Crashdïet - The unattractive revolution

Crashdïet- The unattractive revolution

Universal
VÖ: 23.11.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Dïck ïst schïck

Schluss mit dem Diätwahn! Schon viel zu oft lässt sich Otto Normalhörer den aus den Hochglanzmagazinen übernommenen Gesundheitswahn der Musikszene gefallen. Am besten nur Gitarre und Säuselstimme, damit auch ja das Kalorien bewusste Gehör geschont wird. Immer schön Retro und Neo, Hauptsache akustisch schlanke Linie und ohne viel Ballast, damit wir auch morgen noch kraftvoll hinhören können. Nein! Schluss damit! Die Selbstkasteiung um der reduzierten klanglichen Schönheit Willen hat ein Ende. Stattdessen mal wieder alle Regler auf 11 und zackig zum musikalischen Burgertempel, hemmungslos ohne schlechtes Gewissen schlemmen: Crashdïet haben angerichtet.

Ihre Hauptzutat dabei: Fett, Fett, Fett. So wie sich das für amtlichen Sleazerock gehört. Erstaunlich, wie unpeinlich die Band das 2007 extrem anachronistisch anmutende Genre perfekt imitiert: Metalumlaut, Haircrimes, auf die zweistellige Haftstrafen stehen dürften, und der cheesy Band- und Albumname versprechen eigentlich maximales Kopfschütteln. Das ganze Spiel pathetischster Selbstinszenierung - konterkariert nur durch die Tragödie vom Selbstmord des vormaligen Sängers Dave Lepard im Jahr 2006 - lässt den Skeptiker nicht weniger zucken. Vom zutätowierten Nieten-Totenkopf-Handschuh-Kajal-Emo-gone-bad-Look ganz zu schweigen. Soviel Gepose geht ohne vernünftige Musik nun mal nur, wenn man Mötley Crüe heißt.

Weil musikalisch aber wohl doch einiges drin war, griffen letztere in Form von Gitarrist Mick Mars Crashdïet helfend bei zwei Songs unter die verschwitzten Arme. Herausgekommen ist ein Album, dass so sehr auf dicke Spandexhose macht, dass einem die Haare wie den Protagonisten zu Berge stehen; ob mit einem Grinsen oder Abscheu im Gesicht, entschiedet jeder selbst. Abseits von Image und Klischee entpuppen sich aber Songs wie "In the raw" oder "Like a sin" als echte Hardrock- und Hairmetalkracher, die riff- und melodiesicher ihren Weg vom Ohr in die Nackenmuskulatur finden. Zwar zehrt die Platte im Verlauf vom Schwung des ersten Albumdrittels, was sich aber spätestens dann verschmerzen lässt, wenn einem Sänger Olliver Twisted im abschließenden "The buried song" entgegenkreischt, er wäre unser "motherfukkin' reeeeeeeetarrrrrd". Das kriegt man mit normalen Maßstäben einfach nicht mehr korrekt verortet.

Muss man diesen Zirkusrock des Rockzirkus also auch noch witzig anstatt konsequent scheiße finden? Nein. Aber man darf guten Gewissens, weil Crashdïet (ob gewollt oder nicht) die Ironie, die dem Affentanz namens Sleazerock immanent ist, in ihre Musik integrieren. Der Turbonegro-Vergleich zieht an dieser Stelle nur wegen der extremen Kurzweiligkeit und vermutlich geringen Halbwertszeit der Songs nicht. Nichts für stille Stunden, das hier will nicht ständig, dafür aber umso lauter gehört werden. Denn es gibt sie, diese Momente, wie im Gitarrensolo von "Alone", die geballte Faust und Himmel einander näher bringen. Egal, ob dabei die Wampe rausguckt.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Like a sin
  • Alone (feat. Mick Mars)
  • The buried song

Tracklist

  1. In the raw
  2. Like a sin
  3. Falling rain
  4. I don't care (feat. Mick Mars)
  5. Die another day
  6. Alone (feat. Mick Mars)
  7. Thrill me
  8. Overnight
  9. XTC overdrive
  10. Bound to be enslaved
  11. The buried song

Gesamtspielzeit: 43:54 min.