The Rumble Strips - Girls and weather

The Rumble Strips- Girls and weather

Island / Universal
VÖ: 07.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

SMS an den Frühling

Linksfahrgebot, 70 Meilen auf der Autobahn und Kreisverkehrsorgien sind längst noch nicht alles: Zwischen Sekundenschlaf und Bett im Kornfeld haben die sicherheitsfanatischen Engländer zusätzlich die Rumble Strips gesetzt. Während hierzulande bereits beim ersten Kontaktlaut zur Fahrbahnbegrenzung der Lack auf Türhöhe leidet (und bald darauf ab ist), bringt einen dort eine unter den Reifen zitternde Beulenpest wieder auf Kurs. Ebenso unbeirrt die Spur haltend: der frohlockende Neo-Soul-Brit-Pop des Londoner Quartetts The Rumble Strips. Das Prinzip ihres Debüts "Girls and weather" heißt dabei allerdings nicht "please hold the line" allein. Eher schon "Mach ma' - Platz da!"

Und zwar im doppelten Sinne. Einerseits ist die Produktion von Tony Hoffer (unter anderem Beck, Supergrass, The Kooks) vergleichsweise klar und offensiv geraten, was den Stärken der Songs und Musiker erfreulich viel Raum verschafft und nebenbei dem zur ewigen Soundpose geronnenen Garage-Einheits-Brei der Insel den Stinkefinger zeigt. Andererseits schaffen aber auch die Rumble Strips selbst in ihren Kompositionen stets Platz für ihren größten Trumpf: Kaskaden aus ebenso scharf wie leichtlebig hervorstechenden Bläserattacken. Dass die Songs auf "Girls and weather" entsprechend viel Ska-Vibe an Bord haben, sollte wohl selbstverständlich sein. Dennoch würzen die Rumble Strips ihren Stil nicht allein mit Pop oder Punk, wie die unausweichlichen Vorbilder The Specials oder Madness, sondern sie inszenieren lupenreinen Brit-Pop, der durch all den mundgeblasenen Rambazotti mit einem mal wieder sehr spannend klingt. Sind "No soul", "Alarm clock" oder "Time" schon an und für sich ultrafröhliche Gitarren-Stampfer, so schenken ihnen Trompete und Saxophon genau die tirillierenden Auftakte, die auch die Arrangements zu immer neuen Übersprungshandlungen herausfordern.

Nochmals überragend: die mit Handclaps und Klavier zu fidelen Honky Tonks aufgestemmte Ausgelassenheit von "Girls and boys in love" oder "Clouds", das in unwiderstehlichem Chorusgesang vorgetragene "Don't dumb down" oder das zu guter Letzt in drahtige Melancholie ausweichende "Motorcycle". Wie die überdimensionale Bassdrum, die als Werbebanner durchs Booklet geschoben wird, lassen die Rumble Strips hier Kraftakte wie Spielwiesen klingen, geben den Frechdachs im Wolfspelz und simsen dem Frühling einen gutgelaunten Weckruf. Während der sich noch reckt und streckt, tanzt "Girls and weather" indes bereits Sirtaki durch die Mitsommernacht. Arm in Arm und in Reih und Glied, um ja nicht die Spur oder das Gleichgewicht zu verlieren. Nomen est omen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Alarm clock
  • Girls and boys in love
  • Motorcycle

Tracklist

  1. No soul
  2. Alarm clock
  3. Building a boat
  4. Girls and boys in love
  5. Oh creole
  6. Motorcycle
  7. Time
  8. Clouds
  9. Don't dumb down
  10. Cowboy
  11. Hate me (you do)
  12. Hands

Gesamtspielzeit: 37:54 min.

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