Ferraby Lionheart - Catch the brass ring

Ferraby Lionheart- Catch the brass ring

Nettwerk / Soulfood
VÖ: 22.02.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Fest im Sattel

Ferraby Lionheart hat eindeutig aufs richtige Pferd gesetzt - auch wenn es etwas unmotiviert im Cover-Artwork seines Debüts herumsteht. Der alte Gaul, den er sich dafür geschenkt hat, war ein Studium an der Kunsthochschule, nach drei strengen Wintern wurde ihm Chicago einfach zu kalt. Vielleicht klingt "Catch the brass ring" deswegen, wie Dittsche sagen würde: schön muggelig. Dass es Lionheart für die entscheidenden musikalischen Schritte ausgerechnet nach Los Angeles verschlug, ist natürlich kein Zufall. Erstens beginnen unter der Sonne Kaliforniens fast alle großen Karrieren, zweitens lernte er dort schon einmal laufen, bevor ihn seine Eltern mit fünf nach Nashville verschleppten. Und drittens brachte die Stadt bereits seiner Oma Glück - sie war in den Siebzigern eine erfolgreiche Musikmanagerin.

In Omas Keller nahm er mit 18 dann auch seine ersten Songs auf und verplemperte danach fast zehn Jahre in verschiedenen erfolglosen Rockbands, bevor er endlich seine Solo-Karriere sattelte. Man hört, dass Jon Brion, Soundtrack-Schreiber und Produzent (Aimee Mann, Fiona Apple, Rufus Wainwright), den Steigbügel hielt, aber eventuell ist das auch nur ein Gerücht. Trotzdem kommt Lionheart aus dem gleichen Stall wie Brion - er schreibt genauso zierliche, zeitlose Melodien und bettet sie vorsichtig in zauberhaft detailverliebte, matt glänzende Arrangements. Ohne sich dabei jemals zu vergaloppieren. "Don't forget to save energy!" mahnte Lionheart neulich in seinem Blog und geht tatsächlich mit gutem Beispiel voran: Das selbst produzierte Debüt kommt fast ausschließlich mit akustischen Instrumenten aus; Klavier, Lagerfeuergitarre, Kontrabass, Streicher, Glockenspiel, Mandoline und - passend zum Albumtitel - diverse Blechbläser.

Kaum zwei Minuten dauert der Opener "Un ballo della luna", aber er führt direkt in die Höhle des Löwenherz; ganz sachte werden Nylonsaiten gezupft und schließlich mit traumwandlerisch duplizierter Stimme der Mond bereist. Dass Lionheart den Perspektivwechsel konsequent fortsetzt und die nächste Nummer, ein beatleskes Piano-Pop-Filetstückchen, "Small planet" nennt, ist bloß einer von vielen cleveren Schachzügen. Aber darum geht es hier eigentlich gar nicht. Keiner der elf Songs hat es auch nur annähernd im Sinn, Cleverness zur Schau zu stellen oder gar ironisch zu sein. Dafür ist Lionheart viel zu sensibel und zurückhaltend. Mutig ist er trotzdem - ein Sehnsüchtiger, der auch dann nicht seinen Hut nimmt, wenn die Gefahr besteht, dass sein Herz was auf die Mütze bekommt.

Er schlendert die "Vermont Avenue" entlang, mit Schellenkranz im Haar, einem Folkmärchen an der Hand und dem Himmel voller Geigen, sympathisiert in "Under the Texas sky" mit den einsamen Kakteen, füllt als "The car maker" einen entschleunigten Bossa-Nova-Rhythmus in den Tank und ersetzt fachmännisch das Gaspedal durch Pedal Steel. Mit Pferdestärken kennt Herr Löwenherz sich eben bestens aus. Seine eigene größte Stärke ist allerdings diese dezent nasale, herzlich umarmende Stimme, die gleichermaßen nach Broadway und nach Baumhaus klingt und vor allem der wogenden Klavier-Ballade "Call me at sea" zu betörender Schönheit verhilft. "Before we're dead" marschiert mit einer fantastisch rumpelnden Kapelle ein, bringt die Westergitarre in Stimmung und hält so einige Weisheiten parat: "You can be high / You can be low / Under a tree / Over the world." Man muss nicht auf den Mond reisen, um die Perspektive zu wechseln. Aber es lohnt sich immer, dem Leben die Sporen zu geben.

(Ina Simone Mautz)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Small planet
  • Vermont Avenue
  • Call me the sea
  • Before we're dead

Tracklist

  1. Un ballo della luna
  2. Small planet
  3. Vermont Avenue
  4. Call me the sea
  5. The car maker
  6. A bell and tumble
  7. Under the Texas sky
  8. Youngest Frankenstein
  9. Before we're dead
  10. The octopus and the ambulance
  11. Put me in your play

Gesamtspielzeit: 38:54 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread

Um Nachrichten zu posten, musst Du Dich hier einloggen.

Du bist noch nicht registriert? Das kannst Du hier schnell erledigen. Oder noch einfacher:

Du kannst auch hier eine Nachricht erfassen und erhältst dann in einem weiteren Schritt direkt die Möglichkeit, Dich zu registrieren.
Benutzername:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
äffchen
2010-01-20 20:09:50 Uhr
Offiziell wohl im Frühjahr, aber wenn man direkt von seiner Homepage bestellt, kriegt man Ende Januar für grad mal 13 dollar eine signierte "advance copy". :-)
Leatherface
2010-01-20 19:56:13 Uhr
Oh, ein neues Album? Wann kommt es denn?
äffchen
2010-01-20 18:48:53 Uhr
Eben das neue Album vorbestellt. Den drei Vorab-Songs auf Myspace nach zu urteilen wird das wieder eine sehr feine Platte.
Kilian
2008-03-18 17:23:52 Uhr
Ina hatte mal wieder Recht, wunderbares Album! :-)
ZickZack
2008-02-28 20:14:15 Uhr
Ich hatte über Amazon-Marketplace bestellt und die CD heute im Briefkasten gehabt.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum Du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum

Anhören bei Spotify