Mariannenplatz - Schwarz und Weiss

Mariannenplatz- Schwarz und Weiss

DA / Pallas
VÖ: 08.02.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Das Streichergebnis

Auf manche Dinge ist und bleibt Verlass. Die eine trockene Stelle am Knie zum Beispiel, oder dass man bei der allwöchentlichen Pokerrunde doch nicht gewinnt. Die Arbeitgeber in spe schicken weder die Bewerbungsunterlagen zurück, noch informieren sie bezüglich der Absage. Auf Deutschpop mit Gitarre. Dieser entsendet nämlich in regelmäßigen, stakkatohaften Abständen aus allen 16 Ecken der Republik seine Schützlinge und darf dann und wann sogar mal im Radio oder bei Stefan Raab ran. Und nachdem diese Rezension selbst wie ein Deutschpop-Song angefangen hat, weiß man ungefähr, wie Mariannenplatz tönen. Die dreizehn Songs der Marke Eigenbau auf "Schwarz und Weiss" sind dabei aber weder besonders interessant noch vielleicht stimmungstauglich. So spielt man einige Ligen unter der der prominentesten Vertretern hochwertiger, deutschsprachiger Musik; egal, ob sich die jetzt BWL-Studenten ausgedacht haben oder Leute, die sich für Musik interessieren.

Übrigens war das bereits bei den beiden Vorgängeralben nicht viel anders, und der genaue Grund für die Tatsache einer Rezension im Gegensatz zu den beiden anderen Alben lässt sich zumindest qualitativ nicht wirklich ausmachen, denn prätentiös betitelte Songs wie "Ich vs. Ego" sind ungefähr so Rock'n'Roll wie ein Bausparvertrag. Dessen Text ließe sogar die Jungs von Revolverheld noch hämisch grinsen: "Ich hatte keine Richtung, ich hatte nur den Drang nach vorn / Ich fuhr die ganze Nacht im Wahn / Nur das Meer ist, wo es immer war." Zeilen, die nach Wiedereinführung der preußischen Zensur schreien, sind aber noch gar nicht das Schlimmste, an dem nach dem berühmten Naherholungsort betitelten Quartett, an welchem sich das Rauch-Haus befindet, in dem Rio Reiser mit seinen Ton Steine Scherben eine Zeit lang lebte, sang und agierte.

Die Band jedoch, die für das Album "Schwarz und Weiss" verantwortlich ist, klingt hingegen eher nach FDP-Mitgliedschaft und viel Mobbing, Qual und Leid in der Schulzeit: "Such dein eigenes Ich / Ungezählte Jahre / Fragst du leise dich / Was mit dir geschah." Ja, lieber Mariannenplatz, das ist textlich ganz ganz fiese Bezirksklasse. Auch musikalisch ist leider nichts rauszureissen, denn dass Dur-Akkorde nicht schon das Alpha und Omega sind, sollte man doch zumindest spätestens seit Juli, Silbermond und Tokio Hotel wissen. Diese drei Bands haben aber wenigstens den entscheidenden Vorteil dreier süßer Fronthäschen. Bemerkenswert ist auf "Schwarz und Weiss" höchstens noch, dass Mariannenplatz es schaffen, Echts eigentlich hübsches "Du trägst keine Liebe in Dir" ziemlich zu versauen. Sollte jedenfalls eines Tages tatsächlich mal wieder Sommer sein, man hoffe, die erholungshungrigen Besucher des Mariannenplatzes haben gute Musik dabei. Andere Musik.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

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Tracklist

  1. Stadt ohne Farben
  2. Bitte sag nichts
  3. Steht auf!
  4. Sommer
  5. Gut
  6. Gegen die Wand
  7. dein Lächeln
  8. Ich vs. Ego
  9. Neben dir
  10. Disko
  11. Ja ja
  12. Oh ja
  13. Du trägst keine Liebe in Dir

Gesamtspielzeit: 46:16 min.

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