Sine Star Project - Building humans

Sine Star Project- Building humans

Weatherbox / Al!ve
VÖ: 07.03.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Weltraumtourismus

Kleine Jungs wollen werden: Feuerwehrmann, Rennfahrer, Astronaut. Große Jungs werden später: Finanzbeamter, Geschichtslehrer, Möbelpacker. Die naiven Träume von einst werden dann als Schäume von heute lediglich zu allerhand nostalgischen Gelegenheiten kurz hervorgekramt und für einen Moment mit einem schwelgerischen Lächeln behutsam aufgewärmt. Dann wandern sie wieder in die Glasvitrine mit all den anderen ungelebten und abgewöhnten Illusionen zurück, die Mann sich angesichts von 1.600 Euro brutto inklusive unfreundlichem Chef und exklusive Weihnachtsgeld nicht mehr erlaubt. Männer wie Peter J Croissant sind deshalb zu beneiden: Als Künstler gestatten sie sich den Luxus des ewig währenden Jungentraumes.

"Building humans" ist bereits Croissants zweiter Ausflug ins All mit seinem Sine Star Project nach dem Debüt "Blue born Earth boy", das sich bei dem wagemutigen Start in unendliche Weiten auf die Bordcrew Muse und den Kapitän Jeff Buckley verließ. Der monumentale Bombast und die kühlen, sphärischen Panoramablicke stellt das jüngste Werk vollends in malerische Dienste: Wo der Laser im CD-Player eigentlich nur die Musik vom Tonträger abrufen soll, brennt er hier dem Hörer zu den weitschweifigen musikalischen Klanglandschaften parallel die dynamischen Bilder von endlosem, rabenschwarzem Sternen-Nichts, Ausblicken auf blass schimmernde Planeten und im Sonnenlicht bläulich-glänzende Raumschiffteile in die Netzhaut. Der Soundtrack zu einem Weltraumabenteuer, das nie verfilmt wurde.

Eine grob skizzierte Geschichte ersinnt sich zu der Dramaturgie der Platte jedenfalls leicht: Der entrückte Rocker "Bleeding like a dog" begleitet die Exposition des emotional verwundeten Helden, der sich mit seinem Raumschiff auf eine Expedition begibt. Der Start wird martialisch mit Feuer speienden Triebwerken und Rauchwolken inszeniert, begleitet vom trockenen Queens-Of-The-Stone-Age-Rock von "Brown bread". Dann plötzlich das All, das sich so bedrohlich wie faszinierend als Kulisse ausbreitet. "Eternal sadness for man" ist die Piano-Ode, zu der der Held seine Wunden leckt, dann entwickeln die sphärischen "Chinese drag queen", "Glitter ghost" und die Akustikgitarren/Streicher-Feinzeichnung "Little bird" Nebenrollen und Geschichte, bevor der Held und seine Begleiter - untermalt von der Fingerübung "The temptress" und dem synthifizierten "Posthuman" - als Höhepunkt beinahe in einer fremden Welt von weiblichen Energiewesen bezirzt werden. Schließlich klingen der Film und die Platte mit einem schwindenden Blick auf die neue Welt und einem geläuterten Helden in den letzten beiden Tracks aus. Abspann, Applaus.

Angela Merkel könnte von Croissant lernen, schafft diese Platte doch, was der Kanzlerin unlängst immer wieder misslang: Sie nimmt die Menschen mit. Auf eine akustische Reise, die dem Hörer die Ketten des irdischen Daseins weniger eng erscheinen lässt. Zu den Sternen, wie man so schön sagt. Und nach gut 40 Minuten setzt sie ihn wieder sanft mit den Füßen auf den Boden zurück. Wem also die Millionen für den Kurztrip ins All fehlen, der kann für einen Bruchteil mit dem Sine Star Project reisen. Peter J Croissant hat in seinen Alben sicher noch einen Platz frei. Ein bisschen kindliche Naivität und Phantasie vorausgesetzt.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Eternal sadness for man
  • Chinese drag queen
  • Little bird
  • Christmas carol for the dead

Tracklist

  1. Bleeding like a dog
  2. Brown bread
  3. Eternal sadness for man
  4. Chinese drag queen
  5. Glitter ghost
  6. Little bird
  7. The temptress
  8. Posthuman
  9. Christmas carol for the dead
  10. Cathedral

Gesamtspielzeit: 37:28 min.

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