The Boggs - Forts

The Boggs- Forts

Tangled Up! / One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 15.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mahlen nach Zahlen

Noch Kind oder schon erwachsen? Das ist hier die Frage. Selbstbewusst ist der zwischen Blues, Folk und Kinderlied changierende Stil von Jason Friedmann jedenfalls. Das einzige feste Bandmitglied von The Boggs schöpft aus einem riesigen Erfahrungshorizont. Die Ideen stammen aus einer Nische in Friedmans Berliner Wohnung, aufgenommen wurde "Forts" in New York. und ab und zu geht's in die Heimat nach Durban. Hauptsache, man setzt sich nirgends auf diesem Globus so richtig fest.

Mit "Arm in arm" und "Remember the orphans" könnten The Boggs auch den 31Knots-Gedächtnispreis gewinnen. Brüche, Rhythmuswechsel und durchgeknallte Refrains bestimmen das Geschehen. Das genaue Gegenteil liefert das langsam pulsierende "The passage" mit Heather D'Angelo von Au Revoir Simone. Verlustängste sind das Leitthema in diesem Song. Wenn man das Gegenüber nicht mehr hören und verstehen kann, endet es so: "There is a ringing in my ear / And I fear / I'll never get the chance to hear / The sweetness of your voice." Das eine oder andere Mal beginnen The Boggs auch zu krächzen oder zu übersteuern wie The Rapture. Und in "Melanie in the white coat" sprengen sie jegliche Grenze zwischen feiner mitsingbarer Melodie und fiesem Gegröle. Eine Entscheidung zwischen The Fall und Liquido treffen sie gleich gar nicht. Das fällt jedoch kaum weiter ins Gewicht, da hier Fülle und Leere ausgezeichnet nebeneinander stehen.

Die Tracks sind allesamt kleine, manchmal leicht verrückte Alltagsgeschichten. Sehnlichste Wünsche werden offenbart: "When I sit beside you my heart / Beats, beats, please be my baby". Ohne Beats wäre es ein perfektes Schlaflied für Heranwachsende. Das Klackern und der swingende Groove in "Poor things" hingegen lassen den Fuß auf den Pedalen beim Autofahren gelegentlich auf- und abschnappen. Eine herrliche Leichtigkeit. Ausklang findet "Forts" mit Heather D'Angelos Version von "After the day", das etwas weniger bedrohlich daherkommt als Jason Friedmans Interpretation. "Forts" ist Malen nach Zahlen und zugleich Sodoku für Fortgeschrittene. Oder erwachsene Kinder.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Remember the orphans
  • Arm in arm
  • Poor things

Tracklist

  1. Forts
  2. Remember the orphans
  3. Little windows
  4. One year on
  5. Arm in arm
  6. Bookends
  7. After the day
  8. The passage
  9. So I so you
  10. Melanie in the white coat
  11. If we want (we can)
  12. Poor things
  13. Holiday
  14. After the day (Heather's version)

Gesamtspielzeit: 43:51 min.

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