Soundtrack - Control

Soundtrack- Control

Warner
VÖ: 11.01.2008

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Sterben des Ian

Die Zerbrechlichkeit seiner Musik und ihr Wille zur unbedingten, kalten, schonungslosen Wahrheit haben immer auch der Person Ian Curtis angehaftet. Die Welt von Joy Division, durchdrungen von Verzweiflung, Isolation und brachialer Gewalt, schwemmt die Tragik des Lebens an die Oberfläche und erzählt vom Schwarz und Weiß der menschlichen Existenz. Von den Wegen des Lebens, die sich für Curtis am 18. Mai 1980 mit einem Strick um den Hals im eigenen Haus in Manchester als Sackgasse erwiesen.

Einige Stationen des zerrissenen Lebens von Curtis greift nun das Biopic "Control" auf, welches die Glanzlosigkeit der Baracken Manchesters der 70er Jahre einfängt, die Sucht zur Offenbarung in der Musik thematisiert und die Isolation des Sängers im eigenen Körper verbildlicht. Ein scheinbar zum Scheitern verurteiltes Vorhaben von Regie-Frischling Anton Corbijn, bekennender Joy-Division-Fan, der einst all die unvergessenen und charakteristischen Bilder der Band in schwarz und weiß schoss. Dass dieser Film entgegen aller Befürchtungen ein scheinbar überwältigendes Erlebnis geworden sein soll, ist der Vorfreude erster Teil. Dass der zugehörige Soundtrack vielmehr als eine visuelle Untermalung ist, ist der zweite.

Neben den gesetzten Joy Division haben allerhand Legenden das Vergnügen des Vertretenseins: The Velvet Underground, Kraftwerk, David Bowie, Roxy Music, The Sex Pistols, The Buzzcocks und Iggy Pop. Auch die Killers gibt es in Übergröße zu bestaunen, genauso wie die einst aus den Trümmern von Joy Division hervorgegangene Band New Order, welche mit drei bisher unveröffentlichten instrumentellen Songs vertreten ist. So braucht man nicht viele Worte, um den von Beklemmung durchsetzten Soundtrack zu beschreiben, der im Konglomerat aus der sterilen Symphonie "Autobahn" von Kraftwerk, dem wunderschönen und ebenso intimen "Atmosphere" (Joy Division) und den elegischen Soundmalereien in "Warszawa" (David Bowie) seinen Höhepunkt findet.

Selbstverständlich gibt es das bittersüße "Love will tear us apart" in einer soundtechnisch aufgemotzten Version zu betanzen und das erhellende "2HB" von Roxy Music als psychedelischen Lichtblick obendrauf. Als selten gehörte und fast vergessene Perlen scharen sich "She was naked" (Supersisters), "Boredom (Live at the Roxy)" (The Buzzcocks) und "Problems (Live)" (The Sex Pistols) in der Raritätenecke zusammen. "Conrtrol" bietet also einen Soundtrack zum Schreien auf, zum selbstvergessenen, epileptischem Gezappel und zu all den Ausweglosigkeiten des Lebens eines Wahrheitssuchenden. Vielleicht würde da sogar Ian Curtis mal lächeln.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • What goes on (The Velvet Underground)
  • Autobahn (Kraftwerk)
  • Atmosphere (Joy Division)
  • Warszawa (David Bowie)

Tracklist

  1. Exit (New Order)
  2. What goes on (The Velvet Underground)
  3. Shadowplay (The Killers)
  4. Boredom (Live at the Roxy) (The Buzzcocks)
  5. Dead souls (Joy Division)
  6. She was naked (Supersister)
  7. Sister midnight (Iggy Pop)
  8. Love will tear us apart (Joy Division)
  9. Problems (Live) (The Sex Pistols)
  10. Hypnosis (New Order)
  11. Drive in Saturday (David Bowie)
  12. Evidently Chickentown (Live) (John Cooper Clarke)
  13. 2HB (Roxy Music)
  14. Transmission (Cast version) (Joy Division)
  15. Autobahn (Kraftwerk)
  16. Atmosphere (Joy Division)
  17. Warszawa (David Bowie)
  18. Get out (New Order)

Gesamtspielzeit: 73:42 min.

Referenzen

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