Vampire Weekend - Vampire Weekend

Vampire Weekend- Vampire Weekend

XL / Beggars / Indigo
VÖ: 22.02.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Darjeeling unlimited

Man muss sich ein bisschen fühlen wie Orlando Bloom in "Elizabethtown", und das kann natürlich nicht gut sein. Der steht da jedenfalls vor dem halb offenen Sarg seines Vaters und sucht nach dem richtigen Wort, um dessen Gesichtsausdruck für die Ewigkeit zu beschreiben - genau so, wie man vor der gar nicht toten Debütplatte von Vampire Weekend sitzt und sich fragt, was denn nun der dazu passende Begriff sein könnte. "Charmant" ist es nicht, obwohl es der Sache recht nahe kommt. "Stürmisch" ebenso wenig, auch wenn das immerhin auf die Seite von Vampire Weekend zutrifft, die sich nicht als "zurückgelehnt" beschreiben lässt. Und mit "eigenartig", "-willig" oder "-ständig" würde man es sich sowieso zu einfach machen.

Es empfiehlt sich also, weiter vorne anzufangen und zunächst zu begreifen, dass Vampire Weekend vier junge Männer aus New York sind, die sich eine Liebe für Paul Simons "Graceland" teilen, während sie als gerade graduierte Collegejungs aber auch und zweifelsohne mit den Gitarrenrock-Wiederbelebungen der Strokes groß geworden sind. Ihr erstes Album versucht nun, diese beiden Welten zusammenzuführen und kommt damit bei erstaunlichen Ergebnissen raus: Es ist tagesaktueller Indiepop mit all den divahaft glitzernden, immer kurz angebunden Gitarren, die dazu gehören. Es hat aber auch Keyboards und Percussion, die dieser Musik eine bockige, stets stockende Rhythmik eintreiben, wegen der schon mal bis nach Afrika geblickt wird, um die passenden Vergleiche zu ziehen.

Vampire Weekend schreiben aus dieser Deckung heraus nicht weiter verhandelbare Goldstücke wie "A-Punk", das mit all seinem Überschwang und Schwung gegen einen klug gesetzten Mellotron-Break prallt. Gleichzeitig lassen sie einen mit der immer präsenten Angst leben, als nächstes den "Banana boat song" zu covern, denken sich für "M79" ein Intro aus, das wie Mozart im Vorspulmodus klingt und entscheiden sich doch für ein Lied über britische Zeichensetzung, frühe Lebensweisheit und Lil' John, der immer die Wahrheit weiß. "Oxford comma" kann all das und Pop sein in etwas mehr als drei Minuten - es hat auch eine dieser Steilkurven, aus denen sich Vampire Weekend regelmäßig heraustragen lassen, um den verblüffend einleuchtenden Refrains in den Schoß zu fallen, die ihre Songs zu Hits machen. "Mühelos", es ist leider auch nicht das Wort.

Trotzdem fliegt die Platte nur so an einem vorbei, lässt spät durchblicken, wie reichhaltig und einfallsreich sie instrumentiert wurde und erzählt ihre Geschichten vom Leben auf dem Campus mit einer Ernsthaftigkeit, die nur verstehen kann, wer selbst mal Anfang 20 war. So sehr "Vampire Weekend" aber auf sich selbst und seine Gegenwart fixiert ist - das Album versäumt es genauso wenig, einem Fernweh und Reisefieber beizubringen. Mit "Cape Cod Kwassa Kwassa" und angeborener Funkyness springt es 6000 Meilen nach Südosten. "Walcott" und sein außer Kontrolle kreiselndes Finale träumen sich weg zu Bingoabenden auf Hawaii, und "One" stellt schließlich klar, dass die halbe Welt für diese Band noch lange nicht genug ist: "Occident out on the weekend / That's the way that we relax / English breakfast tastes like Darjeeling / But she's too cute to even ask." Wahre Kosmopiloten.

Ja, und das Wort ist übrigens "verschmitzt", ehrlich, wie bei Orlando. Es ist wohl höchste Zeit, beunruhigt zu sein.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Oxford comma
  • A-Punk
  • Walcott

Tracklist

  1. Mansard roof
  2. Oxford comma
  3. A-Punk
  4. Cape Cod Kwassa Kwassa
  5. M79
  6. Campus
  7. Bryn
  8. One (Blake's got a new face)
  9. I stand corrected
  10. Walcott
  11. The kids don't stand a chance

Gesamtspielzeit: 34:13 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
jo
2009-08-25 11:16:44 Uhr
Prima Auftritt auf dem Highfield - live hatte vor allem "One (Blake's Got a New Face)" deutlich mehr (= den benötigten) Druck.
Schwanmeister
2009-02-05 12:09:23 Uhr
Großartig! Auf welchem Format erscheint/erschien das?
humbert humbert
2009-02-05 12:02:46 Uhr
Hot Chip & Peter Gabriel - Cape Cod Kwassa Kwassa
Armin
2009-01-05 22:03:49 Uhr
Kampfpreis: Bei Amazon kostet die derzeit nur 8,95 Euro.

Wer weiß, wie lange noch.

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(Nein, ich fang jetzt nicht an, regelmäßig das Forum zuzuspammen, finde die eben bei diversen CDs entdeckten 8,95 Euro aber durchaus ein gutes Angebot für alle, die das jeweilige Album noch wollen)


---
2008-12-28 13:55:36 Uhr
Nochmal gehört. Ziemlich gut, vor allem "M79".
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