Queensrÿche - Take cover

Queensrÿche- Take cover

Rhino / Warner
VÖ: 16.11.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der durch den Wolf dreht

So richtig hatten's Queensrÿche ja bislang nicht mit Coverversionen. Einzig auf dem "Rage for order"-Album gab es mit "Gonna get close to you" von Dalbello eine Zweitverwertung, und da kennen das Original außerhalb von Dalbellos Heimat Kanada nur Insider unter Insidern. Jetzt also gleich eine ganze Platte, als hätte man Nachholbedarf. Und mal abseits von allem Weihnachts-Geschwafel: Der Zeitpunkt passt, haben Queensrÿche doch momentan einen echten Lauf, wie etwa "Mindcrime at The Moore" eindrucksvoll unter Beweis stellte. Und nach fast 25 Jahren Bandhistorie darf die Truppe dann auch mal machen, worauf sie Bock hat.

Die Songs wurden nämlich nach Bandaussage nicht nach Kalkül ausgewählt, sondern waren das Resultat diverser Proberaum-Jams. Man kann sich das wohl in etwa so vorstellen: "Hey, hört mal hier!" Schraddel, gniedel, frickel. "Cooler Song, schade nur, dass er nicht von uns ist. Aber egal, schmeiß mal das Tape an." Und so fließt "Welcome to the machine" auf Stromgitarre fast so kühl wie aus Pink Floyds Synthesizern, "Almost cut my hair" lehnt sich dermaßen zurück, als hätten die Herren Crosby, Stills, Nash & Young zuvor Geoff Tate die Schere höchstselbst aus der Hand gerissen, und bei "Bullet the blue sky" könnte sich Bono nicht besser auskotzen.

So richtig Würze bekommen die Coverversionen allerdings dann, wenn sich die Herren an völlig Genrefremdem probieren. Riskant, weil man natürlich mit sowas bravourös scheitern kann. Aber "Heaven on their minds" (Jesus Christ Superstar) und "Odissea" des italienischen Opernsängers Carlo Marrale können durchaus überzeugen. Auch wenn letzterer Song durchaus ein Weilchen Eingewöhnung braucht. Im Unterschied zu "Innuendo" allerdings meistert Tate diese durchaus hohe Messlatte. Überhaupt "Innuendo": Wenn selbst ein Ausnahmevokalist wie Geoff Tate auf allerletzter Rille und darüber hinaus singen muss, zeigt sich einmal mehr überdeutlich, welch phänomenaler Sänger Freddie Mercury eigentlich war. Insofern - wenn auch ungewollt - Hommage gelungen. Den Experimenten "Red rain" und "Synchronicity II" kann man dieses Etikett allerdings in der Tat anheften.

Was ist denn nun eine gute Coverversion? Die, die sich eng ans Original hält, die aber Fragen provoziert, warum man dann überhaupt einen Neuaufguss braucht? Oder etwa die, die den Song komplett durch den Wolf dreht? Letzteres gelingt ja nur in Ausnahmefällen, denn allzu oft wird unter der Fahne der Eigenständigkeit der Song komplett verhunzt. Oder man lässt sich von J.B.O., Eläkeläiset oder Mambo Kurt in die Comedy begleiten. Queensrÿche haben sich überwiegend an den Originalen orientiert und fahren damit sehr gut. Viel wichtiger: Zu jeder Zeit spürt man die Spielfreude der Band. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Stimmung auf das Songwriting für das nächste Album auswirkt. Bei Rush hat's ja auch geklappt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Welcome to the machine
  • Red rain
  • Bullet the blue sky

Tracklist

  1. Welcome to the machine
  2. Heaven on their minds
  3. Almost cut my hair
  4. For what it's worth
  5. For the love of money
  6. Innuendo
  7. Neon knights
  8. Synchronicity II
  9. Red rain
  10. Odissea
  11. Bullet the blue sky

Gesamtspielzeit: 55:43 min.

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