The Gutter Twins - Saturnalia

The Gutter Twins- Saturnalia

Sub Pop / Cargo
VÖ: 07.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schreiende Seelen

Es gibt ja diese Bands, die mancher nur aus den hiesigen Referenzen-Zeilen kennt. Immer wieder tauchen sie auf und bleiben in der Vorstellung trotzdem nicht viel mehr als ein Gerücht, dass da etwas sein könnte. Seit fünf Jahren treiben sich dort auch The Gutter Twins herum, das sagenumwobene, gemeinsame Projekt von Greg Dulli und Mark Lanegan. Außer diesen Namen und gelegentlichen gemeinsamen Auftritten drang kaum etwas nach außen. Doch nach all den veröffentlichungslosen Jahren voller Andeutungen und Ankündigungen verwandelt sich die Vorahnung nun endlich in etwas Greifbares.

"Saturnalia" heißt das Debüt dieser beiden Freunde, und man spürt den Genuss an ihrer gemeinsamen Arbeit von der ersten Sekunde an. Dullis und Lanegans Stimmen ergänzen sich auf unangestrengte Weise; ihren Äußerungen zufolge funktioniert ihre kompositorische Zusammenarbeit ähnlich intuitiv. So gelang ihnen ein Vokalszenario, das die lange Vorbereitungszeit mehr als wert war: Es ist eine Wall Of Voice zwischen Wolfsgeheul und Bärengrollen, die von faszinierender Dichte ist und doch kein Versteckspiel betreibt. Soul mit offenem Visier.

Die Musik dazu müht sich in Songs wie "All misery/Flowers" oder der zwielichtig lärmenden Single "Idle hands" nach Kräften, das Dickicht zu vervollkommnen. Von allen möglichen Bezugspunkten ist die kunsthandwerkliche Sehnsucht von Dullis Twilight Singers tatsächlich noch am nächsten dran an "Saturnalia". Manchmal säumen durchaus zarte Texturen die zwiespältigen Leidenschaften der beiden Sänger. Doch auf dem Weg in die Tiefe wuchern Gitarren, Klaviaturen, Knispelbeats und süffige Streicher zusammen wie Dornenhecken. Wenn die Seelen schon derart bluten, kann man so wenigstens erahnen, warum.

Dabei meidet "Saturnalia" die Klischees durchaus kunstvoll. Selbst wenn die Streicher aus dem Keyboard dräuen, fängt sie ein scharfes Riff oder ein verzweigtes Ornament wieder auf. Bei großartigen "God's children" erinnert das Seufzen der Gitarren an eine entschlackte Fassung von Radioheads "Street spirit (Fade out)" und ist doch ein ganz eigenes Trübsal. In "Circle the fringes" hingegen steigt Dulli mit dem Basslauf in die Tiefe und kitzelt die bittersüße Magma so lange, bis sie mit lautem Getöse ausbricht. Und dann gibt Lanegan auch noch den Lucifer dazu. Da grollt der Groove, und der Blues gibt das Tier. "Saturnalia" glitzert zwischen beeindruckendem Kitsch und großem Theater.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The stations
  • God's children
  • Idle hands
  • Circle the fringes

Tracklist

  1. The stations
  2. God's children
  3. All misery/Flowers
  4. The body
  5. Idle hands
  6. Circle the fringes
  7. Who will lead us?
  8. Seven stories underground
  9. I was in love with you
  10. Bête noire
  11. Each to each
  12. Front Street

Gesamtspielzeit: 51:05 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Hanno
2013-01-11 20:40:15 Uhr
Auch wenn die ganzen Lobhudeleien allmählich langweilig tönen: Bin auch sehr begeistert!
The MACHINA of God
2012-07-15 20:19:46 Uhr
Da ich die Platte grad lieben lerne und die Afghan Whigs einer meiner Highlights auf dem Primavera waren die Frage: ´Machen die mal wieder was zusammen?
rainy april day
2010-10-26 02:17:43 Uhr
Gerade das wundervolle Cover von José González' "Down The Line" entdeckt. So ja auch schon ein toller Song, aber sie machen ihn noch dunkler,unheimlicher, besser.

Link: http://www.youtube.com/watch?v=oueVDRESBVk
embele
2008-11-07 08:57:38 Uhr
Kann jetzt doch "Adorata" mein Eigen nennen, super ! Ich bin total begeistert, habe aber auch nichts anderes erwartet .
ardra
2008-11-07 03:56:50 Uhr
Ja, die Uhrzeit eignet sich gut zum Hören der beiden Alben.
Deep Hit Of Morning Sun hat mich gerade vollkommen eingenommen und überrumpelt, obwohl es mich schon längst hatte.
All die Variationen von Lanegans Stimme... wunderbar.
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