American Music Club - The golden age

American Music Club- The golden age

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 01.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fort Knacks

Es war schon ein tolles Trübsal, welches der American Music Club nach langer Auszeit auf "Love songs for patriots" blies. Das ist auch schon wieder vier Jahre her, in denen genug Zeit für Knatsch war. Nach zwei spontanen Rausschmissen hat Mark Eitzel lediglich noch Gitarrist Vudy von der Originalbesetzung an Bord. Und doch sind die Tränen getrocknet. Wo sich angemessene Verzweiflung einst mit tröstlicher Romantik, mit befreiendem Zorn oder wenigstens mit angefressenem Zynismus zur Wehr setzte, traut sich "The golden age" so etwas wie ein wohlwollendes Arrangement mit den Umständen. Potzblitz!

Gleich zu Beginn säuselt Eitzel hoffnungsvoll "All my love" und nutzt dieses elementare Wohlgefühl zur Selbstvergewisserung: Mindestens dafür muss das Leben doch gut sein. Danach kuscheln sich auch "Decibels and the little pills" und "The sleeping beauty" an die Gitarren heran. Die sind häufig weich genug, um sich auch mal daran ausheulen zu können. Denn natürlich ist auch auf "The golden age" stets mit dem Schlimmsten zu rechnen: "Holding hands, bright new friends / Names are only good for grave stones."

Dass der American Music Club bislang noch nicht derart sanft daherkam, merkt natürlich auch Eitzel. Und wehrt sich dagegen mit dem kreischenden Gitarrenfeedback von "Windows of the world" oder anderen gebrochenen Harmonien. Zu anschmiegsam soll diese Musik gar nicht sein. Der tragische Folk von "The stars" kratzt sich die Oberflächen rau, und das balzende "The dance" zerfranst plötzlich mit blankem Entsetzen über eine ungesicherte Waffe. Das Leben hinterlässt offene Wunden. "No one could love the way she could love / With the blind purity of a honey bee / Oh, but now that sweetness is like a mistake I grieve / Becomes a prison I don't want to leave."

Trotz all dem lässt sich Eitzels Gesang auf "The golden age" weder Zärtlich- noch Versöhnlichkeit austreiben. Er freut sich an unvermuteten Seelenverwandtschaften, die keine Zukunft haben und sich doch wohlig anfühlen. Er findet Worte für die einsamen Schicksale, die sich von der gesellschaftliche Kälte nicht anstecken lassen wollen. Selbst die Abrechnung "All the lost souls welcome you to San Francisco" besitzt ein paar entwaffnend höfliche Trompeten. Und wenn doch noch einmal wie in "I know that's not really you" die Wut hoch kocht, verschüttet Eitzel reichlich Rotwein über Vudys Akkordeon, einen heruntergekommenen Chor und ein paar ohnehin schon angetrunkene Bläser. Das ist seine Idee von Wohlklang - mit Beulen, Flecken und Narben.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • All my love
  • The stars
  • Windows of the world
  • I know that's not really you

Tracklist

  1. All my love
  2. The John Berchman victory choir
  3. Decibels and the little pills
  4. The sleeping beauty
  5. The stars
  6. All the lost souls welcome you to San Francisco
  7. Who you are
  8. Windows of the world
  9. One step ahead
  10. The dance
  11. I know that's not really you
  12. On my way
  13. The grand duchess of San Francisco

Gesamtspielzeit: 55:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Garp
2008-07-29 00:05:02 Uhr
Neue Tourdaten:

25.Sep.2008 Karlsruhe, Germany
26.Sep.2008 Dresden, Germany
27.Sep.2008 Wendelstein, Germany

Und was ist mit Norddeutschland? :-(
ano
2008-02-08 19:40:43 Uhr
Lob für die Rezension.
Schäbiger Wurzelsepp
2008-02-07 06:37:09 Uhr
Verglichen mir älteren Alben wirkt the Golden Age saft und kraftlos,Harmonien und Melodien sind zu lieblich und ungefährlich,zudem ist die Scheibe zu glatt produziert.On my way ist mein Favorit, da kommen die alten Psych-Qualitäten wieder durch.Sonst kann der Herr Eitzel das deutlich besser..
Paul Paul
2008-02-06 22:51:30 Uhr
Ja, "The Dance" ist's Highlight.
Leatherface
2008-02-06 21:33:22 Uhr
Tolles Album! 8/10
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