Wu-Tang Clan - 8 diagrams

Wu-Tang Clan- 8 diagrams

Bodog / Edel
VÖ: 07.12.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Nothing to fuck with

Wu-Tang-Clan-Veröffentlichungen wurden bislang stets heiß erwartet, und eigentlich konnte man sich auch mit sämtlichen Droppings der Crew sicher sein, dass dem HipHop ein neuer großer Edelstein geschenkt würde. Bei"8 diagrams" aber war lange Zeit nicht sicher, ob diese Serie weitergehen würde. Zuerst gab es rechtlichen Stress bezüglich eines Beatles-Samples, und dann war der Clan alles andere als zufrieden mit dem Endprodukt. Zu sehr konzentrierte sich RZA auf das Producing, sodass ihm wohl manchmal keine Zeit blieb, auf die Wünsche seiner langjährigen Kollegen einzugehen. Die Fans mussten bangen, "8 diagrams" stand vielleicht sogar auf der Kippe, und RZA hätte sich stattdessen noch häufiger als bisher auf die Kinoleinwand verabschieden können. Allerdings waren auch die anderen Wu-Tang-Mitglieder in der Zwischenzeit recht umtriebig gewesen. Method Man und Ghostface Killah hatten, genau wie der Solo-Rest, positive Kritiken für gelungene Alleingänge erhalten. Abgesehen vom frühen Tod des Ol' Dirty Bastards, der erstmals auf einer Platte des Wu-Tang-Clans fehlt, schien die Ausgangsposition gar nicht so schlecht. Nun ist das neue Album des Oktetts (St. Nikolaus sei Dank) endlich da, und der nächste Trip ins urbane New York mit seinen nächtlichen Straßen, Höfen und Metro-Stationen darf beginnen. Man sollte also besser eine Taschenlampe einpacken.

Man braucht diese wie nichts anderes, wenn man sich an die bisher wohl größte und wichtigste Reunion der HipHop-Geschicht herantrauen will. Kryptische Zeilen müssen durchleuchtet und die musiklalischen Finessen erst bei hoher Konzentration ans Ohr gebracht werden. Denn nicht sofort erschließt sich dem 50-Cent-gebeutelten Freund des gepflegten HipHops ein Beat wie jener aus "Take it back". Hat der aber erstmal ein paar Runden mit seiner lokalen U-Bahn bei Nacht gedreht, wird er sich keinen passenderen Soundtrack mehr vorstellen können. Es war schließlich noch nie anders beim großen Wu. Gelegentliche Tracks wie "Gravel pit" oder "Protect ya neck" hatten bei vielen vielleicht den Eindruck entstehen lassen, der Clan sei mittlerweile gewöhnlich geworden - gewöhnlich genug für HipHop auf MTV. Natürlich war das öffentliche Interesse geweckt und der Schock groß, als das vorletzte Album "The W" plötzlich aus kalten und harten Beats bestand, die sich durch höchste Professionalität und Qualität auszeichneten, aber dadurch eben auch keinen Popappeal hatten. Wie schon damals zieht RZA auch mit "8 diagrams" alle Register. "Unpredictable" verstört durch Horrorfilm-Streicher, zerrt den Hörer mit einer gelegentlich aufjaulenden Gitarre im Tempo des Flows an den Haaren und verkündet mehr als deutlich, dass entgegen eines Postulats von Nas, HipHop noch längst nicht tot ist.

Das gesamte Album zeichnet sich durch hinreissende Leistungen seiner Protagonisten aus, und man verliert leicht den Überblick über die vielen MCs und wem man gerade eigentlich zuhört. Aber das ist kein Problem, denn trotz aller Querelen tritt der Clan auch auf seinem neuen Album wieder als eigenständiger Korpus auf - und beliefert nicht zuletzt auch das Radio. "The heart gently weeps" mit Erykah Badu, Dhani Harrison and John Frusciante ist, wie schon sein Titel verrät, der Track, mit dem es rechtliche Probleme gab. Nichtsdestoweniger haben sich diese Querelen gelohnt, so viel sei den Musiksendern verraten. Und es bleibt dabei: "8 diagrams" ist ein weiteres starkes Album, das über die stolze Länge von 16 Tracks nicht enttäuscht, sowohl dem HipHop-Kung-Fu-Meister reichlich Neues zu entdecken bietet, als auch dem Samurai-Neuling den Einstieg ins Bushido verschafft.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Rushing elephants
  • Sunlight
  • Life changes
  • Tar pit

Tracklist

  1. Campfire
  2. Take it back
  3. Get them out ya way pa
  4. Rushing elephants
  5. Unpredictable (feat. Dexter Wiggie)
  6. The heart gently weeps (feat. Erykah Badu, Dhani Harrison & John Frusciante)
  7. Wolves (feat. George Clinton)
  8. Gun will go (feat. Sunny Valentine)
  9. Sunlight
  10. Stick me for my riches (feat. Gerald Austin)
  11. Windmill
  12. Starter
  13. Weak spot
  14. Life changes
  15. Tar pit
  16. 16th chamber (O.D.B. special)

Gesamtspielzeit: 71:05 min.

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