City And Colour - Bring me your love

City And Colour- Bring me your love

Vagrant / Cargo
VÖ: 07.03.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Jekyll und Hyde

Auf der einen Seite gibt es Menschen, Musiker respektive, die machen auf ihren Soloplatten eigentlich genau das, was sie mit ihrer Band auch schon gemacht haben. Man denke mal an Fred Mascherino (Ex-Taking-Back-Sunday) alias The Color Fred - einmal lala, immer lala. Helge And The Firefuckers und Helge alleine - einmal Banane, immer Banane. Oder Serj Tankian. Auf der anderen Seite gibt es Musiker, respektive Menschen, die machen auf ihren Soloplatten hauptsächlich genau das nicht, was sie mit ihrer Band auch schon gemacht haben. Man denke nur an gestandene Leute wie Mike Ness (Social Distortion) oder Greg Graffin (Bad Religion), die Ballermanngitarren gegen akustische eintauschen, wenn es mal solo auf die Bühnen geht. Sie alle sind bisweilen, wenn einmal allein gelassen, kaum wiederzuerkennen. Dallas Green (Alexisonfire) macht das auf "Bring me your love" übrigens ganz genau so.

Dass die Musik, die da drauf ist, dann nicht zwingend auch etwas für Alexisonfire-Fans ist, kann man sich also denken. Der sonst eher so bärbeißige Rocker Green zeigt sich unter seinem City-And-Colour-Pseudonym von einer ganz anderen Seite. Von einer, vor der mancher im ersten Moment etwas Berührungsangst haben könnte. Zu intim, zu verletzlich sind die zwölf Songs auf seiner zweiten Veröffentlichung. Adjektive, die mit dem Namen Dallas Green nicht unbedingt in Verbindung bringt, wer noch keinen Ton von City And Colour gehört hat.

Dabei liegt die Stärke dieser Platte genau darin, dass sie sich bloß stellt. Mag Green während "Constant knot" noch so viele Schubidus, klatschende Hände und Glockenschellen aufeinandertürmen, im Schnitt ist "Bring me your love" kaum sparsamer instrumentiert als die komplette Motörhead-Discographie, à capella gesungen. Denn meist zählt man zweieinhalberlei: Greens wundervolle Stimme, eine Gitarre und (wenn nötig) eine Mundharmonika. Gelegentlich noch eine Orgel, ein Schlagzeug, das war's auch schon.

Daran kann es also nicht liegen, dass man mit "Bring me your love" eher lauwarm wird, schließlich sind ihm mit "The death of me" und dessen Cowboy-Beat oder dem sehr zerbrechlichen Klagelied "As much as I ever could" trotz Minimaleinsatz (jetzt rein von der Zahl der verwendeten Instrumente gesehen, versteht sich) prinzipiell mal schöne Songs gelungen. Wenn Green in "The girl" zum nächsten (und übernächsten, und überübernächsten) Ohohoh ansetzt, wenn er in "Sensible heart" Ewigkeiten auf der Klampfe rumschrubbt und schrubbt und schrubbt und schrubbt, dann dies das Problem von alleine auf den Punkt. Wer wissen will, wie schmal der Grat zwischen seicht und einfühlsam eigentlich wirklich ist, darf gerne folgenden Selbstversuch unternehmen: "Bring me your love" auflegen. Und mal nicht bis zum nächsten Highlight durchskippen.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Waiting
  • As much as I ever could

Tracklist

  1. Forgive me
  2. Confessions
  3. The death of me
  4. Body in a box
  5. Sleeping sickness
  6. What makes a man?
  7. Waiting...
  8. Constant knot
  9. Against the grain
  10. The girl
  11. Sensible heart
  12. As much as I ever could

Gesamtspielzeit: 48:21 min.

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