Various Artists - Live Earth - The concerts for a climate in crisis

Various Artists- Live Earth - The concerts for a climate in crisis

Warner
VÖ: 30.11.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Supernatural

Kleine Zahlenkunde für alle Eventveranstalter: Wer in nächster Zeit mit dem größten Ding ever ins Guinessbuch einzugehen plant, der müsste etwa 150 Künstler und Showschaffende für 24 Stunden Programm machen lassen und dabei die bescheidene Zahl von zwei Milliarden Menschen als Publikum fesseln. Diese Ziffern kann sich nämlich "Live Earth" aufs Visitenkärtchen schreiben, das als wohl größtes Ereignis aller Zeiten den musikalischen Kampf gegen die Klimakatastrophe eröffnete. Am runden 07.07.2007 auf allen sieben Kontinenten, inklusive der ökologisch höchst sensiblen Antarktis, und nun auf Live-CD und Doppel-DVD gebannt.

Denn was auch anderes als Superlative wären der bevorstehenden Gletscherschmelze und Globalerhitzung angemessen? Ob diese nicht durch genau solche "Noch mehr!"-Mentalitäten hervorgerufen werden? Soll dabei ebenso unbeachtet bleiben wie die Frage, ob Rockkonzerte überhaupt politischen Wandel in die Wege leiten können. Denn wenn die ganze Zeigefingeraktion nun sogar vom ewigen Vize Al Gore höchstselbst gehostet wird, dann muss ja was dran sein. Nach seiner verpatzten Präsidentschaftskandidaturen fristet der Gute ja inzwischen eine Friedensnobelpreis-prämierte Wiedergeburt als Umweltmessias. Und wenn dann unter diesen Vorzeichen kollektiv Gutes getan wird, lassen sich auch die promintenten Musikschaffenden nicht zweimal bitten.

Neues gibt es aber leider nur wenig zu hören. Zum Auftakt von Madonna, die mit "Hey you" ein ruhiges Poplied fern ihrer letzten Elektroniksperenzchen beisteuert, und zum Abschluß von everybody's darling Damien Rice, der zusammen mit David Gray das schunklige "Que sera, sera" intoniert. Sonst wartet Altbekanntes wie "Black hole sun" von Ex-Soundgardist Chris Cornell, "Intergalactic" von den Beastie Boys oder "Times like these", bei dem sich Dave Grohl in Laienpredigermanier geriert. Die notorischen Bon Jovi schütteln sich zu "Wanted dead or alive" vom 1986er Klassiker "Slippery when wet", während die wiedervereinten The Police selibges Jahrzehnt im noch älteren "Driven to tears" neu aufleben lassen. Roger Waters dagegen zelebriert ohne Bandkollegen "Another brick in the wall (Part II)". Fast die gleiche Setlist wie beim letzten Schulfest, nur diesmal von den Promis, und nicht der dicklichen Coverband gespielt.

Dass dann neben Linkin Park aber gerade Lenny Kravitz und sein Gassenhauer "Are you gonna go my way" der Scheibe eine leichte Rocknote geben, zeigt, dass die CD ohnehin keine Experimente eingehen will. Bekömmlich-bekanntes Material, den Untiefen des Radio-Nachmittagsprogramms entnommen, aus dem auch die beiden beigelegten DVDs mit Liveaufnahmen und thematisch passenden Kurzfilmen kaum herausragen. Selbst wenn sich da neben Enrique Iglesias und Rihanna mal einer von Taking Back Sunday findet. Ob so das Ziel eines bewussteren Umgangs mit der Umwelt erreicht werden kann? Klar, alle Einnahmen aus dem CD-Verkauf kommen der Sache zugute, aber wenn eine gesundete Natur dann derart glattpoliert klingen sollte, wird mancher sicherlich ein Ätzgase ausstoßendes Mini-Kohlekraftwerk in seinen Vorgarten bauen.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Hey you (Madonna)
  • Suddenly I see (KT Tunstall)

Tracklist

  1. Hey you (Madonna)
  2. Times like these (Foo Fighters)
  3. Driven to tears (The Police)
  4. Gravity (John Mayer)
  5. Another brick in the wall (Part II) (Roger Waters)
  6. Bleed it out (Linkin Park)
  7. Bedshaped (Keane)
  8. Wanted dead or alive (Bon Jovi)
  9. Wisemen (James Blunt)
  10. Black hole sun (Chris Cornell)
  11. Are you gonna go my way (Lenny Kravitz)
  12. Intergalactic (Beastie Boys)
  13. Suddenly I see (KT Tunstall)
  14. Mercy mercy me (The ecology)(Corinne Bailey Rae & John Legend)
  15. Que sera, sera (Damien Rice & David Gray)

Gesamtspielzeit: 55:38 min.

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