Timesbold - Ill seen ill sung

Timesbold- Ill seen ill sung

Tin Drum / Glitterhouse / Indigo
VÖ: 15.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Beschaffenheit der Kunst

Timesbold ist eine dieser wenigen Bands, die Gegensätze mit echtem Leben füllen. Das gelang ihnen mit dem schüchternen Charme ihres Debüts "Timesbold" ebenso wie mit der kargen Opulenz von "Eye eye". Auch "Ill seen ill sung" fesselt mit klaffenden Lücken, es treibt an durch seine Langsamkeit, und es tröstet mit allgegenwärtiger Niedergeschlagenheit. Dass eine Musik, die soviel von der Weite und Verlorenheit ihrer Heimat weiß, ausgerechnet mitten in Brooklyn entsteht, grenzt schon fast an Ironie. Doch kaum etwas läge ferner.

Auf "Ill seen ill sung" gebärden sich selbst lebenstrunkene portugiesische Sauflieder wie Beerdigungsmärsche. "If I can't sing I die / And dead I cannot love", heißt es in "Canção bebendo", und leise weint dazu eine Melodica. "Fencepost" wünscht sich mit Weillschem Schwung, endlich einmal träumen zu dürfen. Sägen singen, Bettfedern quietschen, Orgeln quälen sich. Ein Theremin weht in der Ferne. Immer wieder erklingen die rostigen Saiten des Banjos ebenso brüchig wie Jason Merrits Stimme, die in eben dieser Schwäche ihre Stärke sucht. Und findet.

"I can write you letters like / The alphabet's gone berserk / And yonder lurks the sun." Wenn gleich am Anfang die heruntergekommene "Old Hannah" in aller Brüchigkeit beschrieben wird und doch nicht eingefangen werden kann, dräut bereits das Unwetter. Dann bricht "Any lethal storm" mit morbiden Metaphern und gleißenden Blitzen los und ist doch eigentlich nur ein zärtliches Liebesgeständnis. "If I was a bird / I'd orchestrate branches / Into a chorus / Only you would know."

Allein die Zärtlichkeit solcher Worte haucht diesem seltsamen Muskel in der Brust das Leben ein, das zu Timesbold gehört wie die Asche zum wärmenden Feuer. Doch erst zusammen mit der verwunschenen Musik von Songs wie "Mama", "All readymade" oder "Be leaving" brennt die wohlige Glut der gebrochenen Herzen lichterloh auf. "I drink till I forget my name / But I remember yours." All die verwegenen Wünsche klammern sich ans ewige Moll. Verlorene Details irren durch Räume, die voll gepackt sind mit lauter Krimskrams und doch von Leere und Vergänglichkeit künden. Hoffnungen zerfallen zu Staub. "But I can't even tell time / To think that yesterday / I was a piano, I was key by key." Am Ende ist alles Musik.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Old Hannah
  • Any lethal storm
  • Hollow halo
  • Fencepost

Tracklist

  1. Old Hannah
  2. Any lethal storm
  3. All readymade
  4. Takeaway
  5. When I come around
  6. Hollow halo
  7. Mamma
  8. Canção bebendo
  9. Recover ring
  10. Lame horse
  11. Be leaving
  12. Far to strange

Gesamtspielzeit: 45:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
novemberfliehen
2009-08-30 15:44:25 Uhr
Ok, hab nun doch einen gefunden. Kann gelöscht werden, sorry.
novemberfliehen
2009-08-30 15:43:21 Uhr
Hier gibt es zwar einen Thread zur Band an sich, aber dort sind kaum Beiträge vorhanden und das neueste Album (siehe Überschrift) wird in jenem auch nicht besprochen.

Ist wohl mitunter meine Entdeckung des Jahres. Weiß garnicht wie ich die gefunden habe. Guter Folk in düsterer melancholischer Atmosphäre. Jedes Lied ist hörenswert auf dem Album. Ich bin gerade total begeistert (nach insgesamt 12 Durchgängen).

(Eigene) Referenzen: Two Gallants, 16 Horsepower, Okkervil River, Songs: Ohia, uvm. :D (wer Decemberists, Elliott Smith, Bright Eyes, etc. mag sollte mal auch reinhören).
The Triumph of Our Tired Eyes
2009-08-19 16:52:23 Uhr
Mama ist sowas von grossartig.
Piepi
2008-05-11 09:26:46 Uhr
Wer in Nürnberg?
Konsum
2008-05-10 18:15:33 Uhr

Yes.
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