosts

Tracklist

  1. War (the process)
  2. The saint
  3. Rise
  4. Take the power
  5. Breathe
  6. Nico
  7. American gothic
  8. Ashes and ghosts
  9. Shape the sky
  10. Speed of light
  11. True believers
  12. My bridges burn

Gesamtspielzeit: 50:55 min.

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