Rocky Votolato - The brag & cuss

Rocky Votolato- The brag & cuss

Rykodisc / Rough Trade
VÖ: 15.02.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der Trauerausweider

Rocky Votolato ist ein Träumer, der romantische Worte aneinander reiht. Die Rezeptur seiner Musik ist so simpel wie allgegenwärtig. Nach dem mittlerweile fünften Langspieler des Texaners löst sich allerdings die anfängliche Euphorie um den smarten Songschreiber in Luft auf, bleibt doch am Ende nur eine angestaubte Geschichte eines durchschnittlichen Geschichtenerzählers.

Eine Art Zusammenschluss aus dem traurigen "Suicide medicine", das einst als Stehaufmännchen verkannt wurde und dem schlurfenden "Makers", danach als Fortsetzung mit lauteren Mitteln gefeiert, findet sich auf Votolatos jüngsten Streich wieder. "The brag & cuss" bietet auf, was im heiligen Reich der Plattenläden dieser Welt unter der Rubrik "Singer- / Songwriter" zu finden ist: milde Brise, steife Melancholie und ein latenter Grundtenor: das Leben aus der Sicht einer Trauerweide.

Da murmelt die sanfte Stimme in der Melodie des einsamen Cowboys einen Kommentar zum Whisky am Tresen, und dort verschwindet die Ex hinter dem Horizont. An anderer Stelle erinnert sich ein Erzähler mit großväterlicher Sentimentalität an die Zeit, in welcher das fiktive Gegenüber noch nicht geboren war. Es sind die ausgetretenen Geschichten eines scheinbar berufenen Melancholikers, dem die Stimmung auf das Kreativzentrum geschlagen ist. Die Songs von "The brag & cuss" bleiben trübe Gewässer, die eine leidlich zurückgelehnte Stimmung transportieren.

Natürlich ist nicht alles matt, was Grünspan ansetzt. So hat Votolato einige wirklich tolle Momente auf seiner Platte verstreut. Zum Beispiel das sumpfige, erdige Gitarrensolo am Ende von "The old Holland" oder auch die scheue Mundharmonika, die das Album auf die ersehnte Endlosrille zum Auslaufen schickt. Es bleiben ansprechende Arrangements, es bleiben schöne Rhythmusmotive, und es bleibt das nölende und aufgesetzte Leiden von Rocky Votolato, das ihm keiner mehr so recht abnimmt. Glücklicherweise weiß Ryan Adams davon kein Lied zu singen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The old Holland

Tracklist

  1. Lilly white
  2. Postcard from Kentucky
  3. Before you were born
  4. The wrong side of Reno
  5. Red dragon wishes
  6. The blue rose
  7. Your darkest eyes
  8. Time is a dept
  9. Whiskey straight
  10. The old Holland
  11. Silver trees

Gesamtspielzeit: 37:28 min.

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