Malcolm Middleton - Sleight of heart

Malcolm Middleton- Sleight of heart

Full Time Hobby / PIAS / Rough Trade
VÖ: 29.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schotte dicht

Die Ohren schulenglisch verwöhnter Unnative Speaker schlackern im Mambotakt, diverse Online-Sprachkurse winken fiebrig weiße Banner, und ihre User ziehen sich an den eigenen Zungenknoten nur noch tiefer in den Schlamassel: Die Schotten waren schon immer ein Fall für die IPA Division of Mispronunciation, zu deutsch - die Lautschriftpolizei. Was ihnen auf der Insel schon mal den Ruf whiskeynuschelnder Prolls zuschustert, das erhebt sich musikalisch allerdings spätestens seit Arab Strap zur ganz eigenen Kunstsprachlichkeit. Das eigentlich als EP geplante "Sleight of heart" des Aushängeschotten und Ex-Arab-Straplers Malcolm Middleton macht diesbezüglich zunächst keinen Unterschied.

Den allerdings zieht Middleton zu seinem bisherigen Solowerk. Lediglich zart gebunden durch bodenständige Drums von Produzent Paul Savage (The Delgados), vereinzelte Violin- und Bass-Einsätze oder Barry Burns' (Mogwai) Piano-Miniaturen überbordet "Sleight of heart" beinahe in der Einkehr auf Middletons sechssaitige Folkakkorde und vernuscheltes Gesangs-Walhalla. Eine Konzentrationsübung, die nach dem letztens eher etwas bemüht aufgedonnerten "A brighter beat" genau richtig kommt. Songs wie "Blue plastic bags", "Total belief" oder "Follow Robin down" halten sich weniger zurück, verdichten sich vielmehr aufs Allerwesentliche. Stimme, Gitarre und eine harmonische Klarheit, die jeden Song zum diskreten Hit stempelt: Mehr muss zwar nicht gleich zuviel sein, weniger ist in diesem Fall aber doch eindeutig mehr.

Wer hier bereits die Schotten dichtmacht, der wird auch bei der Interpretation von Madonnas "Stay" wohl nur noch Bahnhof verstehen: "Ju mäikmi läif matsch bräi-i-da / Jua olwäis onma mäint", intoniert Middleton mit zugleich blankziehenden und schief verzahnten Betonungen. Hinzu kommen zwei weitere, ebenso stripped down dastehende Cover-Versionen und immer wieder herrlich bedächtige Duette mit Jenny Reeve (The Reindeer Section, Strike The Colours). Für eine Kurzschlusshandlung ist "Sleight of heart" damit erstaunlich schlüssig und hüllenlos geraten. Der Cold Case der Phonologie: Wie das schottische Nationalgetränk wärmt er von ganz tief drinnen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Total belief
  • Follow Robin down
  • Stay

Tracklist

  1. Week off
  2. Blue plastic bags
  3. Total belief
  4. Just like anything
  5. Follow Robin down
  6. Stay
  7. Marguerita red
  8. Love comes in waves
  9. Hey you

Gesamtspielzeit: 33:31 min.

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