Yeasayer - All hour cymbals

Yeasayer- All hour cymbals

We Are Free / Cargo
VÖ: 16.11.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Weltenbummeln

Zwischen "gewollt" und "gekonnt" klafft mitunter ein tiefer Spalt. Wenn in hüftsteifen Bleichgesichtern plötzlich Interesse am Tellerrandjenseits erwacht und fremde Kulturen spannend werden. Wenn sie sich beinahe schon urafrikanisch wähnen, sobald sie schamanische Tänze und Polyrhythmen gehört haben, diese dann nach dem Ikebana-Kurs in der Volkshochschule holprig nachspielen und dazu auf handgeflochtenen Bastsandalen durch den Klassenraum hüpfen. Auch ist schnell die Grenze zum Ethno-Kitsch geschrammt, wenn Künstler aus Rock- und Popmusik eingeborene Musikkulturen fremder Kontinente für sich entdecken und weltmusikalische Einflüsse in ihre Songs einweben. Das Fremde bleibt oft schmückendes Detail, selten mehr. Aber genug der Provokation. Es gibt schließlich erfrischende Gegenbeispiele. Ein herausragendes ist "All hour cymbals", das Debüt des Brooklyner Quartetts Yeasayer.

Es ist ein erstaunliches, aufregend anderes Album. Mit allen Wassern der Welt gewaschen, haben die Teufelskerle nicht abgekupfert, sondern clever anverwandelt. Wie selbstverständlich verquirlen die vier Multi-Instrumentalisten von Yeasayer ausgeschlafenen Indierock, New Wave und Pop-Appeal mit Tribal-Grooves und afrikanisch geprägten Gitarren-Figuren, flechten psychedelische Synthies, mehrstimmige Chorsätze, Dub-Passagen, osteuropäische Folklore und orientalische Skalen ein. So souverän, als gäbe es ihren Sound schon lange, und als hätten sie ihn nicht erst vor Kurzem selbst erfunden. Yeasayer haben sich um den halben Globus gewildert, aus unzähligen Töpfen genascht und es geschafft, einen ganz eigenen Klang zu entwickeln, in dem sich das Zutaten-Sammelsurium und die munter durcheinander purzelnden Einfälle entspannt und organisch verbinden. Trotzdem strengt "All hour cymbals" nirgends an, wirkt zu keiner Zeit überfrachtet oder aufgesetzt. Fast unscheinbar und auf den ersten Blick unspektakulär. Das Besondere liegt im Zusammenspiel der Details, der Sound und Songs auf dieser Platte zu etwas Besonderem macht.

Über einem reduzierten Geflecht aus ungemein geschmeidigen und tanzenden Basslinien und vertrackten Grooves entspinnen Yeasayer ihre Songs. Lassen Chöre zu Handclaps ins Bild schweben, zwirnen bezwingende Melodiebögen darüber, die sich in den Gehörgängen festkletten - mal aus voller Kehle, mal sanft gesäuselt. Hier blitzen auch die Erfahrungen auf, die die Hälfte der Truppe vorher in einem Barbershop-Ensemble gesammelt hat. Prunkvolle Akkorde springen aus einem Flügel. Ein Schifferklavier darf kurz in Erinnerungen an "Biscaya" von James Last schwelgen, wird aber im nächsten Moment über Bord geworfen - das Stück biegt um neue Ecken. Im Untergrund behaken sich obskure Klangflächen, kratzbürstige Geräusche überlagern sich, verpuffen ins Nichts. Sägende E-Gitarren rotzen Riffs. Flöten zwitschern, Blechbläser bäumen sich auf, ein Saxofon torkelt in Schlangenlinien. Doch fügt sich alles passgenau ein. Elf Monate intensiven Feilens im Studio haben sich gelohnt. Und so haben Yeasayer ein Album geschaffen, das sich wohltuend abhebt und seine ganz eigene Nische gefunden hat, das trotz seiner Komplexität und Vielschichtigkeit angenehm greifbar und eingängig bleibt und auch nach zigfachem Hören noch überrascht. Mancher Kieferchirurg mag sich da freudig die Hände reiben. Hier wird es einige Kinnladen wieder einzurenken geben.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Sunrise
  • Waiting for the summer
  • 2080
  • Wait for the wintertime

Tracklist

  1. Sunrise
  2. Waiting for the summer
  3. 2080
  4. Germs
  5. Ah weir
  6. No need to worry
  7. Forgiveness
  8. Wait for the wintertime
  9. Waves
  10. Worms
  11. Red cave

Gesamtspielzeit: 46:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Walenta
2009-03-24 12:28:44 Uhr
Will ja nicht klugscheßen, aber final path ist kein unveröffentlichter song. zu finden ist er einerseits als b-seite von wait for the summer und andererseits auf der daytrotter session der band.
toller song btw.
oops
2009-03-24 11:30:13 Uhr
kleine Berichtigung: der unveröffentlichte Song, den sie in Zürich gespielt haben (und der mir sehr im Gedächtnis blieb) war Final Path, nicht minder genial.. (war auf ihrer myspace-seite zu hören) ;D
vllt. war Tightrope allerdings auch mit dabei, sie hatten ja einige neue Songs im Set :) gibt's denn schon genaueres zur neuen Scheibe?
Yeah,
2009-03-24 11:16:05 Uhr
war im Juli 08 in Zürich dabei, war ein sehr toller Gig: fesselnd-berauschend! kommen live noch einiges kraftvoller daher, die Kritik am Drummer kann ich nicht nachvollziehen. da ist bei allen vieren so viel Herzblut mit dabei, die ohne Umschweife auf's Publikum rüberschwappt *wow* und nett sind die Jungs, haben gern noch mit den Fans geplaudert und schon damals antönen lassen, das bald was neues kommt :D kennt ihr den Song Tightrope (Dark was the night), den haben sie damals schon live performt und der Nachfolger kann nur gut werden! freu mich auf neues..und ALL HOUR CYMBALS ist absolut großartig..von vorne bis hinten ;p
Piepi
2009-03-24 10:26:54 Uhr
Da irrst du nicht.
napoleon dynamite
2009-03-24 09:31:08 Uhr
ich glaube die sind grade daran den nachfolger zu machen, wenn ich mich nicht irre.
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