Jonny Greenwood - There will be blood

Jonny Greenwood- There will be blood

Nonesuch / Warner
VÖ: 01.02.2008

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Halliburton Hausorchester

Wer in Europa lebt und davon absieht, seinen Internetbrowser auf verbotene Seiten zu steuern, weiß bisher nicht viel über Paul Thomas Andersons fünften Spielfilm "There will be blood": Kinostart 14. Februar, acht Oscarnominierungen, die Geschichte eines Menschen fressenden Gold- und Ölsuchers und, da reicht schon der Trailer, Daniel Day-Lewis mal wieder mit einer Vorstellung, die jede Kinoleinwand zusammenfaltet. Die Musik dazu hat Radioheads Allzweckwaffe Jonny Greenwood geschrieben - warum sollte er auch nicht, wo doch längst bewiesen ist, dass es nichts gibt, was er nicht mit einem Instrument anstellen könnte? In seiner Band wurde er zum Stil prägenden Gitarristen der Neunziger, schmiss das dann alles hin, quasi, und erfand sich ab "Kid A" als Elektroniker, Sample-König und Streicherarrangeur neu.

Durch die letzte dieser Superkräfte wurde vermutlich auch die BBC auf den 36-Jährigen aufmerksam. Greenwood bekam einen Dreijahresvertrag als Composer-in-Residence, durfte fortan das hauseigene Orchester piesacken und komponierte den 15-Minuten-Wahnsinn "Popcorn superhet receiver", von dem sich auch einige Bausteine im "There will be blood"-Score wieder finden. Eine mögliche Oscarnominierung hat sich Greenwood damit zwar verhagelt - von den elf tiefschwarzen, erst untröstlichen, dann bedrohlich dröhnenden Stücken, die er hier geschrieben hat, könnte diese Randnotiz aber gar nicht weiter entfernt stehen. Nach dem eklektischen Elektro-Ansatz seiner ersten Soundtrackarbeit "Bodysong" ist "There will be blood" nun klassische Musik ohne popkulturelle Rückversicherung. Das Wesentliche und die Wahrheit aus Violine, Viola, Cello, Klavier und Percussion.

Weil Musik schon immer viel Platz in Andersons Filmen beansprucht hat - vor neun Jahren ließ er in seinem bisherigen Meisterstück "Magnolia" sogar sein ganzes Ensemble in einen Aimee-Mann-Song einstimmen -, bleibt abzuwarten, wie und in welcher Funktion sich Greenwoods minimalistische Entwürfe in "There will be blood" einfügen werden. Auf sich allein gestellt brauchen die Stücke aber niemanden zu fürchten. "Open spaces" verschafft sich aus prominenter Position den ersten Überblick und legt eine Erhabenheit dieser Musik offen, von der bereits das angeschlossene "Future markets" nichts mehr wissen will. Es scheint fast ein bisschen herumzudrucksen, überspielt letztlich aber nur eine alles bestimmende Nervosität, die immer wieder unter der Oberfläche des Albums hervor kriecht. Creepy, mit Verlaub.

Schuld ist natürlich das ständige Pendeln von "There will be blood" zwischen Unheil verkündenden und Unheil bringenden Stücken, aus dem sich schnell die Gewissheit eines Endes mit Schrecken ergibt, das schon in Film- und Soundtrackname vorweggenommen wird. Kontrollierteren Stücken wie "Oil" und "Prospectors quartet" reichen da kurze Andeutungen. Greenwood kann es aber auch expliziter und knackiger: Sein Titelstück erhebt sich zur nervenaufreibend rauschenden Zwei-Minuten-Übung, und "Proven lands" braucht noch weniger Zeit für die Entwicklung seiner ganz eigenen, vom Rhythmus getriebenen Kriegsmusik. Noch das letzte bisschen Lebensfreude sollen Anderson und Day-Lewis aus ihrer Charakterstudie eliminiert haben. Was Greenwoods zugehörigen Soundtrack angeht, sind sie da schon mal auf der sicheren Seite. Blood for oil, indeed.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Future markets
  • There will be blood
  • Proven lands
  • Prospectors quartet

Tracklist

  1. Open spaces
  2. Future markets
  3. Prospectors arrive
  4. Eat him by his own light
  5. Henry Plainview
  6. There will be blood
  7. Oil
  8. Proven lands
  9. HW/Hope of new fields
  10. Stranded the line
  11. Prospectors quartet

Gesamtspielzeit: 32:58 min.

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