Envelopes - Here comes the wind

Envelopes- Here comes the wind

Brille / Vita / PIAS / Rough Trade
VÖ: 22.02.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Wie im Kindergarten

Ein Glück, dass es gerade Mode ist, Dinge zu kombinieren, die auf den ersten - und vielleicht auch den zweiten oder dritten - Blick nicht unbedingt füreinander geschaffen sind. Ob es nun lila Leggings und Silbertops sind, Harald Schmidt und Oliver Pocher oder die große Koalition - hip ist, wer die Antipoden mischt und sich um Anschlüsse nicht groß schert. Buntsein heißt Kreativsein, und hinterher weiß man immer mehr. Ein Trend, der dem französisch-schwedischen Quintett Envelopes ziemlich in die Karten spielt. Hier wird Entscheidungsverweigerung institutionalisiert: Wollen wir lieber die neuen Pixies sein oder wie Arcade Fire klingen? Ein Schuß Kimya Dawson vielleicht? Aber die Chemical Brothers passen auch noch rein - oder doch Modest Mouse? Und dies sind nur einige beliebige der Assoziationen, die einem nach 20 Minuten "Here comes the wind" so unweigerlich gekommen sind wie die Mundwinkeln nach oben gezuckt sind und das Tanzbein gelockert ist.

Wer nicht glauben will, muss hören. Ruckzuck beginnt das Album mit "Party", einem Song, der die wichtigsten Elemente des Envelopes-Kosmos versammelt: Den zweistimmigen Gesang von Henrik Orrling und Audrey Pic, ihre Lust, Songs zu spalten, Refrains abrupt anzukleben und Melodien auch mal abzubrechen. "Freejazz" sagt schon im Namen, dass er unkonventionell sein will und kriegt das auch ganz gut hin. Später dann folgt mit "Boat" eine Ballade mit Kulleraugen, welche von "Put on hold" in einen wirren Abgrund aus trashigem Elektro geworfen wird, bevor "Seawise" das Album schließlich auf einer kitschig-hymnischen Note ausklingen lässt. Schon das inoffizielle Debütalbum der Fünf, die Demo-Sammlung "Demon", hatte auf dieses Konzept gesetzt: Kakophonie als Kalkül, Bruch als Brücke, Kurzweil statt Ganzheitlichkeit.

All die Beschleuniger und Wendemarken machen es wahrlich nicht leicht, zu sortieren, die guten von den schlechten Momenten zu trennen und final ein Urteil zu fällen. Wie will man den Überraschungsmomenten so gerecht werden wie den Banalitäten? Doch je mehr man hört, desto eher kristalllisiert sich ein Nenner: eingängig und kindisch. Das ist dann erstmal gar nicht böse gemeint, denn gerade der kindische Aspekt - die hellen Stimmen, die naiven Texte - ist es, der Laune macht. Woran das Album dann aber doch scheitert, ist, dass das Beschmieren der Leinwand mit Wachsmalstiften mehr Unregelmäßigkeiten produziert als Ideen herausarbeitet. Und wenn dann noch ein paar schlechte Songs dazwischen geraten ("Heaven", "Life on the beach"), dann hätte man besser doch ein bißchen mehr Ruhe bewahrt.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Radio
  • Boat

Tracklist

  1. Party
  2. Freejazz
  3. Heaven
  4. Somke in the desert, eating the sand, hide in the grass
  5. Life on the beach
  6. Boat
  7. Put on hold
  8. I'd like 2cu
  9. I'm in love and I don't care who knows it
  10. What's the deal
  11. Seawise

Gesamtspielzeit: 34:08 min.

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