Haydamaky - Kobzar

Haydamaky- Kobzar

Eastblok / Indigo
VÖ: 01.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ostentzündung

Was ist eigentlich Osteuropa, und wo liegt das genau? Keine Ahnung? Damit steht man nicht alleine da. Würde man jemanden bitten, die osteuropäischen Staaten aufzuzählen, fielen Ländernamen wie Polen, Tschechien, Rumänien, die Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Ungarn und Kroatien. Und nichts davon wäre geographisch und wissenschaftlich richtig. Zu Osteuopa gehören nämlich tatsächlich nur Weißrussland, der europäische Teil Russlands, Moldawien und die Ukraine. Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn bilden Mitteleuropa. Serbien, Slowenien, Albanien, Mazedonien, Montenegro, Kroatien sowie Bosnien/Herzegowina stellen wiederum Süd- bzw. Südosteuropa dar. Papst Johannes Paul dem II. sagte man sogar nach, in tobwütige Anfälle zu verfallen, sobald man ihn als Osteuropäer bezeichnete. Zweifelsohne weiß Otto Normalmitteleuropäer wohl über keinen Teil Europas so wenig Bescheid, wie den östlich von Frankfurt an der Oder. Gemeinhin sagt er den 295 Millionen Europäern, die früher unter der Schirmherrschaft der Sowjetunion standen nach, sie seien schnurrbärtige, nicht zu knapp trinkende und tanzende Frohnaturen, die zu Akkordeons und Balalaikas rauschende Feste feiern und trotz einiger kleiner Schwierigkeiten und Probleme doch allen Grund hätten, gut drauf zu sein.

Wie angesprochen ist Musik da natürlich ein äußerst wichtiger Faktor, und spätestens seit den Exilanten Gogol Bordello weiß auch hierzulande die beschwipste Szene Pelzmütze und Fidel in ihrem Sound sehr wohl zu schätzen. Da kommen Haydamaky aus der Ukraine genau zum richtigen Zeitpunkt. Und machen doch vieles anders als die gogolschen Landsleute aus New York. "Kobzar" ist nicht nur Party und Spaßattacke, sondern bietet auch vernünftige Songs, die nicht primär zum Wodkakonsum geeignet sind (in der Ukraine heißt der Wodka ohnehin nicht Wodka sondern Perzowka, wird mit Chili angereichert und dadurch braun). Beispielhaft hierfür steht das sechsminütige "Rosa", dessen Inhalt mangels ukrainischer Sprachkenntnisse dem russischsprachigen Rezensenten nicht verständlich ist (ja, Serbisch, Rumänisch, Kroatisch, Russisch, Ukrainisch, Belorussisch, Slowakisch usw. sind genauso unterschiedliche Sprachen wie die Sprachen Westeuropas auch).

Spannend werden Haydamaky ohnehin vor allem dann, wenn sie einen Gang zurückschalten und ihren Songs freie Entfaltung gewähren. Die Trompete ist dabei ein oft eingesetztes Instrument und leitet im überragenden "Meni zdayetsa" ein wild nach vorne preschendes Riffgewittter ein. "Spokusa" wiederum suggeriert anfangs Powerpop und entpuppt sich als dubinfizierter und vielschichtiger Tausendsassa. Haydamaky lassen in jedem Ton unbändige Spiellust heraushören und schrecken auch vor wilden Pogoeinladungen kein Stück zurück. Aber das war ohnehin klar. "Kobzar" ist deshalb wie die vielbeschworene Matroshka aus dem riesigen Nachbarland der Ukraine. Schicht für Schicht für Schicht zeigt dieses Album neue Facetten und Aspekte, entwickelt variierende Stärken und erweitert Hörgewohnheiten und Horizonte. Welcome the East infection!

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Meni zdayetsa
  • Rosa
  • Yikhav kozak

Tracklist

  1. Vstrup
  2. Efir
  3. Yidu tramvayem
  4. Message
  5. Meni zdayetsa
  6. Malanka
  7. Spokusa
  8. Rosa
  9. Lelekai
  10. Marusya
  11. Yikhav kozak
  12. Viter viye
  13. Viter viye remix (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 53:34 min.

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