Nine Inch Nails - Y34RZ3R0R3M1X3D

Nine Inch Nails- Y34RZ3R0R3M1X3D

Interscope / Universal
VÖ: 30.11.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

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Ein schönes Jubiläum. Mit seiner 25. Veröffentlichung kehrt also nun auch Trent Reznor der Plattenindustrie den Rücken und will künftig alles eigenverantwortlich machen. Oft genug hatte er zum Widerstand gegen seinen Arbeitgeber aufgerufen und sogar den Diebstahl seiner Musik befürwortet. Nach dem brillanten "Year zero", dessen erste Klänge ja sogar auf herumliegenden USB-Sticks gestreut wurden, ist "Y34RZ3R0R3M1X3D" jetzt der letzte Gruß aus der Abhängigkeit und gleichzeitig ein letzter Tritt in die Bilanzen. Denn parallel zum Release von "Y34RZ3R0R3M1X3D" zog Reznor ein Web-Portal hoch, auf dem jeder seine eigenen Mixes hochladen kann und legte gleich noch die verwendeten Tonspuren auf einer Daten-DVD bei. "Year zero" ist jetzt Open Source. Es wäre nicht Nine Inch Nails, wenn es anders wäre.

Hinter dem Zahlen-und-Buchstaben-Gewirr des Titels verbirgt sich übrigens nur eine alberne Leetspeak-Schreibung von "Year zero remixed". So weit, so unspektakulär. Es passiert schließlich schon zum vierten Mal, dass Reznor nach einem Nine-Inch-Nails-Album eine Sammlung von Remixen heraushaut. Meist waren diese noch widerborstiger, verschobener und zerhackter als die oft düsteren Vorlagen. Und zunächst wehrt sich auch "Y34RZ3R0R3M1X3D" nach Kräften: Saul Williams aufgeputschte "Gunshots by computer"-Lesung von "Hyperpower!" keift los, als wäre die Endzeitstory von "Year zero" eine Gute-Nacht-Geschichte. Der scheppernde Eröffnungsdrumgroove war eben so fett, dass Williams ihm den Stachel nicht ziehen wollte. Dadurch klingt der Hyperventilator sogar mehr nach sich selbst als auf der eindrucksvollen Reznor-Produktion "The inevitable rise and liberation of Niggy Tardust". Und weil die beiden so gut miteinander können, zerschleicht Williams auch noch "Survivalism" in der Geisterbahn Überwachungsstaat. Eine kongeniale Fortführung des dystopischen Konzepts von "Year zero".

Das Jahr 2022 scheint zu inspirieren, denn noch nie haben sich mehr namhafte Reglerschieber als dieses Mal am Stück mit Nine Inch Nails befasst: Neben Williams fummelten Stephen Morris und Gillian Gilbert von New Order, Bill Laswell, Bloc-Party-Intimus Paul Epworth alias Phones, die Ladytron-Damen, Olof Dreijer von The Knife, die Saddle-Creek-Elektroniker The Faint, Christian Fennesz und sogar das Kronos Quartet an "Year zero" herum. Letztere entlocken ihrem Streichinstrumentarium so mulmige Klänge, dass "Another version of the truth" noch zwielichtiger wirkt als auf "Year zero". Stefan Goodchild und Doudou N'Diaye Rose trommeln "The warning" in den senegalesischen Regenwald. Und von Pirate Robot Midget, dessen treibender Fan-Remix von "My violent heart" zunächst im Netz auf ninremixes.com auftauchte, war Reznor sogar derart angetan, dass er diese Bearbeitung für sein Album sicherte.

Doch besonders im Vorwärtsgang hat "Y34RZ3R0R3M1X3D" noch mehr zu bieten: Der einstige Pseudo-HipHop von "Capital G" wird im "Epworth Phones 666 revolutions"-Mix ein housiges Pumpen und kennt wie "Meet your master" und "God given" nur noch das Geradeaus. "Me, I'm not" distanziert sich 14 Minuten lang von allem außer dem eigenen Beat. Dafür gerät "The beginning of the end" im "Ladytron J-type overdrive" zum ohrwurmenden Electroclasher, dem das "Closer"-Zitat am Ende trefflich steht. Zur großen Überraschung ist nach und nach die tanzbarste Sammlung von Nine-Inch-Nails-Songs entstanden. Damit war bei der komplexen Vorlage kaum zu rechnen. Und das Beste: Die Widerstandsfähigkeit dieser Songs gegenüber Einmischungen von außen zeigt, wie großartig "Year zero" war. Und ist.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • The beginning of the end (Ladytron J-type overdrive remix)
  • Survivalism (Tardusted by Saul Williams)
  • Capital G (Epworth Phones 666 revolutions)
  • Meet your master (Remix by The Faint)
  • In this twilight (Remix by Fennesz)

Tracklist

  1. Hyperpower! (Gunshots by computer remix by Saul Williams)
  2. The great destroyer (Remix by Modwheelmood)
  3. My violent heart (Remix by Pirate Robot Midget)
  4. The beginning of the end (Ladytron J-type overdrive remix)
  5. Survivalism (Tardusted by Saul Williams)
  6. Capital G (Epworth Phones 666 revolutions)
  7. Vessel (Mix by Bill Laswell)
  8. The warning (Real world remix by Stefan Goodchild feat Doudou N'Diaye Rose)
  9. Meet your master (Remix by The Faint)
  10. God given (Remix by Stephen Morris & Gillian Gilbert)
  11. Me, I'm not (Remix by Olof Dreijer)
  12. Another version of the truth (Remix by Kronos Quartet & Enrique Gonzalez Müller)
  13. In this twilight (Remix by Fennesz)
  14. Zero-sum (Remix by Stephen Morris & Gillian Gilbert)

Gesamtspielzeit: 71:14 min.

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