Earth - The bees made honey in the lion's skull

Earth- The bees made honey in the lion's skull

Southern Lord / Soulfood
VÖ: 15.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Weisheit des Alterns

"Lern etwas Anständiges, Junge!", hatte Vatern immer gesagt gehabt. "Was Solides, man will ja später mal Frau und Kind ernähren können." Man selbst, gerade grünschnäbelige 17 geworden, zu allem eine Meinung, aber im Grunde kein Plan, dachte sich nur: "Komm, Klappe mal, Alter!" Jetzt, mächtig viele Philosophiesemester und einige politische Protestwahlkreuze und Steinwürfe später, hat Papa plötzlich Recht: Idealismus ist gut und schön, bringt aber nichts.

Auch wenn es hart klingt und nicht gerade für die Band spricht: Earth hatten diese Erkenntnis in knapp 20 Jahren Bandgeschichte nicht. Dabei würde doch ein Blick bei Wikipedia unter dem komischen, aber doch treffenden Genrebegriff "Drone Doom" völlig zum Augenöffnen ausreichen: "Der Drone-Doom-Metal genießt auch innerhalb der Metalszene kaum Anerkennung und ist ein sehr spezielles Subgenre, weshalb die Zahl der praktizierenden Musikgruppen sehr klein ist und diese praktisch keine kommerziellen Erfolge erzielen können." Optimisten und Postidealisten sagen: Earth gehen auch mit "The bees made honey in the lion's skull" konsequent ihren Weg.

Sie gehen weiter, sie werden nicht jünger und somit weiser. Und genau das ist das Gute. Earth müssen niemand mehr etwas beweisen. Jedes Kind weiß, dass diese Band das Gebrumme, Gezirpe, das ellenlange und unendlich langsame Gedröhne perfektioniert hat. Vor Jahren schon. Es gibt ja sogar schon Tribute-Alben, und sogar Kurt Cobain war Fan. Längst geht es vielmehr darum, sich zu öffnen. Earth weichen also ab von ihrem strickten Pfad, verlassen die höchste Stufe der Philosophie und Hypnose und werden greifbarer. Natürlich alles relativ gesehen. Vielleicht ist das der Weg; möglicherweise nicht zur Erkenntnis, aber unter Umständen zur kleinen Einsicht. Ein Weg, der auch schon mit dem neuaufgelegten "Hibernaculum" beschritten wurde: mehr Bodenständigkeit.

Im Falle einer Drone/Doom-Band geht dies allerdings nur nicht von heute auf morgen, das braucht Zeit. Trotzdem dürfte mit Sicherheit Stargast und Gitarrenaltmeister Bill Frisell einen großen Verdienst an dieser Entwicklung haben, denn seine Spanne zwischen Noise und Folk verleiht dem Album durchaus etwas Rockiges. Gesellen sich zu Dylan Carlson und Adrienne Davies noch so illustre Persönlichkeiten wie unter Anderem Steve Moore oder Don McGreevy, dann hat man seit langem wieder einmal das Gefühl Earth seien eine Band und kein Mythos. Persönlicher und näher denn je. Besser denn je. Noch 40 Jahre in diese Richtung weiterentwickeln und sie könnten glatt Frau und Kind von dieser Musik ernähren.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Miami morning coming down II (Shine)
  • Hung from the moon

Tracklist

  1. Omens and portents I: The driver
  2. Rise to glory
  3. Miami morning coming down II (Shine)
  4. Engine of ruin
  5. Omens and portents II: Carrion crow
  6. Hung from the moon
  7. Bee made honey in the lion's skull

Gesamtspielzeit: 53:23 min.

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