Throw Me The Statue - Moonbeams

Throw Me The Statue- Moonbeams

Baskerville Hill / Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 22.02.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der kurze Atem

Es war leider nicht rauszukriegen, in welcher Berglandschaft das idyllische Heimatfilm-Artwork zum Debütalbum von Throw Me The Statue entstanden ist. Man kann sich aber auch so denken, dass die Luft dort ziemlich dünn sein muss. Loslegen wie die Feuerwehr und später dann röchelnd im Straßengraben liegen - man kennt das nicht nur von den eigenen Startversuchen bei Trimm-Dich- und Jedermanns-Läufen, sondern jetzt auch von Scott Reitherman aus Seattle, der ein loses Grüppchen Freunde um sich scharte, weil er glaubte, dass der Indierock unbedingt noch eine weitere Band gebrauchen könne. "Moonbeams" steht am Ende dieser Gedanken. Es ist ein Album, das ganz hervorragend losgeht, bevor ihm irgendwann die Luft ausgeht.

Reitherman demonstriert literaturwissenschaftliches Fachwissen, wenn er in "Lolita" vom Leben und Lieben mit einer 19-jährigen singt und dazu das Glockenspiel bimmeln lässt, wie man es sonst nur in schlecht erzogenen Musikschulklassen hört. Er holt eigenartige Geräusche und nie ganz rund laufende Beats aus seinem Laptop, schrubbt halb entschlossen die Akustikgitarre und platziert sich in seinem prima vertrödelten Opener als letzter der "Young sensualists". Das Gegen- und Zusammenspiel von Elektronischem und Organischem wird in "Yucatan gold" wichtig, weil sich Drummer und Drum Machine erst angiften und später gegen die bissigste E-Gitarre der ersten Albumhälfte verbünden. Und wenn ihm dann noch Zeit bleibt, macht Reitherman sogar kluge Feststellungen: "There's nothing here I'd like to steal from your girlfriend's car." Muss man auch erst mal drauf kommen.

Misstrauisch sollte man aber werden, wenn "This is how we kiss" quasi genauso anfängt wie das Lied zum Laufband-Video von Ok Go und danach als etwas zu offensichtlicher Hitversuch durch die Gegend "Ohohoh"t. "Groundswell", als einziger Song von Phil Ek (Modest Mouse, The Shins) gemixt, holt anschließend all die erhabenen und kurzatmigen Bläser nach, die man auf einer solchen Genre-Platte erwartet und bis hierher vermisst hatte - "Moonbeans" verschiebt sich ohnehin zusehends in Richtung "richtiger" Instrumente, wird einen Zacken geradliniger und weniger anspruchsvoll, wenn es darum geht, sich selbst zu fordern oder beschäftigen. Ins Hauptfeld der Hobbyläufer und Gesichtslosen muss sich die Platte aber deshalb nie zurückfallen lassen. Sie scheitert lediglich am Start-Ziel-Sieg, den sie sich vorgenommen hatte.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Lolita
  • A mutinous dream
  • Your girlfriend's car

Tracklist

  1. Young sensualists
  2. Lolita
  3. A mutinous dream
  4. Conquering kids
  5. About to walk
  6. Yucatan gold
  7. This is how we kiss
  8. Groundswell
  9. Written in heart signs, faintly
  10. Take it or leave it
  11. Moonbeams
  12. The happiest man on this plane

Gesamtspielzeit: 50:09 min.

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