Blind - Blind

Blind- Blind

Virgin / EMI
VÖ: 25.01.2008

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Nulläugige

Kennste den schon? Warum gehen alle Emos immer um kurz vor elf aus der Disco? Na, ganz einfach, weil dann Happy Hour ist. Lach, lach. Man mag ja gegen diesen Stil sagen was man will, aber im Musikzirkus hat wohl schon seit langem nichts mehr eine derart breite Wirkung losgetreten wie der leidliche Emo, eigene Witzsparte inklusive. Zwar findet sich kaum jemand, der über die Anfänge des Ganzen berichten kann, aber ein entsprechendes Haarreifchen schillert derzeit trotzdem in den meisten Frisuren. So auch das Erscheinungsbild der Koblenzer Band Blind. Hier schimmern zwar vornehmlich düsterer Kajal und Nagellack, aber die Optik entpuppt sich sowieso mehr als Mogelpackung. Die Kombo prescht nämlich schon seit gut einem Jahrzehnt in die Saiten, war also schon lange vor dem Hype aktiv.

Auch musikalisch mag das Etikett nur bedingt passen. Durchaus wütend, schon auch grüblerisch, aber vor allem straight nach vorne drückt die Musik des Vierers. Spontan weiß das mitunter sogar zu gefallen: Stimmige Songs, und auch das Siegel der jahrelangen Ochsentourerei durch örtliche Jugendzentren scheinen gegeben zu sein. "Jesus only knows" schreit nach wildem Pogo mit der Baggypantcrew, "Love is gone" entpuppt sich als catchy Alternativerocker, und die Scream-Einlagen in der Piano-umfluteten Single "Break away" mögen manch versteckte Aggression befreien. Dass die Stimme von Sänger Steve Joachim dazu tendiert dem Organ eines trotzigen Rotzlöffels zu ähneln - geschenkt. Schlimm wird es erst, wenn sich das schmachtende Pathos bemerkbar macht, das über jedem der Lieder schwebt.

Ergriffen jault "You" zum Monde, verkitscht verzettelt sich "Today I break loose" in seichter Radiogeschmeidigkeit oder tastet sich "Every you every me" in die Untiefen balladesken Herzschmerzes. Alles aufs Feinste poliert, was die Töne aber nur umso schneller wieder aus dem Kopf herausbefördert. Besser so, wer weiß, was sie sonst da drinnen anrichten könnten - vor allem, wenn einige der Textfetzen hängen blieben? Zum einen scheint der größte Teil der Worte wenig innovativ aus dem Fundus bekannter englischsprachiger Songs zusammengeklaut zu sein. Und zum anderen lassen Ausbruchsgedanken mit Textzeilen wie "I love my car / Even though it's so middle class" vermuten, dass die Urheber mit solchen Vehikeln noch bestens bedient sind. Aber wer weiß, etwas mehr Kajal noch, und vielleicht ist der teure Benz schon in Kürze erschwinglich.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Jesus only knows
  • Love is gone

Tracklist

  1. Jesus only knows
  2. Break away
  3. We can stay
  4. Save me now
  5. You
  6. People
  7. Today I break loose
  8. Love is gone
  9. Triple X
  10. Ordinary day
  11. Every you every me
  12. These are the days
  13. Wake me up

Gesamtspielzeit: 45:44 min.

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