Bran Van 3000 - Discosis

Bran Van 3000- Discosis

Grand Royal / Labels / Virgin
VÖ: 28.05.2001

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ein Tape geht um die Welt

"What the hell am I doing drinking in L.A.?" fragte es 1997 aus allen Boxen, denen nach sommerlichen Beats verlangte. Ein milchgesichtiger Kanadier namens James Di Salvio hatte sich mit zwanzig Mitmusikern ins Studio verkrochen, und gezeigt, daß HipHop, Soul, Techno, Rock und Country immer dann bestens zusammenpassen, wenn man seine Zuhörer zum Tanzen verleiten will. Im anarchischen Umgang mit Stilen, Samples und der Musik im allgemeinen kam einem immer wieder Becks Meisterwerk "Odelay" in den Sinn. "Glee" hieß das Album und Bran Van 3000 war ein Name, den man sich merken mußte.

Verschroben wie die pickeligen Teenager, die mit ihrer Plattenkiste unter dem Arm vor der Stereoanlage sitzen und nach der perfekten Musikmischung für ihre Angebetete suchen, geriet auch "Discosis". Mit seinem zweiten Streich stellt Di Salvio eine weitere Stufe seines ultimativen Mixtapes vor. Waren es auf "Glee" noch Freunde und Bekannte, schaffte er jetzt neben Dutzenden verquerer Ideen auch große Namen im Familienpack ins Studio. Die Bandbreite, die er dabei abdeckt, folgt dabei nur einem Konzept: keine Grenzen. Neben HipHop- und Dancehall-Größen wie Big Daddy Kane und Eek-A-Mouse gewann er auch den schottischen Indie-Popper Momus, Peter Gabriels senegalesischen Intimus Youssou N'Dour und den pakistanischen Qawwali-Sänger Badar Ali Khan für die Mitarbeit.

Als größter Glücksgriff erwies sich aber ein Besuch beim inzwischen von uns gegangenen Curtis Mayfield, der - rein zufällig - noch ein altes, unveröffentlichtes Schnipselchen übrig hatte. Mit zartem Streicher-Schmelz, einer aufsehenerregenden Hookline und einem Groove, für den Daft Punk töten würden, gelang Di Salvio "Astounded". Dieser Song schillert in allen Regenbogenfarben, bis er plötzlich Haken schlägt, einen Ausflug nach Jamaika macht und mit Latino-Rhythmen flirtet, ohne den roten Faden aus den Augen zu verlieren.

Von solchen Überraschungen wimmelt es auf "Discosis". Den farbenprächtige Arrangements scheint nichts außer der unbedingten Tanzbarkeit heilig. Auch die Texte nehmen kein Blatt vor dem Mund. Da wird mal von der Schwierigkeit des Grünseins aus der Perspektive eines gewissen Kermit erzählt. Dann wieder geht es um die Segnungen von pornographischen Webseiten, die Freuden des Shoppings, um Möchtegern-Rockstars und gar um obskure Verschwörungen. Das ist nicht nur stets augenzwinkernd, sondern zumeist zum Schreien komisch. Zwischen alledem versteckt Di Salvio glitzernde Melodien en masse. Wenn die weichen Stimmen von Jayne Hill und Sara Johnston erklingen, fließt der Pop solange aus allen Beats und Breaks, bis eine Einsicht deutlich wird: Anarchie ist machbar, Herr Nachbar.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Astounded (feat. Curtis Mayfield)
  • Montreal (feat. Youssou N'Dour)
  • Discosis (feat. Dimitri from Paris and Big Daddy Kane)
  • Loaded (feat. Big Daddy Kane)

Tracklist

  1. Astounded (feat. Curtis Mayfield)
  2. Loop me
  3. Montreal (feat. Youssou N'Dour)
  4. BV3
  5. Discosis (feat. Dimitri from Paris and Big Daddy Kane)
  6. Go shoppin' (feat. Eek-A-Mouse)
  7. More shoppin' (feat. Momus)
  8. Jean Leloup's dirty talk
  9. Loaded (feat. Big Daddy Kane)
  10. Speed
  11. Predictable
  12. Senegal (feat. Youssou N'Dour)
  13. Dare I say
  14. Love cliché
  15. Stepchild (feat. Badar Ali Khan)
  16. Rock star

Gesamtspielzeit: 55:01 min.

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  • Bran Van 3000 (10 Beiträge / Letzter am 07.07.2010 - 14:36 Uhr)