Soundtrack - Kurt Cobain About a son (Music from the motion picture)

Soundtrack- Kurt Cobain About a son (Music from the motion picture)

Rykodisk / Rough Trade
VÖ: 27.09.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Come as you were

Ohne Zweifel: Kurt Cobain war die prägende Rockgestalt der neunziger Jahre. Bei aller Mystifizierung des Nirvana-Sängers geraten manchmal sogar beinahe seine künstlerischen Leistungen in den Ruf, wegen der grassierenden Legendenbildung nach seinem Tod überschätzt zu werden. Ein Hohn. Aber so geht die Indiegemeinde, zu deren Formierung Cobains Schaffen einst den maßgeblichen Anlass bot, eben mit ihren Ikonen um. Licht ins Dunkel könnte höchstens Cobain selbst bringen, doch der schweigt bekanntlich seit über dreizehn Jahren.

Eine Annäherung an die Person konnte man bislang nur über die kommerziell aufbereiteten Tagebücher oder besser mit Hilfe der exzellenten Bandbiographie "Come as you are: The story of Nirvana" des US-Autors Michael Azzerad versuchen. Über 25 Stunden Tonbandmitschnitte mit Cobains O-Tönen aus Azzerads Recherche zu diesem Buch wurden jetzt Grundlage für einen neuen Film. Nach Gus Van Sants zwiespältiger Zelluloidverklärung "Last days" und dem höchst spekulativen "Kurt & Courtney" könnte das endlich echtes Licht ins Dunkel bringen. Regisseur AJ Schnacks "Kurt Cobain About a son" lässt jedenfalls ausschließlich Cobain zu Wort kommen und versucht sich erst gar nicht an inhaltlicher Interpretation und Umdeutung. Assoziative Bilder von Originalschauplätzen sollen die Wirkung der Worte unterstützen und sich ansonsten nicht weiter einmischen. Und Hollywood muss draußen bleiben.

Es gibt Aussagen wie "I'm so glad that I got into punk rock at the time that I did" oder "At that time, hardcore was probably dead. You know, speed metal was the next thing, but I hated that shit". Damit diese nicht ganz so in der bunten Luft hängen, werden die Worte mit jener Musik geerdet, die Cobain liebte. Aus dieser eigentümlichen Mixtur aus Punk und Pop, Stadionrock und Folk bastelte er sich Songs wie "Smells like teen spirit", "Come as you are" oder "About a girl" zusammen. Dass der angehimmelte Rockneuerer Cobain nämlich vor allem selbst Fan war, der sich gerne inspirieren ließ, kam man dank "Kurt Cobain About a son (Music from the motion picture)" jetzt auch hören.

Es ist reichlich Platz für Brüche und Widerhaken. Hier treffen zwischen ein paar seiner Verlautbarungen die Bad Brains auf Creedence Clearwater Revival, steuert Iggy Pops "The passenger" geradewegs auf den Blues von Lead Belly zu und macht Folkbarde Arlo Guthrie Platz für die Melvins. Half Japanese spielten genau wie die Pixies schon Ende der Achtziger diesen seltsamen Pop, der mit dem Baby und der Dollarnote auf dem Cover ein paar Jahre später die Musikwelt verändern sollte. Die Kollegen von Mudhoney oder Mark Lanegan zog Cobain jederzeit den verachteten Pearl Jam vor. Den zuckrigen Punk der Vaselines schätzte Cobain gar so sehr, dass Nirvana gleich mehrere ihrer Songs coverten. Und dann darf man auch noch das dräuende "Owner's lament" von Scratch Acid kennenlernen, von denen sich Cobain positiv an Aerosmith erinnert fühlte, die aber doch viel mehr von Nick Cave oder Bauhaus hatten. Schon wieder könnte man jetzt über die Zerrissenheit in Cobains Seele spekulieren. Oder endlich einfach nur die Musik wirken lassen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Put some sugar in it (Half Japanese)
  • Owner's lament (Scratch Acid)
  • The passenger (Iggy Pop)
  • The man who sold the world (David Bowie)

Tracklist

  1. Overture (Steve Fish & Benjamin Gibbard)
  2. Never intended
  3. The motorcycle song (Arlo Guthrie)
  4. Eyes fly (The Melvins)
  5. Punk rock
  6. Banned in D.C. (Bad Brains)
  7. Up around the bend (Creedence Clearwater Revival)
  8. Put some sugar in it (Half Japanese)
  9. Son of a gun (The Vaselines)
  10. Graveyard (Butthole Surfers)
  11. Hardcore was dead
  12. Owner's lament (Scratch Acid)
  13. Touch me I'm sick (Mudhoney)
  14. Car radio
  15. The passenger (Iggy Pop)
  16. The bourgois blues (Lead Belly)
  17. New Orleans instrumental no. 1 (R.E.M.)
  18. The limelight
  19. The man who sold the world (David Bowie)
  20. Museum (Mark Lanegan)
  21. Indian summer (Benjamin Gibbard)

Gesamtspielzeit: 54:56 min.

Referenzen

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