Jack Johnson - Sleep through the static

Jack Johnson- Sleep through the static

Brushfire / Universal
VÖ: 01.02.2008

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Widrige Winde

Jack Johnson hat so viel Glück, dass selbst sein Unglück für normalsterbliche Menschen noch wie der Himmel auf Erden aussehen muss. Jetzt gerade durchlebt er zum Beispiel einen mittelschweren Medienbacklash - offenbar hat die Presse langsam genug von seinem ewig sonnigen Gemüt, seiner unzerstörbaren Zuversicht und den Auswirkungen, die das alles auf seine Musik hat. Aber die Sache mit Johnson ist ja: Der Typ ist an widriges Wetter gewöhnt. Erst wenn er ordentlichen Gegenwind hat, kann er richtig aufblühen. Wenn nun also vermehrt kritische Stimmen wegen seiner Musik laut werden, sollte das einfach von ihm abprallen, so wie alles andere auch einfach von ihm abprallt. Johnson weiß wohl selbst, dass die Dinge längst in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zueinander stehen.

Genauso wie es völlig übertrieben war, dass er vor zwei Jahren zum neuen Jedermanns-Songwriter für alle Bevölkerungsschichten hochgejazzt wurde, scheint jetzt auch übertrieben, dass sich niemand mehr daran erinnern will und Johnsons Musik von oben herab als inhaltsleerer Wohlfühlpop belächelt wird. "Sleep through the static" ist da Beweisstück genug - es ist nichts Außerordentliches, Spektakuläres oder Aufrüttelndes an diesem Album. Es bietet aber genauso wenig irgendwelche Angriffsflächen, macht nichts so furchtbar falsch, dass man die nötige Energie aufbringen wollte, um es zu hassen. Auch Johnsons vierte Platte will wieder einfach nur da sein. Sie schafft das, ohne im Weg zu stehen.

Dazu die Eckdaten: Es gibt jetzt mehr E-Gitarre, aber Johnson behandelt sie genauso wie seine akustische, sanft und bedächtig, als streiche er einem kleinen Kind die Haare aus dem Gesicht. An den Rändern der Songs probiert er weiterhin mit Akkordeon, Klarinette und anderem Spielzeug herum, ohne es tatsächlich in seine Lieder hineinzulassen. Das hoppelnde Klavier von "In between dreams" feiert seinen großen Auftritt diesmal im funky vertändelten "If I had eyes". Und die Texte bleiben alltagsweise Nichtigkeiten zu Liebe, Krieg und Temperaturstürzen im menschlichen Miteinander. Johnson singt das alles mit entwaffnender Einfachheit - man wollte ihm fast so etwas wie Bauernschläue unterstellen, wenn das nicht schon wieder irgendeine ethnische Minderheit beleidigen würde.

Problematisch ist also nicht, dass Johnson manchmal so Heimatfilmkitsch wie "We share the same soul / Oh oh oh oh" herausrutscht. Es stört doch eher, dass zu den 43 Songs seiner ersten drei Platten weitere 14 hinzukommen, die sich nur unwesentlich von dem weg bewegen, was er bisher getan hat und häufig mehr Zeit brauchen, als sie eigentlich haben. "Angel" zeichnet zur Schrumm-Schrumm-Gitarre die inneren Werte der Weiblichkeit mit Fineliner nach. "Hope" bringt sich am vorsichtig beschleunigten Piano als Hohepriester der Zweisamkeit in Position. Und im regelrecht aufgebrachten "They do, they don't" darf die Gitarre sogar mit konsumkritischen Randbemerkungen verschwimmen. Selbst nach einer weitgehend redundanten Jack-Johnson-Platte gilt deshalb: Es ist nicht er, der nervt. Es sind die VWL-Studenten, die ihren Freundinnen seine Alben kaufen und sich dabei auch noch romantisch vorkommen.

(Daniel Gerhardt)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Hope
  • If I had eyes
  • They do, they don't

Tracklist

  1. All at once
  2. Sleep through the static
  3. Hope
  4. Angel
  5. Enemy
  6. If I had eyes
  7. Same girl
  8. What you thought you need
  9. Adrift
  10. Go on
  11. They do, they don't
  12. While we wait
  13. Monsoon
  14. Losing keys

Gesamtspielzeit: 51:22 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Peechee
2008-02-13 21:46:36 Uhr
@Tama genau das will ich damit sagen. Gefällt mir einfach besser als On and On und In Between Dreams, die meiner Meinung nach nicht mit Brushfire Fairytales mithalten konnten, obwohl sie es versuchten.
Armin
2008-02-13 17:28:08 Uhr
Jack Johnson | Mit "Sleep Through The Static" bester digitaler Album-Verkaufsstart aller Zeiten!










Sein mit Spannung erwartetes neues Album "Sleep Through The Static" hat diese Woche direkt Platz #2 der Media Control Album Charts erobert und brach im digitalen Verkaufssektor alle Rekorde! Kein anderes Album hat je in Deutschland zum Verkaufsstart digital so viele Einheiten verkauft, wie der neue Longplayer von Jack Johnson! Üblich ist ein digitaler Anteil von 3-4 % der Gesamtverkäufe, doch "Sleep Through The Static" setzte mit über 20% in digitalen Verkäufen eine neue Bestmarke.

Auch in den USA holte sich Jack Johnson einen digitalen Rekord: Mit knapp 140.000 verkauften Alben in einer Woche ist "Sleep Through The Static" das erfolgreichste Album, das über iTunes erhältlich war. Man kann also nicht mehr von "Trend zum digitalen Verkauf" sprechen, sondern verstärkt auf die Zukunft dieses Sektors verweisen. Jack Johnson hat einen ersten Rekord gesetzt - es werden sich weitere folgen.

Deaf
2008-02-13 10:17:50 Uhr
Kenne nur die ersten zwei Platten, und das reicht wohl auch.
Tama
2008-02-13 09:16:36 Uhr
Hö? Im Leben nicht... willst Du behaupten, dass diese Platte besser ist als "On and On" oder "In Between Dreams"? Also das kann ich nicht verstehen...
Peechee
2008-02-12 22:53:16 Uhr
Beste Platte nach Brushfire Fairytales von JJ
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum