Rotor - 3

Rotor- 3

Elektrohasch / Swamp Room
VÖ: 04.12.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schweres Gerät

Eine flirrende Gitarre macht den Einstieg. Doch schon nach 3 Sekunden setzen Bass und Schlagzeug mit einem dumpfen Schlag den ersten Pfosten. Nicht mal eine halbe Minute später steht die Wand bombenfest vor Deinen Ohren. Zugegeben, "Auf's Maul" ist in etwa so filigra,n wie sein Titel vermuten läßt. Tiefer als die Gitarren hängen hier höchstens noch die Eier der Musizierenden. Ein solch ungehobeltes Brett würde im Baumarkt gleich im Retour-Container landen. Bei Rotor aus Berlin hingegen landet es auf prominenter Opener-Position auf dem neuen Album "3". Dort gibt es den Startschuss zu einem der besten Stoner-Rock-Alben, die in diesem Jahr erschienen sind.

Schon der zweite Titel "V-Ger" schlägt einen Haken in eine ganz unvermutete Richtung: Anfang und Schluss dieses Stückes hätten auch Cake zu "Fashion nugget"-Zeiten so oder so ähnlich spielen können, Wahrscheinlich hätte John McCrea nur ein bißchen weniger Verzerrung benutzt. Derart eingerahmt gehen Rotor hier auf den ersten von einer guten Handvoll schmackhafter Trips in die Wunderwelt der härteren Psychedelica. Davor, danach und dabei offenbart vor allem die Rhythmussektion immer wieder einen äußerst unterhaltsamen Hang zu genreuntypischer Leichtigkeit.

Triolen, Walking Basslines und ein irgendwie federleicht wirkender Groove erinnern an Soul und Funk, manchmal gar geht es beinahe jazzig zur Sache. Doch ein unmissverständlicher Sound und tonnenschwere Gitarrenriffs lassen keinen Zweifel aufkommen, in welcher Szene sich die drei Berliner zu Hause fühlen. Allerdings sind all diese Capriolen viel mehr als nur Zierat, der einer mächtigen Dampfwalze ein lustigeres Aussehen verleihen soll. Tatsächlich machen diese Zutaten das schwere Gerät mitunter so leicht, dass es zu fliegen scheint, während es eine tiefe Schneise ins Gehölz schägt.

Und so wechseln sich derbe Nackenbrecher wie "Hart am Wind" mit fein ausbalancierten Reisen in fantastische Abgründe ab, mal pfeilschnell wie bei "Klar Schiff", mal behäbiger wie bei "Kaltstart". Und bei so viel Kurzweil wird dem Hörer vielleicht erst am Ende des Albums bewusst, dass auf dieser Platte niemand singt. Trotzdem ragt das Abschlussstück "Transporter" als vielleicht einzige reinrassige Instrumentalkomposition heraus. Denn eigentlich enthält "3" vor allem Songs ohne Gesang. Und beim zweiten Hördurchgang stellt man fest, dass wirklich überhaupt nichts fehlt. Ein perfekter Kopfkino-Soundtrack. Chapeau.

(Rüdiger Pater)

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Highlights

  • V-Ger
  • Hart am Wind
  • Kaltstart
  • Transporter

Tracklist

  1. Auf's Maul
  2. V-Ger
  3. 3
  4. Hart am Wind
  5. Umkehrschub
  6. Drehsturm
  7. Klar Schiff
  8. Nordend
  9. Kaltstart
  10. Transporter

Gesamtspielzeit: 41:18 min.

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