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Winds Of Plague - Decimate the weak

Winds Of Plague- Decimate the weak

Century Media / EMI
VÖ: 25.01.2008

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Reise nach Jerusalem

Kennt ihr bestimmt, oder? Das Spiel, bei dem man um die Stühle tanzt (deswegen nicht umsonst auch oft "Stuhltanz" genannt), und wenn die Musik ausgeht, muss man sich schnell einen Sitzplatz schnappen. Der Clou: Es gibt immer einen Stuhl weniger als Teilnehmer. Ich schied immer aus, weil ich bei dem Musikstopp immer genau zwischen zwei Stühlen stand – recht oder links jetzt? Ah, verdammt, beide mittlerweile besetzt. Raus und ausgeschieden. Und tschüss!

Zum Glück lief damals bei diesem Spielchen nie Winds Of Plague. Nicht wegen der Aggression der Musik und weil deswegen die Stühle zum kollektiven Vermöbelungsgegenstand umfunktioniert worden wären. Nein, das ginge ja noch und hätte sicher auch seinen gewissen Reiz gehabt. Winds Of Plague wären vielmehr selbst ausgeschieden, ihrer Entscheidungsunfreudigkeit sei Dank. Reiner Metal oder doch reiner Hardcore? Sie wissen es selbst nicht so genau. Zu lange gezögert, andere haben in der Zwischenzeit längst beide Plätze besetzt. Raus! Auch ausgeschieden!

Doch es ist nur ein Spiel, und wir sind doch alle gute Verlierer, die Band inklusive. Winds Of Plague haben zwar öfters das Nachsehen gegenüber den jungen wilden Abräumern um Suicide Silence, Animosity oder All Shall Perish - vor allem kommerziell gesehen, nicht in Sachen Qualität - haben dafür im Gegenzug aber das Glück, nicht ebenso austauschbar zu sein. "Decimate the weak" ist nun einmal ein gewagter Spagat zwischen tiefstampfendem Metal und der oftmals dem Hardcore entspringenden Stimme von Sänger Jonathan Cooke. Genau das ist der Reiz. Selbst die Keyboards und Gitarrensoli fügen sich erstaunlich gut in die dunkle Atmosphäre des Albums ein, ohne dabei theatralisch zu klingen, das wäre dann ja auch eher das Spezialgebiet von Children Of Bodom.

Es ist also wahrlich keine Schande, zwischen den Stühlen zu tanzen und sich nicht so recht entscheiden zu können. Winds Of Plague wollen das sogar bewusst nicht. Das ist zwar nicht der leichteste Weg, hat aber Charakter und auch Charme. "Decimate the weak" offenbart jedoch zum Ende hin das Problem: Man will auf jeder Hochzeit dabei sein, dort von jedem Kuchen naschen und jedes Gellschaftsspiel gewinnen. Einen Versuch ist es wert, aber da müssen Winds Of Plague noch den richtigen Mittelweg finden, sonst sitzen sie, wenn die Musik ausgeht, auf dem nackten Arsch. Ohne Stuhl. Und das sieht doof aus. Und raus wären sie obendrein.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Anthems of apocalypse
  • Origins and endings

Tracklist

  1. A cold day in hell
  2. Anthems of apocalypse
  3. The impaler
  4. Decimate the weak
  5. Origins and endings
  6. Angels of debauchery
  7. Reloaded
  8. Unbreakable
  9. One body too many
  10. Legions

Gesamtspielzeit: 36:50 min.

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