Forget Cassettes - Salt

Forget Cassettes- Salt

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 23.02.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Brandgefahr

Dass wir Forget Cassettes bei ihrer Deutschlandveröffentlichung im Februar sträflich missachtet haben, liegt nicht daran, dass der Rezensent seine Promo in Form einer Kassette bekommen hatte. Und bevor sich das Phrasenschwein gleich selbst aufspießt, lassen wir die Entschuldigungen lieber sein und legen euch wärmstens dieses Trio aus Nashville, Tennessee ans Herz, welches mit seinem Album "Salt" nichts weniger vermag, als langfristig den berühmten kleinen Heißhunger auf "so richtig scheppernden Gitarrenrock mit derben Melodien und Mitnickschlagzeug, so richtig fett halt", zu stillen.

Und wem das jetzt zu platt war, der soll sich trotzdem nicht abwenden, denn Forget Cassettes sind mehr, als nur eine kleine Zwischenmahlzeit. Das haben auch ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead erkannt, die die Band auf ihrer gesamten Europa-Tour haben eröffnen lassen und ihr später dann den Drummer abluchsten. Beth Cameron ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und stattdessen solche Hits wie "Salt and syncope" gleich doppelt so wütend klingen, woraufhin Drummer Schroeder zumindest für die "Salt"-Aufnahmen zurückkam. Die Frau krakeelt, faucht, keift und spuckt dem Zuhörer rosaroteste Galle ins Gesicht. Im Hintergrund scheppert ein donnerndes Schlagzeug, und ein Riff jagt das andere. Wobei das Trio auch genauso gut verschiedenste Laut-Leise-Spielchen beherrscht, die, wie in "Patience, Beth (Reprise)" unglaublich mitreissend und ekstatisch in eine Art Marsch münden und die Virtuosität der Frontfrau vollends zur Geltung bringen.

Lupenreiner Pop paart sich hier, PJ Harvey nicht ganz unverwandt, mit brillianter Rock-Instrumentierung und zwingt den Hörer, genau wie Cameron selbst, zu Boden. Forget Cassettes trumpfen mit vielerlei auf: Nicht nur, dass sie wirklich gut in die Fußstapfen der noch immer viel zu unbekannten Sleater-Kinney passen, sie entziehen sich dabei dennoch in jedem Song einem Plagiatsvorwurf. Der vielleicht größte Hit des Albums, "“Quiero, quieros" lässt gerade mit Kopfhörern gar keine Chance, die herovrragende Schlagzeugarbeit, die wilden Flüche Camerons, das abwechselnd treibende und donnernde Gitarrengewitter, formen aus heutiger später Sicht einen der Songs 2007 und lassen keinen Zweifel: "Salt" ist ein großes Album.

Und macht seinem Titel alle Ehre. Genau das Richtige für Feinschmecker, wird es nicht bei jedem beim ersten Anlauf zünden könnnen. Zu vertrackt kommen manche Songs wie "Lonely does it" oder "Tabula rasa" daher, um sofort in der Ohrmuschel Platz zu finden. Haben sie sich dort aber erst einmal festgesetzt, kommen sie auch so schnell nicht mehr heraus. Dieses Album verfügt über ein Suchtpotenzial, das nicht alltäglich ist und in der explosiven Mischung der Qualitäten der Band begründet liegt. Aber auch Warnung sei ausgesprochen: Gerade bei Verletzungen und Wunden im inneren Brustbereich ist "Salt" nichts für Weicheier. Könnte brennen.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Quiero, quieres
  • Salt and syncope
  • Patience, Beth (Reprise)

Tracklist

  1. Venison
  2. Quiero, quieres
  3. The catch
  4. Nicholas
  5. My Maraschino
  6. Lonely does it
  7. Patience, Beth (Reprise)
  8. Salt and syncope
  9. Tabula rasa
  10. Sleeper (Bonus track)

Gesamtspielzeit: 53:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
klassic
2017-12-27 18:15:37 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=aksKT-2riNs

Felix H

Postings: 3048

Registriert seit 26.02.2016

2017-12-25 00:11:38 Uhr
Gab noch ein Album namens "O Cursa" danach. Müsste ich mal reinhören. "Salt" ist so ein Exorzismus, Wahnsinn.

alterniemand

Postings: 928

Registriert seit 14.03.2017

2017-12-24 23:55:34 Uhr
Jo, das Album geht immer noch mindestens einmal im Jahr steil. Songs wie Nicholas oder Lonely does it auch in der ein oder anderen Musikrunde öfter.
Ich hab die auch seinerzeit als Trail of dead Vorband kennenlernen dürfen. Leider kam sehr wenig nach

Felix H

Postings: 3048

Registriert seit 26.02.2016

2017-12-24 17:45:28 Uhr
Kennt/hört die eigentlich noch jemand?
Ganz großartige Platte. Mir ist nach über 10 Jahren erst aufgefallen, dass der Bonustrack falsch gelabelt ist. Es ist nicht "Sleeper", sondern "Patience, Beth" (die andere B-Seite von "The Catch", deren "Reprise" ja auch auf dem regulären Album ist).
m.caliban
2008-01-06 13:34:18 Uhr
ja, als Vorband von ...trail of dead waren die sehr gut, will auch das Album.
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