Genesis - Live over Europe 2007

Genesis- Live over Europe 2007

Virgin / EMI
VÖ: 23.11.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Turn it on again

Irgendwo war's ja schon klar. Da gehen Genesis nach umpfzig Jahren mal wieder auf Tour, und natürlich muss das ganze für die Daheimgebliebenen (beziehungsweise diejenigen, die Konzertpreise im Monatsgehaltsniveau nicht zu unterstützen bereit sind) mittels Live-CD und im Februar als DVD dokumentiert werden. Man kann ja insbesondere über die Kommerzphase der achtziger Jahre geteilter Meinung sein, aber wenigstens die Live-Pakete waren eigentlich immer durchaus brauchbar.

In diesem Fall dröhnt gleich zu Anfang das ein oder andere Riff. Und das bei eher leichter Kost wie "No son of mine". Respekt. "Land of confusion" scheppert auch ganz ordentlich, und Phil Collins müht sich nach Kräften, den Ton zu halten. Er war ja noch nie ein großer Sänger, aber er ist ein hingebungsvoller Frontmann, der sich auf der Bühne völlig verausgabt. Was ebenfalls selbst auf Ton-Konserve herüberkommt, ist Spielfreude, vor allem bei Keyboarder Tony Banks. Eine Eigenschaft, die man den Herren im gesetzten Alter eigentlich nicht mehr so recht zutrauen wollte. Und wo wir von Sättigung sprechen: Einer der positiven Aspekte dieser Doppel-CD ist die Abwesenheit von Songs von "Calling all stations." Wir erinnern uns: Ein bestenfalls bemühter Ray Wilson kämpfte seinerzeit gegen unfassbar schlechtes Songwriting und das Einschlafen an.

Viel mehr darf gewürdigt werden, dass die Siebziger stärker noch als beim "The way we walk"-Doppelpack von '92/'93 zu ihrem Recht kommen. "In the cage" (auch Collins als Sänger bekommt diesen großartigen Song nicht kaputt), "Afterglow", "Firth of fifth", ja selbst das bislang allerhöchstens in obskuren Bootlegs oder Raritätensammlungen live erlebte "Ripples" vom ersten Album der Post-Gabriel-Ära ist zu hören. Ein schöner Querschnitt durch teil bahnbrechende Alben. Und ähnlich wie The Police haben Genesis nicht den Fehler gemacht, neue Songs schreiben zu wollen. Die im Ernst eh keiner hören wollte.

Also perfekt, Referenz, Meisterwerk? Fast. Denn Phil Collins ließ es sich leider nicht nehmen, sich zu einem Drum-Duett mit Chester Thompson hinter die Kessel zu setzen. Und Collins' vor 35 Jahren noch filigranes Schlagzeugspiel ist leider zu einem eher banalen Bollerdrumming verkommen. Positiv daran ist nur, dass zur Erholung des Frontmanns noch das Instrumental "Los endos" aus der "A trick of the tail"-Kiste hervorgeholt wird. Doch "I know what I like (in your wardrobe)" und das abschließende "Carpet crawlers" dürften auch die Peter-Gabriel-Anhänger wieder versöhnen. Ach ja, ein letzter Gruß an diejenigen, die diese Tour als "Reunion" betitelten: Das wird es erst, wenn auch Peter Gabriel und Steve Hackett wieder mit dabei sind. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • In the cage
  • I know what I like (in your wardrobe)
  • Domino
  • Carpet crawlers

Tracklist

  • CD 1
    1. Duke's intro
    2. Turn it on again
    3. No son of mine
    4. Land of confusion
    5. In the cage / Cinema show / Duke's travels
    6. Afterglow
    7. Hold on my heart
    8. Home by the sea
    9. Follow you follow me
    10. Firth of fifth
    11. I know what I like (in your wardrobe)
  • CD 2
    1. Mama
    2. Ripples
    3. Throwing it all away
    4. Domino
    5. Conversation with 2 stools
    6. Los endos
    7. Tonight tonight tonight
    8. Invisible touch
    9. I can't dance
    10. Carpet crawlers

Gesamtspielzeit: 139:14 min.

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