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Stabbing Westward - Stabbing Westward

Stabbing Westward- Stabbing Westward

Koch
VÖ: 18.05.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ruhe nach dem Sturm

Wenn der Lack ab ist und das Make-Up sich in einen konturlosen dickflüssigen Brei verwandelt hat, liegt die Seele frei und offenbart, was im Verborgenen schlummerte. Die Fassade war bei Stabbing Westward der wohldosierte Lärm, den die Band drei Alben lang in ihrem eigenen Dunstfeld aus Industrial, Gothic und klassischer Rockmusik kultivierten, das sich nun auf einen Schlag urknallartig in Luft auflöst. Danach ist nichts mehr, wie es vorher war, und statt bedeckter Lügen erzählen Stabbing Westward nichts als die nackte Wahrheit. Schweren Herzens sagen sie dem polternden Krach Lebewohl und bringen das Blut in ihren Adern mit der puren Macht der Emotionen zum Gefrieren. Im Westen was Neues.

Doch was ein Jünger der Dunkelheit ist, kann bis in alle Ewigkeit nicht aus seiner Haut. So kann es nicht überraschen, daß bei Stabbing Westward inzwischen keineswegs eitel Sonnenschein herrscht und die Nacht weiterhin ihre Flügel ausgebreitet läßt. Erreichte die Stimmung auf dem Vorgänger "Darkest days" resignierend mit den Worten "I cannot save you / I can't even save myself" ihren Tiefpunkt, eröffnen die Zeilen "Each night I feel the distance that has grown between us" das neue Album kaum weniger desillusioniert. Todessehnsucht und Selbstmordgelüste stehen noch immer an der Tagesordnung, nur ist das Ventil ein anderes. Bittersüße Balladen wie "I remember" oder "Happy" können ein Herz aus Stein in tausend Stücke zersprengen, während die wenigen härteren Songs wie "So far away" oder "Wasted" Wut und Selbstzweifel nach Innen entladen anstatt sie in die schwüle Finsternis zu brüllen.

Wer es schafft, sich über die mangelnde Tiefe mancher Stücke hinwegzuhören und einfach nur fallen zu lassen, erhält für eine unglückliche Sommernacht voller Selbstmitleid von Stabbing Westward die perfekte musikalische Untermalung. Und auch wenn Stabbing Westward weder den Kopf in die Schlinge stecken noch dies irgendwann vorhaben, knüpfen sie zehn Songs lang genüßlich an ihrem eigenen Strick. Am Ende nimmt die unsichere Frage "Are we lost in a world where no one cares? Is anyone alive?" den letzten Atemzug, und die Existenz ist mehr Schein als Sein. Die Seele ist tot, doch das Herz schlägt weiter.

(Armin Linder)

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Highlights

  • I remember
  • Angel

Tracklist

  1. So far away
  2. Perfect
  3. I remember
  4. Wasted
  5. Happy
  6. The only thing
  7. Angel
  8. Breathe you in
  9. High
  10. Television

Gesamtspielzeit: 44:39 min.

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